Terror in Wien: Pleischl in Untersuchungskommission. Der Purkersdorfer Werner Pleischl untersucht Vorgänge zum Anschlag in der Wiener Innenstadt.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 18. November 2020 (04:33)
Der ehemalige Generalprokurator und Purkersdorfer Werner Pleischl ist Teil der Untersuchungskommission zum Anschlag in der Wiener Innenstadt.
privat

Vergangene Woche wurde bekannt gegeben, dass die Strafrechtsprofessorin Ingeborg Zerbes die Untersuchungskommission zum Anschlag in der Wiener Innenstadt leitet. Ein weiteres Mitglied dieser Kommission ist auch der frühere Generalprokurator und Purkersdorfer Werner Pleischl. Bestellt wurde die insgesamt fünfköpfige Kommission von Justiz- und Innenministerium.

Für Pleischl kam die Bestellung völlig überraschend. „Ich glaube, es ist eine sehr interessante und wichtige Aufgabe, der ich mit großer Spannung entgegensehe“, sagt der Purkersdorfer und setzt fort: „Unsere Aufgabe ist, glaube ich, von allgemeinem Interesse. Ich werde versuchen, das mit meinem fachlichen Hintergrund als Staatsanwalt und Richter bestmöglich zu lösen.“

„Ich glaube, es ist eine sehr interessante und wichtige Aufgabe, der ich mit großer Spannung entgegensehe“ 

Konkret haben die fünf Kommissionsmitglieder die Aufgabe, alle Vorgänge, die zwischen der bedingten Entlassung des Täters im Dezember 2019 und seinem Tod am 2. November stattgefunden haben, zu erheben und anschließend zu bewerten. Die Untersuchung umfasst etwa die Überprüfung der Handlungen von Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichtsvollzug, Bewährungshilfe sowie von in- und ausländischen Behörden.

Am Dienstag fand die erste Sitzung statt, binnen vier Wochen soll es einen ersten Bericht geben. „Ein Bericht innerhalb dieser kurzen Zeitspanne ist zwar möglich, die Frage ist nur, wie viele Informationen schon zur Verfügung stehen“, ist Pleischl überzeugt. Im nächsten Jahr soll der abschließende Bericht fertig sein. „Offenbar möchte man noch heuer erste Informationen haben und das sollte möglich sein. Die Frage ist nur, was man noch alles ausklammern muss“, erzählt der Purkersdorfer.

Grund für die Einberufung der Untersuchungskommission sind mögliche Missstände, die mit dem Anschlag in Wien einhergehen. Der spätere Täter hatte bereits im Vorfeld versucht, Munition in der Slowakei zu kaufen. Darüber wurden die österreichischen Behörden informiert. Er hatte außerdem Kontakt zu Personen, die im Auftrag des deutschen Verfassungsschutzes vom Wiener Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung überwacht wurden. In beiden Fällen wurden aber keine Konsequenzen gezogen, auch die Justiz blieb uninformiert.