Bundesforste: Zurück im Wald der Zukunft. Region Purkersdorf: Neuer Leiter des Forstbetriebs Wienerwald, Gerald Oitzinger, gab Einblick in sein Aufgabengebiet.

Von Monika Närr. Erstellt am 10. Juni 2021 (04:09)
Gerald Oitzinger, der neue Leiter des Forstbetriebs Wienerwald, lebt seit 2004 in Purkersdorf. Bis 2009 war er für das Biosphärenpark-Team der Bundesforste verantwortlich, danach für den Auwald im Nationalpark Donau-Auen.
ÖBf/ Frank Helmreich, ÖBf/ Frank Helmreich

Es ist eine Rückkehr. Unter neuen Voraussetzungen. Seit 1. Mai führt Gerald Oitzinger den Forstbetrieb Wienerwald, in dem er bis 2009 das Biosphärenpark-Team der Bundesforste (ÖBf) leitete. Die letzten zwölf Jahre war der 48-jährige Kärntner für den Auwald und den Nationalparkbetrieb Donau-Auen zuständig. Das war auch mit viel Reisetätigkeit verbunden, lebt er mit seiner Familie doch seit 2004 im Zentrum von Purkersdorf. Seine Vorarlberger Gattin Silke ist hier Volksschullehrerin, Tochter Katharina besucht und Sohn Max absolvierte das hiesige Gymnasium.

„Ich freue mich, dass ich wieder zurück bin“

„Ich fühle mich sehr wohl und freue mich, dass ich wieder zurück bin. Die Nähe zu allen unseren Servicestellen und zur Unternehmensleitung hat schon viele Vorteile“, so Oitzinger. Der studierte Forstwirt, der davor schon an der HBLA für Forstwirtschaft in Bruck an der Mur maturierte, ist seit 20 Jahren bei den OBf und bekam den Anfangsschwung mit, als der gerade ausgegliederte Staatsbetrieb seine neue Zentrale in Purkersdorf bezog.

„Der Wienerwald ist ein anspruchsvoller Wald, obwohl die Forstwirtschaft keine so große Rolle spielt“, erläutert Oitzinger. Naturraummanagement und Naturschutz stehen hier im besonderen Blickfeld, schließlich gehört die gesamte Bundesforste-Fläche des Biosphärenparks Wienerwald erneut - zu seinem Reich: „Da die Kernzonen ja nicht bewirtschaftet werden, bin ich gespannt, wie es hier in 25 Jahren aussehen wird. Da werden wir dann Riesenbäume vorfinden“, freut sich der Wienerwald-Heimkehrer.

Hier ist Gerald Oitzinger mit Bundesforste-Vorstand Rudolf Freidhager und dem Breitenfurter Revierleiter Joachim Graf (v. l.) auf Außendienst im Wienerwald. Wettertauglichkeit gehört bei den Bundesforsten zum Jobprofil.
ÖBf/ Frank Helmreich

Zudem ist der Wienerwald ein Wald der Zukunft. Seit etwa fünf Jahren werden vermehrt Eichen, die eine hitzeverträglichere Baumart darstellen, gepflanzt. Vor allem der Osten des Wienerwalds weist zunehmend weniger Niederschlag und mehr Hitzetage auf. In 100 Jahren wird es hier weiterhin Buchen geben, aber vermehrt Eichen und Linden und in ganz trockenen Regionen, wie Richtung Wiener Becken, auch die widerstandsfähigen Kiefern.

Besonders angetan hat es Gerald Oitzinger der Buchen-Altholzbestand, über den er als „großes, mächtiges Domgefüge“ schwärmt. Dieser sei zwar „nicht vergleichbar mit dem Dschungel des Auwalds und der dortigen größeren Artenvielfalt“, dafür könne er hier „mit dem Biosphärenpark wieder wertvolle Naturschutzprojekte umsetzen und mit ausgebildeten Waldpädagogen Bildungsarbeit, Forschung und Monitoring für Kinder und Schüler gemeinsam mit allen wissenschaftlichen Instituten Österreichs rund um Wald und Wiese anbieten.“

„Beitrag für die touristische Weiterentwicklung unserer Region leisten.“

Durch den zunehmenden Waldtourismus, gerade auch während Corona, und das große Potenzial des Wienerwalds will Oitzinger gemeinsam mit der Wienerwald Tourismus GmbH einen „Beitrag für die touristische Weiterentwicklung unserer Region leisten.“ Als besonderes Novum sollen wintergerechte Ganzjahresrouten für Mountainbiker geöffnet werden. „Das könne auch Leute aus Westösterreich interessieren, die hier im Winter fahren oder trainieren wollen. Denn Höhenmeter kann man auch bei uns viele machen“, so der begeisterte Radfahrer, der selbst am liebsten gemütlich auf Forststraßen unterwegs ist.

Schwerpunkt Immobilien

Eine neue Herausforderung stellt für ihn der große Schwerpunkt der Immobilien-Entwicklung dar. Das Vermieten und Verpachten von etwa 150 Wohnungen und Gebäuden ist hier bei uns bereits eine wichtige Säule der ÖBf.

In Gablitz Zentrum wird beim Kloster demnächst das Wohnbauprojekt „Mitten in Gablitz“ realisiert: Rund 50 Mietwohnungen werden in schöner Holzbauweise errichtet, ein ähnliches Vorhaben wurde bereits im Salzburger Pongau ausgeführt. Der Baustart ist für November 2022 geplant.

Und bei der Kreuzung zum Allhang war Mitte Mai Baustart für das „Regionalzentrum Allhang“. Hier bekommt das Regionalteam Nord unseres Forstbetriebs im nächsten Jahr seine Revierleiter-Büros, ebenfalls in einem wunderschönen Holzbau. „Zusätzlich entstehen Wohnungen und drei Reihenhäuser für Mitarbeiter sowie leistbare Starterwohnungen für Lehrlinge und junge Kollegen. Denn Wohnen im Wienerwald ist ja generell teuer“, betont der ehemalige und gewissermaßen immer noch Schlossherr.

Denn so ganz musste er sich nicht aus dem Marchfeld verabschieden, bleibt er doch weiterhin Geschäftsführer der ARGE Marchfeldschlösser, die gemeinsame Marketing- und Verkaufsmaßnahmen für fünf Schlösser setzt. Dem einzigen Schloss davon im Besitz der Bundesforste, Eckartsau, hat er zu neuen Höhenflügen verholfen: Unter seiner Ägide wurde es zu einem beliebten Hochzeitsschloss; es wurden mehrere historische Filme gedreht und den Schlosspark samt Schlosscafé hat man einladend zum Verweilen gestaltet.

„Ich bin ein Fan gemischter Teams“

Die Fläche seines jetzigen Forstbetriebs ist mehr als achtmal so groß wie im Auwald, für den umfassenden Aufgabenbereich stehen ihm 60 Mitarbeiter zur Seite. Gerald Oitzinger ist „ein Fan gemischter Teams, das hat in Eckartsau mit einer 50:50 Parität super funktioniert.“

Er bedauert, dass die Österreichischen Bundesfroste derzeit noch keine einzige Revierleiterin haben und sucht für den Wienerwald den ersten weiblichen Forstfacharbeiter-Lehrling der Bundesforste.