Erstellt am 26. Februar 2017, 11:29

von Marlene Trenker

Britta Nahler: The Oscar goes to Purkersdorf. Nicht nur in Hollywood wird Geschichte geschrieben, Nahler machte das auch bei uns.

Die Hauptarbeit ihres Traumjobs kann Britta Nahler von zu Hause aus in ihrem Schneideraum bewältigen.  |  NOEN

Sonntag auf Montag ist wieder die Nacht der Nächte, zumindest was internationale Filmschaffende anbelangt: Der Oscar wird in Hollywood verliehen. Ein Hauch von Oscar weht seit 2008 auch in Purkersdorf. Denn am ausgezeichneten Film „Die Fälscher“ arbeitete auch die Purkersdorferin Britta Nahler mit. Sie erzählte der NÖN von ihrer Karriere, der Erfahrung einen Oscar zu gewinnen und schätzt die Chancen der Teilnehmer für die aktuelle Preisverleihung ein.

„Wie ein Puzzlespiel setze ich Teilchen für Teilchen zusammen.“Britta Nahler, Editorin

„Als wir für ‚Die Fälscher‘ einen Oscar gewannen, war ich nicht live vor Ort, sondern zu Hause. Es war vier Uhr morgens, als ich von unserem Erfolg erfuhr. Ich konnte es nicht fassen, habe nicht damit gerechnet“, denkt Nahler an die einzigartige Erfahrung zurück. Danach liefen die Telefone heiß und die Purkersdorfer Filmeditorin bekam reichlich Jobangebote aus Hollywood.

Sie lehnte jedoch ab: „Zu der Zeit waren meine Kinder noch klein und ich wollte nicht auswandern. Wenn man dann ein paarmal absagt, hören die Jobangebote auch so schnell wieder auf, wie sie begonnen haben.“ Nahlers Karriere entwickelte sich von da an vor allem im deutschsprachigen Raum. Diese Entscheidung bereut die Purkersdorferin jedoch nicht.

Hollywood ist nicht das einzig Wahre

„In Österreich oder in Deutschland werden genauso wunderbare Filme produziert. Das Handwerk ist dasselbe, der Unterschied ist nur das Budget“, schildert Nahler die Situation.

Mit „Die Hölle - Inferno“ starteten die Filmemacher rund um Star-Regisseur Stefan Ruzowitzky und Nahler selbst einen weiteren Versuch, bei den ganz Großen mitzuspielen. „Es gibt kaum Actionfilme aus Österreich. Wir wollten zeigen, dass wir das genauso können“, erzählt die begehrte Editorin.

Der Film handelt von einer Muslima, die sich selbst schützen kann und auf ihren eigenen Beinen steht. Der Handlung ist spannend und beinhaltet auch blutige Szenen. Es ist eine Geschichte, die, nach Aussage Nahlers, unter die Haut geht. „Einen Oscar werden wir für dieses Werk nicht bekommen. Für gewöhnlich gewinnen Filme anderer Genres diese Auszeichnung. Ich denke, dass ,La La Land’ dieses Jahr gute Chancen hat“, meint Nahler.

Auszeichnungenhelfen Filmemachern

Dass vergleichsweise nur wenige Filme mit einem Oscar ausgezeichnet werden, kritisiert Nahler nicht: „Diese Nominierungen haben eine lange Geschichte und sind, meiner Meinung nach eine schöne und sinnvolle Tradition. Abgesehen davon vergibt jedes Land Prämierungen. Das ist toll, denn sie helfen den Filmemachern damit.“

Aller Anfang im Filmbusiness ist schwer, so hat auch Nahler vorerst nicht geplant, Editorin zu werden. „Ich studierte Grafik und machte dann ein Praktikum in einem Schneideraum. Ich kam dort durch Zufall hin, doch es hat mir sehr gefallen und ich habe diesen Beruf weiter ausgeübt“, so Nahler über ihre ersten Gehversuche im Filmgeschäft. Mittlerweile arbeitet sie seit über 30 Jahren als Editorin und hat es noch keine Sekunde bereut. „Wie ein Puzzlespiel setze ich Teilchen für Teilchen zusammen, bis ich am Ende mit meiner Arbeit eine ganze Geschichte erzähle“, schildert sie. Editorin sei ein sehr spannender Beruf, denn jeder Film sei anders. Sie habe wahrlich ihren Traumjob gefunden.