Mit Verve durch den Wald. Gerald Plattner hat das Naturraummanagement bei den Österreichischen Bundesforsten in Purkersdorf aufgebaut und anschließend 18 Jahre lang geleitet.

Von Monika Närr. Erstellt am 01. April 2021 (04:00)
Bei einer Exkursion des ÖBf-Expertenforums mit NGOs im oberösterreichischen Höllengebirge ging es 2019 um Schutzwaldbewirtschaftung. Gerald Plattner ist ganz rechts im Bild zu sehen, Bundesforste-Vorstand Rudolf Freidhager ganz links.
VNÖ, ÖBF, VNÖ, ÖBF

Er ist ausgestattet mit den Fähigkeiten eines exzellenten Kommunikators: Er hört gerne zu, ist reflektiert und versteht das Geben und Nehmen in einer Form, die ihn in seiner 36-jährigen Berufslaufbahn trotz vieler Hürden letztlich immer einen gemeinsamen Nenner mit anderen finden ließ. Genau deswegen war Gerald Plattner der richtige Mann am richtigen Platz zur richtigen Zeit.

Mit 16 übersiedelte der Bregenzer nach Wien, als sein Vater im Landwirtschaftsministerium Sektionschef für Forstwesen wurde. Er trat in seine Fußstapfen, studierte Forstwirtschaft mit Schwerpunkt ökologische Ausrichtung und engagierte sich bereits damals bei der Naturschutzjugend, Als er Mitte der 80er-Jahre bei den Bundesforsten (ÖBf) mit Naturschutz betraut wurde, galt er im nichtpolitischen Sinne als Grüner. Und dieses Herz für die Umwelt, gepaart mit strategisch-wirtschaftlichem Denken, sollte ein Glücksfall für die Bundesforste werden.

Vorwärtsstrategie für Nationalparke

Seine Einstiegsjahre waren geprägt von der Entwicklung von Vorwärtsstrategien für die Nationalparke Donau-Auen und Kalkalpen. „Sehr herausfordernd war die Nationalpark-Vorbereitungskommission“, so der Vater der 32jährigen Esther, die in dritter Generation ebenfalls an der Bodenkultur studierte und als Lebensmittel- und Biotechnologin arbeitet. „In harten Verhandlungen mit Ministerien und Ländern erlernte ich damals das politische Arbeiten“, blickt er auf die Anfänge zurück.

Hier beurteilt Gerald Plattner einen Flaumeichenwald, eine seltene Waldgesellschaft, die am Alpenostrand vorkommt.
NOEN, VNÖ, ÖBF

Eine große Pionierleistung gelang ihm in den 90ern, in dem er die Kooperation mit ursprünglich kritisch-ablehnend eingestellten Umwelt-NGOs (Nicht-Regierungsorganisationen) auf neue Beine stellte. Er meint heute im Rückblick: „Durch eigene Ungeschicklichkeit wurden wir Jahre angeschüttet“. Als ihm Johanna Mang, die damalige Geschäftsführerin des WWF (World Wide Fund for Nature), zeigte, dass sie Beide Zwischentöne verstehen, merkte Plattner: „Wir haben offene Baustellen, was die Akzeptanz bei NGOs betrifft“. Da er sich seine Aufgaben im neuen Bereich des Naturraumanagements weitgehend eigenständig schaffen konnte, stellte er die Zusammenarbeit mit NGOs auf immer bessere Füße, bis sie etabliert war.

„Wir waren einander nicht grün vor 30 Jahren“, so Mang, „aber wir lernten wechselseitig, wie der andere tickt. Wir hatten beiderseitig die Bereitschaft, auf Neues einzugehen und die Bundesforste lernten, dass sie nicht mehr nur alleine bestimmen konnten, weil das breite öffentliche Interesse für Natur und Umweltschutz erwacht war.“ Im Gegenzug erkannte auch der WWF, dass so manches in Kooperation und gemeinsam entstehen muss. Abschließend hebt Mang hervor: „Dafür braucht es aber immer die richtigen Menschen. Und Gerald war der Richtige. Er hatte immer Freude und Interesse, etwas zu entwickeln.“

„In den vergangenen drei Jahrzehnten ist viel Positives entstanden“, ist auch ÖBf-Vorstand Rudolf Freidhager von den Leistungen Plattners mehr als überzeugt. Und führt dazu aus: „Wir haben gemeinsam mit NGOs viel erreicht und zahlreiche Projekte mit WWF, Umweltdachverband, BirdLife, Naturschutzbund oder Naturfreunden umgesetzt.“

Erste Initiative für Biodiversität

Ein weiteres großes Themengebiete Plattners war das ökologische Landschaftsmanagement. Unter seiner Federführung brachten die Bundesforste weltweit die erste Initiative für Maßnahmen und Schutz der Biodiversität ein, ab Mitte der 2000er-Jahre wurde eine ÖBf-Biodiversitätsstrategie mit dem Europadirektor der IUCN (Internationale Naturschutzorganisation) entwickelt und auf EU-Ebene vorgestellt. In der aktuellen EU-Biodiversitätsstrategie sollen große Forstbetriebe in ihren Bewirtschaftungsplänen nun die Naturschutzplanung einbeziehen.

Und erst letzten Donnerstag wurde sein Spätlingswerk im Rahmen einer Pressekonferenz aus der Taufe gehoben: Die Verdoppelung des IUCN-Wildnisgebiets Dürrenstein-Lassingtal an der steirisch-niederösterreichischen Landesgrenze. Die Bundesforste bringen hier drei Viertel der Flächen in den größten Urwald Mitteleuropas ein. Die sehr komplexen und mitunter schwierigen Verhandlungen hatten fast sieben Jahre gedauert und wurden in Lockdown-Zeiten abgeschlossen.

Elf Jahre lang war Gerald Plattner, quasi als Außenminister der ÖBf, auch im Publikumsrat des ORF für Umweltschutz verantwortlich. Mit Mai tritt seine Mitarbeiterin Christina Laßnig-Wlad seine Nachfolge an, was Kontinuität verspricht. Er selbst wollte eine dreimonatige Reise in die Urwälder der Karpaten antreten, diese hat er nun um ein Jahr aufgeschoben. Die Seele lässt er zwischenzeitlich auf seinem Segelboot am Neusiedlersee baumeln. Denn: „Ich schaue gerne auf’s Meer. Egal, ob es ein Wasser- oder Waldmeer ist“, lächelt der Optimist.