Alina Schaller: „Ein Gefühl, gehört zu werden“. Schauspielerin Alina Schaller über ihren neuen Film „Wenn wir die Regeln brechen“ und über ihren Weg zur Schauspielerei.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 03. Juni 2021 (06:33)
Alina Schaller (r.) ist neben Judith Altenberger (l.) sowie Wolfgang Böck und Pia Hierzegger mit dem Film „Wenn wir die Regeln brechen“ ab Frühjahr 2022 in den Kinos zu sehen.
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Mit sieben Jahren stand sie das erste Mal auf der Bühne, seitdem hatte Alina Schaller zahlreiche Auftritte in Theater- und Filmproduktionen. Spätestens seit ihrem Auftritt als „Alma“ in der ORF-Serie „Vorstadtweiber“ ist sie einem breiten Publikum bekannt. Zuletzt konnte sie ihre erste Hauptrolle in einem Kinofilm ergattern. In „Wenn wir die Regeln brechen“ ist sie ab Frühjahr 2022 neben Schauspielgrößen wie Wolfgang Böck und Pia Hierzegger zu sehen. Die NÖN traf die 24-Jährige zum Gespräch über ihren neuen Film, ihren Werdegang und die Zeit während der Lockdowns.

NÖN: Wie haben Sie die letzten Monate während der Lockdowns verbracht?

Alina Schaller: Tatsächlich ganz unterschiedlich. Es gab eine Zeit, in der ich nur zu Hause war. Ich war aber immer mit Menschen zusammen, also mit meiner Familie. Dann hatte ich wahnsinnig viel Glück, weil es auch Projekte gab, die trotzdem stattfinden durften. In manchen Wochen war ich einfach nur zu Hause, andere Wochen verbrachte ich ganz normal am Set zum Drehen.

Der Dreh zu „Wenn wir die Regeln brechen“ wurde kürzlich abgeschlossen. Sie spielen darin die Hauptrolle. Worum geht es in dem Film?

Schaller: Es geht um die junge Frau Mira. Sie ist Eishockeyspielerin und arbeitet gleichzeitig auch im Familienbetrieb. Es geht darum, dass eine neue Spielerin zu ihr ins Team kommt und ihr Bruder, der vor drei Jahren verschwunden ist, wieder auftaucht. Da beginnt dann die ganze Story, in der sich diese drei dann im Nachtleben verlieren. Mira macht eine wahnsinnige Entwicklung durch. Am Anfang ist sie ein kontrollierter Mensch. Was so spannend an ihr war, ist, wie sie lernt, diese Sicherheit und diese Starrheit loszulassen und einfach sie selbst sein zu können. Sie findet auch sehr interessante Seiten an sich.

Auch die Thematik rund um Gender-Identitäten wird in dem Film behandelt...

Schaller: Und auch das Hinterfragen von Klischees. Was bedeutet eigentlich Frau- oder Mann-Sein? Auch einmal ausbrechen und zu sagen: Ich habe eigentlich keinen Bock darauf, mich in die Rolle hineindrängen zu lassen. In den Status der Frau, wie es jetzt gerade in unserer Gesellschaft ist. Das fand ich auch so spannend an dieser Rolle. Deswegen wollte ich das unbedingt machen. In dem Film wird sichtbar, wie facettenreich Frauen sein können.

Inwieweit können Sie sich mit der Figur der „Mira“ identifizieren?

Schaller: Vor einem Jahr hätte ich gesagt, dass die Rolle echt weit weg ist von mir. Aber das Schöne am Schauspiel ist, dass man sich in der Figur immer wieder auch selbst findet. Ich kann mich schon sehr gut mit Mira identifizieren. Der Kampf zwischen Sicherheit und Freiheit. Ich bin im letzten Jahr definitiv in die Figur hineingewachsen.

Wie haben Sie sich auf den Film vorbereitet?

Schaller: Ich habe ursprünglich nicht Eishockey spielen können und habe im ganzen letzten Jahr versucht, es zu lernen. Das war, glaube ich, die intensivste Vorbereitung, die ich je für eine Rolle gemacht habe. Es war wahnsinnig körperlich und ich fand es total interessant. Normalerweise ist mein Bruder der Sportler in der Familie. Ich habe erst jetzt verstanden, was das eigentlich bedeutet, wenn man jeden Tag zweimal trainiert, und das sechsmal die Woche. Und zusätzlich dann noch auf die Ernährung zu schauen und mental da zu sein. Der Hauptfokus lag eigentlich auf der körperlichen Vorbereitung.

Sie sind bereits in zahlreiche Rollen geschlüpft. Wann sind Sie das allererste Mal auf der Bühne gestanden?

Schaller: Ich bin das erste Mal mit sieben Jahren auf der Bühne gestanden, da war ich hier in Purkersdorf in der Volksschule. Ich war nicht besonders beliebt damals, das war ziemlich schwierig. Ich war auch total schüchtern. Ich bin das erste Mal im Zuge eines Kindermusicals auf der Bühne gewesen. Da habe ich eine kleine Uhr gespielt. Meine Klasse ist zuschauen gekommen und auf einmal habe ich Freunde gehabt in der Klasse. Das war so ein schönes Gefühl, gesehen zu werden.

Wie ist es danach weitergegangen?

Schaller: Am Anfang war das sehr treibend, dass man sich auch über einen anderen Menschen als sich selbst ausdrücken kann. Und irgendwann ist das übergegangen. Während der Schule habe ich viel Theater gespielt. Ich bin dann auch in Wien in eine Schule mit Kunstschwerpunkt gegangen. Dann bin ich zur Jungen Burg gekommen und habe dort auch meine Theatergruppe gefunden. Wir haben gemeinsam Stücke gemacht – selber geschrieben und inszeniert. Das war eine sehr kreative Zeit. Nach der Schule hat sich für mich die Frage gestellt, ob das jetzt ernsthaft ist oder nicht. Nach der Schule hat sich das dann aber echt gut ergeben, dass immer weiter Produktionen gekommen sind, am Anfang vor allem am Theater. Wir Jungen von der Jungen Burg haben uns da gegenseitig sehr motiviert.

Sie waren auch bereits für einen Nestroy nominiert. Wie ist es dazu gekommen?

Schaller: Ausschlaggebend dafür war ein Vorsprechen beim Volkstheater für das Stück „Hangmen“. Ich dachte mir, dass das sowieso nicht klappen wird, weil auch Schauspielstudenten dort waren. Aber ich wollte mir auf keinen Fall vorwerfen, dass ich es nicht versucht habe. Ich war dann bei dem Vorsprechen und habe die Rolle bekommen. Das war dann einer dieser Punkte, wo ich gemerkt habe, dass das, was ich mache, auch wirklich gut ist. Dafür wurde ich auch für den Nestroy nominiert. Was eigentlich nicht möglich ist, wenn man nicht schon auf der Schauspielschule war. Das war auch ein bisschen augenöffnend. Danach sind dann wieder Produktionen dazugekommen und auch Film und Fernsehen.

Was sind Ihre Ziele für die Zukunft?

Schaller: Es wäre sehr schön, wenn ich noch einige Hauptrollen in Kinofilmen oder vielleicht Netflix-Serien spielen dürfte. Es wäre auch wahnsinnig cool, eine unberechenbare Figur zu spielen, die von ihrem Leben wahnsinnig herausgefordert wird. So eine Geschichte verkörpern zu dürfen, wäre ein Ziel von mir.