Purkersdorf

Erstellt am 24. Mai 2018, 03:16

von Martin Gruber-Dorninger

Häupl geht: Was bringt Amtsübergabe der Region?. Politiker erwarten sich durch neuen Mann im Wiener Chefsessel keine gravierenden Veränderungen, eher Chancen.

Bürgermeister Michael Häupl nimmt nach 24 Jahren seinen Hut. Nun heißt es für die Region, neue Kontakte zu Nachfolger Michael Ludwig zu knüpfen.  |  APA/Georg Hochmuth

„Einmal muss auch Schluss sein“, das wird sich wohl Wiens Bürgermeister Michael Häupl vor allem in den letzten Tagen gedacht haben. Am Donnerstag übergibt er sein Amt nach 24 Jahren an Nachfolger Michael Ludwig. Welche Auswirkungen dies auf die Region haben könnte, erfragte die NÖN bei Weggefährten Häupls.

Die Region Wienerwald ist für Wiens Bürgermeister eine Herzensangelegenheit. Schließlich erblickte er in Altlengbach das Licht der Welt. Aufgewachsen ist er dann in St. Christophen, ehe es ihn nach Krems und später nach Wien verschlug. Was wird passieren, wenn Häupl nicht mehr im Chefsessel des großen Nachbarn der Region sitzt? – Einer, der es wissen muss, ist Purkersdorfs Bürgermeister Karl Schlögl. Als der nämlich 19 Jahre alt war, traf er erstmals auf Häupl.

„Ich habe damals bei der Studentenvertretung des VSStÖ (Verband sozialistischer Studenten Österreichs) angefangen. Häupl war Vorsitzender des VSStÖ in Wien“, erinnert sich Schlögl. Gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Josef Cap, Karl Edlinger aber auch Peter Pilz erklommen die Mitglieder die Karriereleiter der Politik. Später profitierte Schlögl als Bürgermeister von der Bekanntschaft zu Häupl. „Als er Umweltstadtrat war, hat er mir in den 90er Jahren geholfen, Purkersdorf an die zweite Wiener Hochquellwasserleitung anzuschließen. Die anderen Gemeinden rund um Wien schafften das erst viel später“, ist Schlögl dankbar.

„Als er Umweltstadtrat war, hat Häupl mir in den 90er Jahren geholfen, Purkersdorf an die zweite Wiener Hochquellwasserleitung anzuschließen.“ Karl Schlögl

Dies war wohl auch der Grund dafür, Michael Häupl die Ehrenbürgerschaft in Purkersdorf zu verleihen. „Häupl hat somit das Recht, einmal pro Tag auf Ausspeisung und, was hoffentlich noch lange nicht der Fall sein wird, auf ein Ehrengrab in Purkersdorf“, scherzt Schlögl. Trotz des Abdankens Häupls denkt Schlögl nicht, dass sich die Beziehungen zu Wien unter Bürgermeister Michael Ludwig dramatisch verändern werden. „Die Bürgermeister der Region Purkersdorf wollten sich zu einem Arbeitstreffen einfinden, um bei der U-Bahnverlängerung und der Verdichtung des Bahnverkehrs auf eine Linie zu kommen“, verrät Schlögl. Dies wäre aber abgeblasen worden, da Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zuvor noch diesbezüglich das Gespräch mit dem neuen Bürgermeister suchen wollte.

Martin Michalitsch erwartet sich weiterhin eine gute Partnerschaft mit Wien.  |  privat

Diese Kontakte bestätigt auch Landtagsabgeordneter und Eichgrabens Bürgermeister Martin Michalitsch. Der dürfte ebenfalls an diesem Thema interessiert sein, brachte er doch vor einigen Monaten eine Resolution in den Landtag ein, der den Bahnverkehr auf der Westbahnstrecke zum Thema hatte. „Johanna Mikl-Leitner wird da sicherlich gute Kontakte knüpfen und die Partnerschaft zwischen Wien und Niederösterreich weiterhin vertiefen“, glaubt Michalitsch.

Mauerbachs Bürgermeister Peter Buchner glaubt nicht daran, dass sich am Verhältnis mit Wien unter Ludwig etwas ändern wird. „Es wäre uns schon geholfen, wenn Wien nicht ständig die Gebühren für die Abwasserentsorgung erhöhen würde“, sagt er.