Streit um die Kinder in Pressbaum. Vater soll Partner der Ex-Frau vor den Kindern verprügelt und Mutter verletzt haben.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 02. Mai 2021 (03:50)
NOEN, Erwin Wodicka

Am 25. Dezember kam ein 29-Jähriger zum Haus seiner ehemaligen Schwiegereltern um seine beiden Kinder abzuholen - mit der Bierdose in der Hand und sehr ungeduldig. „Willst du mir die Kinder wieder vorenthalten?“, schrieb er seiner Ex-Frau, weil der Sohn und die Tochter nicht auf die Minute genau vor der Tür standen. Weil es in Strömen regnete, bot der Großvater der Kinder dem Mann an, sie mit dem Auto nach Hause zu fahren. Der soll mit einer Beschimpfung abgelehnt haben.

Was dann passierte, erzählen die Großeltern der Kinder und die Mutter vor Gericht übereinstimmend, der neue Lebensgefährte der Frau mit leichten Abweichungen. Der Angeklagte sei betrunken gewesen, die Kinder hätten Angst bekommen und der neue Freund der Mutter sei vor die Tür gekommen um die Kinder zurück ins Haus zu holen. Dabei habe ihn der Angeklagte konfrontiert: „Das sind meine Kinder und ich hole sie ab.“ Dann soll der Angeklagte auf den anderen Mann eingeschlagen haben. Mit den Fäusten ins Gesicht und gegen den Körper, beide stürzten ins Gebüsch. „Ich bring dich um“, soll der Angeklagte dabei mehrmals gerufen haben.

Angeklagter bezeichnet Handlungen als Notwehr

Als seine Ex-Frau dazwischen ging, stieß er sie gegen die Wand, sie bricht sich dabei den kleinen Finger, knickt um und verletzt sich am Knöchel. Das bestätigen auch die Großmutter der Kinder und der Freund der Frau. Nur der Angeklagte erzählt eine andere Geschichte: Die Frau sei von alleine gestürzt und habe sich wohl dabei verletzt. Den Freund habe er nicht geschlagen, sondern sich nur gegen Angriffe von diesem verteidigt. Betrunken sei er auch nicht gewesen. Einen Alkoholtest verweigerte er vor der Polizei. „Die wollen mir die Kinder wegnehmen“, antwortet er auf die Frage des Richters, warum denn alle anderen Beteiligten lügen sollten. Der glaubt ihm allerdings nicht.

Der Mann ist nicht vorbestraft, daher verurteilt ihn der Richter zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten wegen Körperverletzung, schwerer Körperverletzung und gefährlicher Drohung. Die Probezeit beträgt drei Jahre. Er muss 2000 Euro Schmerzensgeld an seine Ex-Frau zahlen, 200 Euro an deren Freund. Er erhält Kontaktverbot zur Mutter. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.