Wilfried wäre 70 Jahre alt geworden. Er war Künstler, Menschenfreund, Hobbykoch und überzeugter Bewohner des Wienerwaldes. Seine Frau Marina und Wirt Roland Mayer erinnern sich zurück.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 24. Juni 2020 (04:01)
Am 24. Juni wäre Wilfried 70 Jahre alt geworden.
Nadja Büchler

Geboren wurde Wilfried Scheutz am 24. Juni 1950 in Bad Goisern im Salzkammergut. Anfang der 70er Jahre zog er nach Graz, und schon bald wurde er mit Liedern wie „Mary, oh Mary“ oder „Ziwui, Ziwui“ bekannt. 1976 wurde Wilfried Sänger bei der EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung) und lernte dadurch seine Frau Marina kennen. Thomas Spitzer, Mastermind der EAV, besuchte gemeinsam mit Marina die Universität für angewandte Kunst in Wien und wohnte mit ihr in einer Wohngemeinschaft im ersten Bezirk. Unter ihrer Wohnung, in den Räumlichkeiten eines ehemaligen Kohlelagers, betrieb Jazz Gitti ihr Lokal.

Auf der Suche nach einem Sänger schlug Spitzer Wilfried vor. Nach ein paar gemeinsamen Jahren verließ Wilfried die EAV und kümmerte sich wieder um seine Solokarriere. Zahlreiche Songs im Bereich Rock, Disco, Volksmusik und Blues entstanden. Seine Frau Marina gestaltete viele seiner Plattencovers. Nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes Hanibal war Familie Scheutz auf der Suche nach einem Haus auf dem Land. Fündig wurden sie durch einen Tipp von Margit und Wolfgang Ambros, und sie zogen 1984 nach Pressbaum. Nachdem im Laufe der Zeit viele Gasthäuser und Lokale der Region zusperrten, beschlossen Wilfried und Marina, im eigenen Garten einen Ort der Kommunikation und Kultur zu schaffen. Das war die Geburtsstunde der Vereinsmeiere

i. Wilfried, Sohn einer Wirtin, war schon immer ein begeisterter Koch und verwöhnte seine Gäste mit seinen beliebten Frühstückspfandln und anderen Köstlichkeiten. Er war ein großartiger Geschichtenerzähler und lockte Besucher von nah und fern. Er spielte Theater und schrieb Texte. Musikalisch wurde es neben kleineren Projekten ruhiger.

Geburtsstunde der VereinsMAYERbühne

Mit Wirt Roland Mayer wurde der passende Partner gefunden und gemeinsam trat man als Bühnenwirtshaus vereinsMAYERbühne auf. 2012 erschien die Live-CD „Bin wieder da“. Produziert wurde sie von Wilfrieds Sohn Hanibal, der seinem Vater im Vorfeld eine „neue Band“ an die Seite stellte. Die Arbeit mit seinem Sohn war Wilfried sehr wichtig, und das Musikmachen mit seinen jungen Bandkollegen hat ihn aufblühen lassen. Sein letztes Konzert fand am 22. Oktober 2016 in der vereinsMAYERbühne statt. Ein musikalischer Hochgenuss mit dem Wissen, es könnte sein letzter Auftritt sein. 2017 folgte „Gut Lack“, ein großartiges Album und gleichzeitig sein Vermächtnis. „Diese CD war ihm sehr wichtig. Er hätte gerne weiter Musik gemacht, aber es ging nicht mehr. Er hat trotz seiner Krebserkrankung bis zuletzt versucht, ein normales Leben zu leben“, erzählt Ehefrau Marina. Wilfried starb am 16. Juli 2017 im Kreise seiner Familie.