Kein Kinderarzt in Sicht: Kassenstelle wandert ab. NÖ Gebietskrankenkassa und Ärztekammer verlagern das Angebot von Purkersdorf nach Böheimkirchen und St. Pölten.

Von Martin Gruber-Dorninger und Mario Kern. Erstellt am 27. Februar 2019 (04:29)
Shutterstock.com/Evgeny Atamanenko
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Die Geschichte um den fehlenden Kinderarzt in Purkersdorf ist um ein weiteres Kapitel reicher. Die Planstelle der NÖ Gebietskrankenkassa soll nun mangels Anfragen interessierter Nachfolger von Purkersdorf nach St. Pölten beziehungsweise Böheimkirchen wandern.

Vor zwei Jahren entschloss sich Purkersdorfs Kinderärztin Christa Levin-Leitner, ihren Kassavertrag bei der NÖ Gebietskrankenkassa zurückzulegen. Die Arbeit sei ihr einfach zu viel. Sie beschränkte sich auf Patienten kleinerer Kassen und Privatpatienten. „Der Bedarf nach einem Kinderarzt ist in Purkersdorf derart groß, dass ich mir schon überlege, auch die Verträge mit den kleineren Kassen zurückzulegen, nur damit ich mich angemessen um meine Wahlpatienten kümmern kann“, sagte Levin-Leitner gegenüber der NÖN. Sie verstehe nicht ganz den Sinn dahinter, die Planstelle nun aus Purkersdorf zu befördern, sehe aber ein, dass sich die Suche nach einer Nachfolge in Purkersdorf mehr als schwierig gestaltete.

Arzt soll für PVZ gefunden werden

Um dem akuten Ärztemangel in der Region sowie im gesamten Bezirk Abhilfe zu schaffen, versuchen Gebietskrankenkassa und Ärztekammer nun Abhilfe zu schaffen. Sie machen einen Schritt zu auf mögliche Kandidaten: Kinderärzte sollen nun in die Primärversorgungszentren (PVZ) in St. Pölten und Böheimkirchen eingegliedert werden. Beide Einrichtungen suchen aktiv nach Kassen-Fachärzten für jeweils zehn Wochenstunden. Es wurden sogar weitere Kassenverträge ergänzt und auf die beiden PVZ aufgeteilt.

Ende der Bewerbungsfrist für die neuen Stellen in St. Pölten und Böheimkirchen ist der 14. März. Neben der Gebietskrankenkasse zeigt sich auch das St. Pöltner PVZ-Team zuversichtlich.

„Wir hoffen und sind frohen Mutes, dass sich interessierte Mediziner bei uns melden“, erläutert Geschäftsführer Christoph Erber. Er sieht große Vorteile: „Bei uns sind Infrastruktur, Personal und EDV-System bereits vorhanden. Das alles kann zu günstigen Konditionen mitverwendet werden.“ Und das wirtschaftliche Risiko, das viele Mediziner von der Selbständigkeit abhalte, falle mit der Einbindung weg, so Erber. Mit einem Kinderarzt an Bord würde das PVZ auch sein Team weiter aufstocken.

Stadt will alle Hebel in Bewegung setzen

Purkersdorfs Bürgermeister Stefan Steinbichler fühlt sich von der Nachricht vor den Kopf gestoßen. Eigentlich wollte die Stadtgemeinde noch die Verhandlungen rund um die von der Regierung geplante Zusammenlegung der Kassen abwarten. 21 Versicherungen sollen auf fünf zusammengelegt werden, doch „die Zeit des Abwartens ist nun vorbei“, sagt Steinbichler, der sich um Aufklärung kümmern will. „Wir haben in den Stadträten alle Hebel in Bewegung gesetzt, um Klarheit zu schaffen“, ergänzt der Bürgermeister. Purkersdorf sei schließlich eine schnell wachsende Stadt. „Wir haben viele Volksschulklassen und die Kindergärten sind ausgelastet. Da wäre ein Kinderarzt wünschenswert.“

Dass die Planstelle in Purkersdorf auch nicht mehr besetzt werden soll, sollte sich ein Interessent melden, ist derzeit noch ungewiss. „Sollte es nun einen interessierten Kinderfacharzt für Purkersdorf geben, schauen wir uns gemeinsam mit der Ärztekammer NÖ die Situation hinsichtlich einer Adaptierung des Stellenplans an“, heißt es seitens der Öffentlichkeitsarbeit der NÖ Gebietskrankenkassa.

Christa Levin-Leitner ist inzwischen selbst weiterhin auf der Suche nach einem Nachfolger für die Planstelle. „Es gibt derzeit Interessenten“, sagt sie.