Wolfgang Uhrmann: „Retten ist nicht planbar". Wolfgang Uhrmann findet sein Glück beim Helfen. Die Reaktion der Patienten bestätigt ihn.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 12. September 2019 (03:14)

Wolfgang Uhrmann ist seit 2008 beim Roten Kreuz und seit 2016 Bezirksstellenleiter in Purkersdorf-Gablitz. Er arbeitet, wie viele andere auch, ehrenamtlich. Etwa 10 Stunden pro Woche bringt er für die Leiter-Tätigkeit auf. Zusätzlich fährt er bei Rettungseinsätzen mit und nimmt an diversen Veranstaltungen teil. Was treibt einen Menschen an, den Großteil seiner Freizeit in den Dienst der Allgemeinheit zu stellen – ohne Bezahlung?

NÖN: Wie kam es zu Ihrem Engagement für das Rote Kreuz? 
Wolfgang Uhrmann: Ich habe mich schon als Kind für Medizin interessiert. Beim Ausfüllen der Freundschaftsbücher hatte ich schon in der Schulzeit „Notarzt“ als Berufswunsch angegeben. Nach der Matura wollte ich zum Zivildienst. Das hat nicht geklappt. Beim Bundesheer habe ich die Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht. Die notwendigen Praxiseinheiten habe ich hier in Purkersdorf gemacht und für mich war klar: Da möchte ich weitermachen.

Wie ging es nach dem Bundesheer beruflich weiter?
Ich habe begonnen, Medizin zu studieren und nebenbei absolvierte ich die Ausbildung zum Notfallsanitäter. Zu guter Letzt kam das Masterstudium „Risikomanagement im Katastrophenschutz“ dazu.

Neben Ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten haben Sie auch noch einen „normalen“ Job, mit dem Sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Bleibt noch Zeit für private Angelegenheiten oder Hobbys?
Ja, durchaus. Es kann zwar passieren, dass ich den Abend bei Freunden oder einen Kinobesuch unterbrechen muss, aber das gehört dazu. Meine Freunde können damit umgehen und meine Partnerin ist ebenfalls bei uns in der Bezirksstelle ehrenamtlich tätig. So verbringen wir auch gemeinsame Zeit im Dienst.

"Es kann zwar passieren, dass ich den Abend bei Freunden oder einen Kinobesuch unterbrechen muss, aber das gehört dazu"

Ist es schwierig, Menschen für den ehrenamtlichen Dienst zu finden?
Teilweise. Der Rettungsdienst ist nicht planbar. Das passt nicht gut zum heutigen Lifestyle. Wir versuchen dem mit modernen Arbeitsmitteln, wie dem E-Learning, für die verpflichtende Ausbildung, entgegenzutreten.

Die Bezirksstelle Purkersdorf-Gablitz betreut die Gemeinden Mauerbach, Gablitz, Purkersdorf, Tullnerbach, Wolfsgraben und Pressbaum. Wie viele Mitarbeiter habt Ihr?
Unsere Mannschaft besteht aus etwa 300 aktiven Mitarbeitern. Dadurch ist es uns möglich, an 365 Tagen, 24 Stunden am Tag für die Menschen in der Region da zu sein. Unter unseren Mitarbeitern finden Sie Studenten, Berufstätige oder Pensionisten. Am Freitagabend trifft sich unsere Jugendgruppe. Sie besteht aus Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und siebzehn Jahren.

Was für Leistungsbereiche deckt das Rote Kreuz ab?
Wir haben den Rettungsdienst, den Gesundheits- und Sozialdienst, die Jugendarbeit, interne und externe Weiterbildung, Blutspendedienst und die Katastrophenhilfe.

Stichwort „Katastrophenhilfe“ - wie ist das Rote Kreuz für etwaige Notfälle gerüstet?
Wir arbeiten mit anderen Bezirksstellen zusammen und können so auf eine Vielzahl an materiellen und personellen Ressourcen zurückgreifen. Die Bezirksstelle Neulengbach hat beispielsweise eine Feldküche und immer 3.000 Portionen Essen vorrätig. Wir haben hier zwei Sonderfahrzeuge – ein mobiles Kommandofahrzeug und ein Mehrzweckfahrzeug. Da es bei uns in der Region sehr viele Pflegeheime gibt, hat das Rote Kreuz auch einige Notstromaggregate. Weiters gibt es Feldbetten und Trinkwasserreserven.

Welche Partner und Unterstützer hat das Rote Kreuz bei der Bewältigung ihrer Aufgaben?
Wir haben ein gute Beziehung zu Wirtschaft und Politik und natürlich zur Bevölkerung. Mit dem Zivilschutzverband arbeiten wir eng zusammen. Ein funktionierendes Netzwerk ist unersetzlich.

Welche Mitarbeiter werden beim Roten Kreuz gebraucht, und welche Voraussetzungen muss man mitbringen?
An erster Stelle kommt die Teamfähigkeit. Wir arbeiten immer im Dreier-Team am Patienten. Auch abseits des Rettungsdienstes suchen wir ehrenamtliche Mitarbeiter. Es gibt immer etwas zu tun.

Warum sind Sie beim Roten Kreuz – was ist Ihr Antrieb?
Ich finde mein Glück beim Helfen. Das ist für mich eine sinnvolle Tätigkeit. Es macht mich auch stolz, Herausforderungen bewältigt zu haben. Das Motto des Roten Kreuzes „Aus Liebe zum Menschen“ passt für mich sehr gut.

Gibt es ein Erlebnis, dass Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
Das sind vor allem die „kleinen“ Dinge. Also keine spektakulären Unfälle oder so. Vor allem das Feedback von Personen, denen wir helfen konnten. Das berührt mich und bestätigt mich in meinem Tun.

Viele Menschen haben Angst, Erste Hilfe zu leisten, weil sie nichts falsch machen wollen. Was sagen Sie dazu?
Ersthelfer sind in vielen Fällen ganz entscheidend für das Überleben von Kranken oder Unfallopfern. Daher bitte nicht zögern. Es gibt nichts Schlimmeres, als nichts zu tun.