Stefan Steinbichler: „Toleranz ist gewachsen“. Purkersdorf: SPÖ-Bürgermeister Stefan Steinbichler über die Coronakrise, die Bahnhofsumbauten sowie die gestiegene Toleranz bei längeren Wartezeiten bei Bauakten.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 22. Juli 2021 (04:24)
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Bürgermeister Stefan Steinbichler in seinem Büro im Purkersdorfer Rathaus.
Baumgartner, Baumgartner

Die vergangenen Monate waren stark geprägt von der Corona-Pandemie. SPÖ-Bürgermeister Stefan Steinbichler spricht mit der NÖN über die damit verbundenen Herausforderungen sowie über die Bahnhofsumbauten Unterpurkersdorf und Purkersdorf Zentrum.

NÖN: Wie hat Corona das vergangene Jahr geprägt?
Stefan Steinbichler: Massivst. Am Anfang hat es geheißen, dass es nach zwei Monaten wieder vorbei ist – das ist jetzt 1,5 Jahre her. Wir haben genug Herausforderungen gehabt. Angefangen von dem Einkaufsservice, den wir relativ schnell aus dem Boden gestampft haben. Dafür haben wir auch eine Telefonannahmestelle eingerichtet. Binnen kürzester Zeit hatten wir, glaube ich, 42 Freiwillige, das war toll.

Auch die Testungen waren in den vergangenen Monaten ein großes Thema. Welche Herausforderungen galt es da zu bewältigen?
Wir mussten die Teststraßen innerhalb kürzester Zeit – ich glaube innerhalb von zehn Tagen – vorbereiten. Die Herausforderung dabei war, auch die Teststraßen so vorzubereiten, dass das gesamte Prozedere – Anmeldung, Testung, Auswertung – durchgeführt werden konnte. Auch die IT war da sehr gefordert. Da haben wir in Purkersdorf aber einen großen Vorsprung gehabt, weil wir ein Jahr vorher für die Wahlen in der Stadtgemeinde zehn Laptops angekauft haben. Da waren wir zum Glück gut aufgestellt.

Wir konnten einige Mitarbeiter ins Homeoffice schicken. Das hat wesentlich besser funktioniert, als gedacht, weil fast alles von zu Hause aus möglich war

Wie funktionierte die Arbeit im Rathaus während der Lockdowns?
Wir konnten einige Mitarbeiter ins Homeoffice schicken. Das hat wesentlich besser funktioniert, als gedacht, weil fast alles von zu Hause aus möglich war. Die Bauabteilung hat auch immer wieder Pläne und Akten aus dem Rathaus gebraucht. Die haben dafür dann eine Ausnahmegenehmigung bekommen.

Gibt es etwas Positives, das die Krise bisher gebracht hat?
Die Leute sind geduldiger geworden. Wenn ein Akt statt zwei Tage vier Tage dauert, ist die Toleranz, was das betrifft, zum Glück größer geworden. Unsere Bauabteilung arbeitet jetzt zwar schon mit zwei Gutachtern, weil wir so viel zu tun haben. Wir arbeiten derzeit auf Hochtouren, aber dennoch dauern manche Akten länger als gewohnt. Und da ist die Toleranz schon da.

Die Leute sind geduldiger geworden. Wenn ein Akt statt zwei Tage vier Tage dauert, ist die Toleranz, was das betrifft, zum Glück größer geworden

Die Bausperre wurde um ein weiteres Jahr verlängert. Was bedeutet das für die Stadtgemeinde?
 Jede Bausperre ist grundsätzlich für zwei Jahre angesetzt. Das ist aber immer sportlich, auch in Nicht-Corona-Zeiten. In dem einen zusätzlichen Jahr müssen wir jetzt eine neue Raumplanung schaffen. Bis Oktober/November sollte der Raumordnungsplan fertig sein, damit wir uns dann dem Flächenwidmungsplan zuwenden können. Wir müssen auch schauen, dass wir alle Schritte auch rechtlich durchsetzen. Wenn wir Anfang Juli 2022 nicht fertig sind, wäre der alte Flächenwidmungs- und Raumordnungsplan wieder gültig. Das Ziel ist, dass wir eine gut durchdachte Raumordnungsplanung haben, in die auch der Umwelt- und Klimagedanke einfließen soll.

Viele Diskussionen gab es zuletzt wegen der Bahnhofsumbauten, vor allem wegen Unterpurkersdorf. Immer wieder wird dabei Bürgerbeteiligung gefordert. Wie sehen Sie diese Forderungen?
Wir hatten tolle Pläne, wie Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung funktionieren kann. Wegen Corona mussten wir diese aber großteils verwerfen. Viele befürchten jetzt aber, dass eine Bürgerbeteiligung nicht stattfinden wird. Wir versuchen aber weiterhin, eine solche zu ermöglichen. Gerade bei der Überarbeitung des Raumordnungsprogramms ist eine Bürgerbeteiligung essenziell und enorm wichtig. Wir haben ständig versucht, den Bürgerinnen und Bürgern kundzutun, dass sie sich mit ihren Ideen bei ihren vertrauten Personen im Gemeinderat beziehungsweise in der Planungsgruppe wenden sollen. Im aktuellen Amtsblatt stehen jetzt auch die Ansprechpartner. Im September soll dann das Ergebnis dieser Beteiligung präsentiert werden. Wenn wir dürfen, wird es im Stadtsaal eine Veranstaltung geben.

Wir hatten tolle Pläne, wie Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerbeteiligung funktionieren kann

In den letzten Monaten haben sich mehrere Bürgerinitiativen gegründet. Wie stehen Sie diesen gegenüber?
Es gibt tolle Initiativen, wie etwa das Team Wiener Straße, das sehr vernünftige Ansätze hat. Sie geben einen Denkanstoß – das muss eine jede Gemeinde eigentlich liebend gerne annehmen. Das trifft sich jetzt auch gerade perfekt, weil gerade das Radschnellweg-Netz vom Land Niederösterreich geplant wird. Initiativen wie jene von den Bahnhofsfrauen finde ich schade, weil wir das, was sie fordern, bereits im März im Gemeinderat beschlossen haben.

Kürzlich haben die Planungen für einen Radschnellweg in der Region begonnen. Was wünschen Sie sich konkret für Purkersdorf?
Ich finde es wichtig, dass ein Radschnellweg kommt. Ich könnte mir vorstellen – und ich glaube auch, dass es technisch möglich wäre – von Wien kommend auf der B 1 einen Fahrradstreifen zu ermöglichen. Aber lediglich auf einer Seite. Größere Probleme wird es meiner Meinung nach entlang der B 44 geben. Hier könnte es stellenweise eng werden.