Erstellt am 14. März 2018, 05:30

von Martin Gruber-Dorninger

Anschluss 1938: „Als Hitler kam, schloss ich die Augen“. Die NÖN sprach mit Zeitzeugen, wie sie das Ende Österreichs und die Durchfahrt des „Häuptlings“ miterlebten.

Am Montag, dem 14. März 1938 fuhr Adolf Hitler durch Purkersdorf, hier vor dem Geschäft von Johann Cumfe, Vater von Adele Klugmayer.  |  NOEN, Archiv des Stadtmuseums Purkersdorf

Am Freitag-Abend des 11. März 1938 tritt Bundeskanzler Kurt Schuschnigg vor das Mikrophon und erklärt: „Wir weichen der Gewalt.“ Dies kommt einem Rücktritt gleich und öffnet der deutschen Wehrmacht die Türen nach Österreich.

Adolf Hitler am Purkersdorfer Hauptplatz vor dem Garten desGasthauses Neunteufel. Es herrschte Volksfeststimmung.  |  NOEN, Archiv des Stadtmuseums Purkersdorf

Drei Tage später fährt Adolf Hitler über die Bundesstraße 1 auch durch Gablitz und Purkersdorf. Viele Leute jubeln an diesem Montag Hitler zu, einige sehen jedoch bereits großes Unheil aufziehen. Die NÖN sprach mit zwei Zeitzeugen, die die Ereignisse von damals hautnah miterlebten.

„Am Hauptplatz liefen den ganzen Tag über viele Leute herum. Dabei haben einige ihr wahres Gesicht gezeigt. Eine Ansammlung von Wendehälsen.“ Kurt Schlintner

Adele Klugmayer war 15 Jahre alt, als Hitler durch Purkersdorf fuhr.  |  NOEN, Gruber-Dorninger

Adele Klugmayer, damals 15 Jahre alt, arbeitete im Geschäft ihres Vaters Johann Cumfe, am Purkersdorfer Hauptplatz, dort wo heutzutage die Bank Austria untergebracht ist. „Als Hitler vorbeifuhr, haben wir schon gewinkt. Das hätten wir aber auch bei jedem anderen Staatsmann gemacht, der da durch Purkersdorf gefahren kam“, erinnert sich Klugmayer. Hitler stand in gewohnter Pose im Auto und ließ sich bejubeln. Zuvor war der Hauptplatz hastig in Adolf-Hitler-Platz umbenannt und die Schilder rasch montiert worden.

Kurt Schlintner erlebte als Elfjähriger die Durchfahrt Hitlers durch Purkersdorf hautnah.  |  NOEN

„Sicher ohne Gemeinderatsbeschluss, der folgte später“, sagt Kurt Schlintner, der damals elfjährig, ebenfalls der Durchfahrt Hitlers durch Purkersdorf beiwohnte. Er stand allerdings etwas weiter den Platz hinunter, auf Höhe des heutigen Bipa. „Ich habe ihn kommen gesehen, dann habe ich die Augen geschlossen, ich konnte ihn nicht ansehen“, erzählt Kurt Schlintner, der in mehreren Büchern die Chronik Purkersdorfs zusammengetragen hat.


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