Zu wenig Frauen: Grüne Kritik an SPÖ-Liste. Nur vier Frauen sind unter den ersten 25, die Grüne Jugend befürchtet Verlust der Themen-Vielfalt.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 27. November 2019 (04:13)
Michael Seda, Stefan Steinbichler und Viktor Weinzinger bei der SPÖ-Versammlung. Auf der Liste sind derzeit nur wenige Frauen zu finden.  
Kindler

Empört ist die Grüne und Alternative Jugend Wienerwald über die Kandidatenliste der Purkersdorfer SPÖ für die Gemeinderatswahl im Jänner. „Von den 25 präsentierten Listenplätzen werden lediglich vier von Frauen eingenommen. Nicht einmal ein Fünftel der Purkersdorfer SPÖ wird weiblich sein“, sagt Daniel Doublier.

Damit sei jetzt schon klar, dass der nächste Gemeinderat die Vielfalt von Purkersdorf nicht widerspiegeln werde. „Das ist einer sozialdemokratischen Partei im Jahr 2020 vollkommen unwürdig und ein wahres Armutszeugnis für die Repräsentation von Frauen in der Politik“, zeigt sich Doblier verärgert und ist überzeugt, dass durch die Aufstellung auch die Themenvielfalt leiden werde.

„SPÖ hat hier Nachholbedarf“

„Die Geschichte lehrt uns, was passiert, wenn Politik nur von Männern fortgeschrittenen Alters gemacht wird: die Themen, Blickwinkel und Anliegen anderer Bevölkerungsgruppen werden vergessen oder einfach beiseitegeschoben“, erläutert Miriam Üblacker und fordert, dass nicht nur über bestimmte Gruppen, wie Frauen oder Migranten und Jugendliche geredet werde, sondern sie auch direkt in politische Entscheidungen eingebunden werden. „Hier hat die SPÖ in Purkersdorf offenbar Nachholbedarf“, so Üblacker.

Für Daniel Doublier von der Grünen und Alternativen Jugend ist die Liste der SPÖ ebenso ein …
NOEN

SPÖ-Bürgermeister Stefan Steinbichler weist darauf hin, dass ihm „eine gewisse Kontinuität von Leuten, die sich gut auskennen wichtig war“. Außerdem habe die SPÖ einige Frauen weiter vorne, beispielsweise auf Platz drei und Platz fünf. „Es ist auch noch nicht aller Tage Abend. Zum Beispiel wurde Ingrid Trenker weiter nach vorne gereiht. Wir sind im Findungsprozess. Es kann sich noch etwas ändern“, erklärt Steinbichler.

… Armutszeugnis wie für Miriam Üblacker.
privat

Am 18. Dezember müssen sämtliche Listen jedenfalls fix sein. In der SPÖ würde es viele Frauen geben, die gerne mitarbeiten – derzeit aber eben nicht an vorderster Front. „Allerdings gibt es leider auch einige, die wegen Josef Baum nicht in den Gemeinderat möchten“, berichtet der Bürgermeister. Grund dafür seien die Schmutzwäsche, die er waschen würde und die Lügen und Halbwahrheiten, die er verbreite. Auch Ingrid Schlögl habe wegen Baum aufgehört. „Da ist es schwierig, neue Kandidaten zu finden.“

Gemeinderat Josef Baum meint, dass es sich bei der Aussage nur um einen Faschingsscherz handeln kann und betont: „Ich halte die SPÖ-Frauen für durchaus mutig.“ Außerdem, fügt er hinzu, werden bei der Liste Baum und Grüne viele Frauen an wählbarer Stelle sein.