Apotheke ist immer verfügbar. In der Region wird ein gutes Miteinander gepflegt. Ansichten gehen aber trotzdem auseinander.

Von Marlene Trenker. Erstellt am 04. September 2019 (03:47)
NOEN

„Ich kann dieses andauernde Hick-Hack zwischen niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Apotheken nicht nachvollziehen. Im Grunde handelt es sich um wenige Ärzte, die es tatsächlich betrifft und der Aufruhr, der immer wieder erzeugt wird, spiegelt ja in keinster Weise die Situation österreichweit wider“, so empfindet das Mauerbacher Apothekerin Sandra Schmudermaier. In Mauerbach wird ein gutes Miteinander mit der ansässigen Ärztin geführt. Auch mit anderen Ärzten der Region besteht eine ständige Kommunikation.

„Wir arbeiten nebeneinander für das Wohl der Mauerbacherinnen und Mauerbacher. Jeder kennt die Stärken des anderen“, erklärt Schmudermaier, wie die Arbeit in der Praxis aussieht.

„Ich kann dieses andauernde Hick-Hack zwischen niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Apotheken nicht nachvollziehen."

In der Woche hat die Apotheke insgesamt 55 Stunden geöffnet. Wochenend- und Bereitschaftsdienste gehören ebenfalls zum Standardprogramm. Auch Betriebsurlaub gibt es keinen. „Damit stellt die Apotheke mit unserer Verfügbarkeit eine große Bereicherung unserer Gemeinde dar“, sagt Schmudermaier.

„Dass wir ein großes Sortiment führen - wir lagern rund 6.000 unterschiedliche Produkte - spricht natürlich auch für eine öffentliche Apotheke. Dieses Angebot könnte ein praktischer Arzt niemals bieten“, argumentiert Schmudermaier für die Notwendigkeit einer öffentlichen Apotheke.

Das Argument der Bequemlichkeit, das manchmal als Vorteil für eine ärztliche Hausapotheke genannt wird, lässt Schmudermaier nicht gelten. „Bei uns am Land werden die allermeisten Wege mit dem Auto erledigt. Ist ein Kunde nicht mobil, so kommt die Heimhilfe oder wir liefern die Arzneimittel sogar nach Hause“, erzählt die Pharmazeutin über die Vorgehensweise. Auch die Lage neben einem Supermarkt sieht sie als Vorteil, da sehr viele Menschen ohnehin ein bis zwei Mal pro Woche einkaufen gehen. „Durch ein Vier-Augen-Prinzip können Arzt und Apotheker ein Höchstmaß an Arzneimittelsicherheit für die Patienten erreichen. Und das sollte uns allen ja am wichtigsten sein“, betont Schmudermaier noch einmal die wichtige Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apothekern.

Vorteile sind durchaus da

Purkersdorfer Allgemeinmediziner Harald Ruth sieht in der Hausapotheke durchaus ihre Vorteile. „Für ältere Leute und Menschen in Randbereichen, bietet die Hausapotheke einen zusätzlichen Service“, sagt Ruth.

Es kann sein, dass es in kleineren Gemeinden keine Nachfolger gibt. Ein Arzt mit Hausapotheke, kann da die Bedürfnisse abdecken. Harald Ruth sieht hier aber auch Ärzte teilweise als Allgemeinmediziner falsch informiert, über ihre Möglichkeiten. „Dabei geht es um ein strukturelles Problem“, so Ruth.

Was sagt Bezirksärztevertreter Andreas Barnath zu dem Thema? Er möchte die Seite der betroffenen Patienten in den Vordergrund stellen: „Für sie ist die Sache ganz einfach. Sie wollen Diagnose und Therapie aus einer Hand und an einem Ort haben und nicht zuerst zum Arzt und dann auch noch in die Apotheke fahren. Neben dem Zeitverlust und der zusätzlichen Belastung der CO -Bilanz durch Mehrkilometer ist es wohl für jeden unlogisch, einen Kranken auch noch kreuz und quer zu schicken, um zu seiner Therapie zu kommen.“

Hier liege der klare Vorteil bei den Landärzten mit der Medikamentenabgabe aus einer Hausapotheke. Das Führen einer Hausapotheke mache Ordinationen in kleineren Gemeinden erst wirtschaftlich überlebensfähig, sagt der Mediziner. Im Bezirk St. Pölten sei die Situation sehr gemischt, denn „es gibt im Umland sehr viele Gemeinden mit Hausapotheken, aber auch mittelgroße Gemeinden mit einer Apothekenversorgung.“

Hausärzte gibt es im Bezirk St. Pölten in den Gemeinden noch genug, stellt der Bezirksärztevertreter fest: „Die Möglichkeit der Medikamentenabgabe über Hausapotheken würde sicher die eine oder andere Stelle wirtschaftlich für den Arzt attraktiver machen, hier gäbe es aber auch andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Aufbesserung der ärztlichen Honorare.“

Umfrage beendet

  • Wo besorgt ihr euch bevorzugt Medikamente?