Alle gegen Angerer im Gemeinderat. NEOS-Mandatar hält die Fahnen seiner Ein-Mann-Fraktion hoch. Mit seinen Anmerkungen sorgt er oft für pulsierende Stirnadern.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 28. März 2018 (05:29)
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Christoph Angerer (NEOS) fordert vom neuen Präsidenten ein engeres Zusammensiel mit der Regierung.

Die Gemeinderatssitzungen im Purkersdorfer Stadtsaal sind mitunter etwas einseitig. Ein Stadtrat referiert über seine Anträge, danach wird abgestimmt. Meist auch einstimmig. Zu Debatten kommt es eher selten. Sei es, weil bereits zuvor in den Ausschüssen, schon alles besprochen worden war, oder weil es einfach nichts zu diskutieren gibt. Nur wenn sich NEOS-Gemeinderat Christoph Angerer zu Wort meldet, dann erzeugt das beim einen oder anderen Gemeinderat zumindest Stirnrunzeln, bei manchen wird auch das Pulsieren einer Ader am Kopf sichtbar.

Der geübte Beobachter von Gemeinderatssitzungen kann bereits beim Studieren der Tagesordnung vorhersagen, zu welchen Punkten sich Angerer zu Wort melden wird.

Sonnenbusfahrt und Wienerwaldbad

Es handelt sich dabei um ausgesprochene Lieblingsthemen des NEOS-Gemeinderats. Da wäre einmal die Renovierung des Wienerwaldbades. Seine Rede beginnt er stets mit: „Ja, das kann man so machen“, gefolgt von: „Es wäre aber besser, das Geld anderswo zu investieren...“.

Ein weiteres Lieblingsthema Angerers ist die Sonnenbus- oder neuerdings Sonnenzugfahrt der Purkersdorfer Senioren. „Gegen eine kostengünstige Reise in die Umgebung spricht ja nichts. Jetzt fahren wir aber schon um 35.000 Euro nach Passau in Deutschland. Wenn das so weiter geht, finden bald Sonnenflugreisen nach Mallorca statt“, sagte er bei der letzten Sitzung, ganz zum Entsetzen der übrigen Gemeinderäte.

Andreas Kirnberger (ÖVP) legte Angerer nahe, einmal an einer Sonnenzugfahrt teilzunehmen. Vizebürgermeister Christian Matzka bemühte die Geschichte und sagte: „Passau war bis 1729 Bischofsstadt von Purkersdorf.“ Und FPÖ-Gemeinderat Martin Cipak klärte Angerer darüber auf, dass die meisten Senioren, die da mitfahren würden, Geld in den Staat eingezahlt hätten, während er noch die Schulbank gedrückt hätte.

Als Angerer dann eine Planung für das Bahnhofsareal rund um den Bahnhof UnterPurkersdorf fordert, ist es mit der Geduld einiger Mandatare am Ende. Es wird sogar wild gestikuliert. „Du kannst mir nicht nach jeder Wortmeldung den Vogel zeigen“, wunderte sich Angerer gegenüber Walter Jaksch (SPÖ), der seinerseits die Vorzüge einer mit Mehrheit sozialdemokratisch geführten Stadtregierung hervorhob.