Purkersdorfer waren an Mord beteiligt. Zeitgeschichte / Museumsdirektor Christian Matzka über Bewohner der Region, die an den Geschehnissen am 25. Juli 1934 beteiligt waren.

Von Ernst Susicky. Erstellt am 23. Juli 2014 (08:42)
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Christian Matzka mit einer Ausgabe der „Wiental-Zeitung“, in der es um die Kämpfe im Liesertal geht, am ehemaligen Dollfuß-Platz.Susicky
Von Ernst Susicky

REGION PURKERSDORF / Diese Woche jährt sich der Putschversuch der Nationalsozialisten und die Ermordung des damaligen Kanzlers Engelbert Dollfuß zum 80. Mal. Bei den anschließenden Kämpfen zwischen Nationalsozialisten, Bundesheer und Heimatschutz in Öberösterreich, der Steiermark und Kärnten waren auch Männer aus der Region Purkersdorf eingesetzt.

Aber bereits bei der Ermordung des Kanzlers waren Purkersdorfer beteiligt, weiß Christian Matzka, Leiter des Heimatmuseums Purkersdorf: „Illegale Nationalsozialisten aus Purkersdorf standen am Ballhausplatz und waren am Mord beteiligt.“

Auf der anderen Seite kämpften ebenfalls Menschen aus der Region. Die Heimatschutzeinheit des Wientales war im Kärntner Liesertal im Einsatz. Unter dem Kommando eines Purkersdorfers gelang es, dass eine Brücke, die von den Nationalsozialisten erobert war, zurückerobert werden konnte.

Nach diesen Ereignissen herrschte große Trauer, berichtet Matzka weiter. Am Kriegerdenkmal zu Ehren der gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges wurde eine Dollfuß-Gedenktafel angebracht. Der untere Hauptplatz wurde zu „Engelbert Dollfuß Platz“. „Bis 1938, da wurde die Tafel entfernt und der Platz in Adolf Hitler Platz umbenannt“, so Matzka. Auch die Ehrenbürgerschaft von Dollfuß wurde ihm 1938 wieder aberkannt.

Dollfuß wird heute unterschiedlich gesehen

Stehen geblieben ist die Rekawinkler Kirche, die als Engelbert-Dollfuß-Gedenkkirche in den Jahren 1935/36 errichtet wurde. Noch heute ist eine Büste des ehemaligen Kanzlers in der Kirche zu sehen.

Heute gibt es unterschiedliche Ansichten über Dollfuß. Die Einen sehen in ihm den „Heldenkanzler“, der das erste Opfer der Nazis war. „Vor allem in Niederösterreich werden Dollfuß-Gedenkstätten nicht in Frage gestellt“, weiß Matzka. Allerdings ist Dollfuß der Kanzler, der 1933 die Demokratie augeschaltet hat und die Anhaltelager in Wöllersdorf und Kaiser-Steinbruch errichten ließ. Matzka: „Politische Gegner wurden dort ohne Gerichtsverfahren auf unbestimmte Zeit festgehalten.“

„Dollfuß wird also einerseits als Kämpfer gegen die Nazis als auch als Arbeitermörder und Vernichter der Demokratie in Österreich diskutiert. Es ist also noch kein gemeinsames österreichisches Geschichtsbild über ihn entstanden“, so Matzka.


Der 25. Juli 1934

Ein von längerer Hand vorbereiteter nationalsozialistischer Putschversuch fand am 25. Juli 1934 statt. Die Putschisten konnten die Rundfunkzentrale in Wien und das Bundeskanzleramt besetzen, wo sich Bundeskanzler Engelbert Dollfuß noch aufhielt, nachdem er seine Minister aus Sicherheitsgründen weggeschickt hatte.

Der Kanzler wurde von Otto Planetta, vor dem er zu flüchten versuchte, zweimal angeschossen und verblutete, weil ihm die Putschisten ärztliche Hilfe verweigerten. Die Putschisten hatten erwartet, dass nach Dollfuß’ Ausschaltung wesentliche Teile des Bundesheeres zu ihnen übergehen würden und sie die weitere Entwicklung bis zum baldigen Anschluss an Deutschland bestimmen könnten. Der „Juliputsch“ blieb erfolglos, weil die übrigen Regierungsmitglieder aus dem Bundeskanzleramt fliehen konnten und das Bundesheer loyal blieb. Planetta wurde von einem Militärgericht zum Tode verurteilt und hingerichtet. In der NS-Zeit wurde er als Märtyrer bezeichnet.