Peter Henisch präsentiert „Ohrwürmer mit Tiefgang“. „Blues Plus“, so heißt das zweite Blues-Album von Schriftsteller Peter Henisch. Dass er in der „Bühne“ auftritt, liegt auch an seinen nostalgischen Gefühlen für Purkersdorf.

Von Lisa-Maria Seidl. Erstellt am 26. April 2019 (03:28)
Alfred Pulletz
Schriftsteller Peter Henisch präsentiert mit „Blues Plus“ sein zweites Werk als Bluessänger.Mit Purkersdorf ist für ihn eine Art Heimat, sagt er.

Peter Henisch ist eine Größe der österreichischen Gegenwartsliteratur. Neben dem Schreiben schlägt sein Herz aber auch für die Musik. Gemeinsam mit Peter Strutzenberger, Hermann Posch und Franz Haselsteiner präsentiert er am Samstag, 27. April, sein neues Album „Blues Plus“ in der „Bühne“.

NÖN: Wie ist dazu gekommen, dass sie nach 40 Jahren ihr musikalisches Comeback feiern?
Peter Henisch: Was ich als Autor mache, ist ja vielen ein Begriff. Dass ich auch als Liedermacher tätig war und bin, wissen aber nicht alle. 1975 ist eine LP von mir erschienen, die hieß „Alles in Ordnung“. Diese wurde im Vorjahr von der Zeitschrift „Rolling Stone“ auf ihre Liste der 100 besten Alben gesetzt. Alfred Pulletz vom Festival Vienna Blues Spring hat sich dann an mich gewandt und gefragt, ob ich nicht wieder etwas machen möchte. Er hat mich mit drei großartigen Musikern zusammengebracht. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.

Im „Rolling Stone“ wurden sie beschrieben als „ein proletarischer, wienerischer Leonard Cohen“. Was sagen Sie dazu?
Die Latte liegt hoch, der Vergleich ist ehrenvoll. Leonard Cohen schätze ich sehr und war sehr traurig, als ich von seinem Ableben erfahren habe.

Was erwartet das Publikum?
Auf dem Album finden sich sowohl alte als auch neue Lieder. Es heißt „Blues Plus“, weil es sich nicht nur um Blues bzw. um Blues im weiteren Verständnis handelt. Die Texte, die ich zu den Songs geschrieben habe, sind literarisch - oder sagen wir: Man muss zuhören. In gewisser Weise handelt es sich bei „Blues Plus“ um ein Programmalbum. Die Abfolge der Lieder ist nicht willkürlich. Die Themen sind höchst aktuell, das ist nicht immer schön. Der 34er Blues etwa thematisiert die Flüchtlingsproblematik.

Welche Rolle spielt Musik in Ihrem Leben?
Literatur und Musik hängen innig zusammen, Dichter und Sänger wurden in der Vergangenheit oft identifiziert, etwa bei Homer oder den Minnesängern.

Warum die lange Pause?
Ich habe in der Zwischenzeit ja nicht keine Musik gemacht. Da ist die Zusammenarbeit mit Thomas Declaude in der Gruppe Wiener Fleisch und Blut und die Arbeiten mit Woody Schabata und Hans Zinkl. Das war ein anderes Genre, eine Art Musik-Literatur-Teamwork. Schöne Sachen, die aber nicht ihrem Wert entsprechend zur Kenntnis genommen wurden. Das neue Album ist zugänglicher. Es sind Ohrwürmer dabei, aber mit viel Tiefgang.

Welche Beziehung haben Sie zu Purkersdorf?
Ich habe 15 Jahre lang in Gablitz gewohnt. Purkersdorf ist für mich eine Art Heimat, ich bin gerne hinspaziert und erinnere mich noch an das Stadtcafé, die Buchhandlung Mitterbauer und viele interessante Gespräche.

Wie ist zu dem Konzert in Purkersdorf gekommen? 
Ich habe zu Alfred Pulletz gleich zu Beginn gesagt: Ich werde nicht alle 14 Tage in irgendwelchen Blues-Kellern auftreten. Für meine Romane ist eine gewisse Kontinuität wichtig. Wir haben an ausgewählten Orten gespielt, wo das Gefühl gepasst hat. Dass wir jetzt in Purkersdorf spielen, hängt vielleicht wirklich mit meinen nostalgischen Gefühlen zusammen.

Wie geht es musikalisch weiter?
Ich hätte gute Lust, weiter zu machen, möchte aber auch meinen neuen Roman beenden. Es wäre aber schade, das Projekt so im Raum stehen zu lassen. Ich habe viele Ideen, wir verstehen uns gut. Ich kann mir vorstellen, noch eine CD zu machen. Die könnte dann etwa „Lieder gegen die Lüge (und für die Liebe)“ heißen.