Gewalt gegen die eigene Schwester. Familiärer Konflikt endete vor einer Strafrichterin. 58-Jähriger muss Geldbuße zahlen.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 19. Februar 2018 (10:06)
Symbolbild

Seine Schwester misshandelte ein 58-Jähriger aus Purkersdorf, nun sitzt er vorm Richter und bedauert. „Dass er sie gepackt hat und aus dem Haus rausgeschmissen, dazu wird sich mein Mandant schuldig bekennen. Er weiß aber, dass es so nicht geht“, sagt der Verteidiger des 58-Jährigen im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

Alle vorgeworfenen Anschuldigungen listet Richterin Alexandra Glösl auf. „Sie haben Ihre Schwester gestoßen, sie ist niedergefallen, Sie haben sie genötigt, ihr das Handy aus der Hand gerissen und sie aus dem Haus gezerrt“, sagt sie zum Angeklagten. Dieser nickt zustimmend mit dem Kopf, meint: „Dazu provozieren kann man aber auch.“ Und erzählt von länger währenden Konflikten mit seiner Schwester.

"300 Euro sind lächerlich, bei dem, was ich erlitten habe“

„Mir ist schon klar, dass da viel mehr dahintersteckt, aber was sie gemacht haben, ist strafbar“, erklärt die Richterin und bietet dem bislang unbescholtenen Angeklagten diversionelles Vorgehen an.

400 Euro Geldbuße muss der Purkersdorfer berappen, 150 Euro Pauschalkosten für das Verfahren und an das Opfer 300 Euro für Schadenswiedergutmachung. Bezahlt der Angeklagte nicht, dann wird das Strafverfahren gegen ihn fortgesetzt.

Der 58-Jährige ist damit einverstanden. Auch seine Schwester stimmt der Entscheidung der Richterin zu. Doch räumt sie ein: „Das möchte ich schon noch sagen, die 300 Euro sind lächerlich, bei dem, was ich erlitten habe.“