Corona-Maßnahmen: Letzter Drink in den Lokalen. Manche haben bereits freiwillig geschlossen. Wirte denken, dass bis Ostern zu sein könnte.

Von Birgit Kindler, Monika Närr und Nadja Büchler. Erstellt am 18. März 2020 (04:16)
Ingrid Leissner und Renate Knasmüller aus Tullnerbach nahmen letzten Freitag ein letztes Abendessen und einen Abschiedstrunk bei Oliver Pobaschnig ein. Am nächsten Tag war das beliebte Wolfsgrabner Wirtshaus geschlossen.
Monika Närr

Seit Dienstag haben alle Restaurants geschlossen. Auch für die Lokalbesitzer in der Region ist das nicht leicht, sie haben sich aber schon vorher dazu entschlossen, bis Ostern freiwillig zuzusperren.

Manfred Rieger, Gastronom und Besitzer des Hotels Wiental, begründet diesen Schritt mit der Sicherheit aller Beteiligten: „Die Schließung der Betriebe hat vorrangig mit dem Schutz unserer Mitarbeiter und uns persönlich, sowie dem Schutz der Gesellschaft vor einer weiteren Ausbreitung der Pandemie zu tun.“

„Leicht fällt uns das nicht, gerade habe ich gemeinsam mit Marina Scheutz sehr viel Energie in das Umsetzen unserer Veranstaltungsreihe gesetzt. Dennoch hat die Gesundheit meiner Eltern, meiner Mitarbeiter und unserer Gäste oberste Priorität. Wir wollen einer möglichen Ansteckungsgefahr keinen Raum bieten,“ erklärt Roland Mayer vom gleichnamigen Wirtshaus die Entscheidung.

„Ich schließe lieber aktiv, bevor ich geschlossen werde“

Auch Oliver Pobaschnig und Marika Sortschan schlossen ihr Wirtshaus Oliver in Wolfsgraben bereits am letzten Samstag. Am Vortag meinte Wirt Oliver zur NÖN: „Ich schließe lieber aktiv, bevor ich geschlossen werde“. Und weiter: „Wir warten jetzt mal ab, wie sich die Situation weiterentwickelt und werden unsere Gäste so rasch wie möglich informieren“. Weiters plant er den saisonalen Samstagmarkt, wie vorgesehen, in zwei Wochen zu eröffnen, da dieser „ja auch eine wichtige Nahversorgerfunktion erfüllt“. Ebenso wird „unser Garten bestellt, damit wir bald wieder frischestes Gemüse, Salate und Kräuter auf die Teller bekommen“, ergänzt Wirtin Marika. Zwischenzeitlich will sie Liegengebliebenes aufarbeiten und freut sich, dass „ich endlich einmal in den Wald spazieren gehen kann“.

„Das Abklären von verbindlichen Reservierungen steht bei uns an oberster Stelle, um im Anschluss auch rechtlich die richtigen Entscheidungen zu treffen“, kommentiert Franz Rieger vom Wienerwaldhof eine der vielen Überlegungen im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Hoffnung auf Besserung bis zur Karwoche

Die Gastronomen hoffen, dass sich die Situation bis zur Karwoche wieder entspannt hat.

Das Pressbaumer Cafe Corso wiederum hat die Einstellung des Betriebs von E-Mobil zum Anlass genommen, vor allem ältere Mitbürger zu unterstützen. Alle über 65-Jährigen können den Tagesteller um 5,80 Euro (statt 7,80 Euro) ordern und bekommen ihn zugestellt. Innerhalb des Stadtgebiets wird dabei auf Lieferkosten verzichtet. Dem Aufruf nach freiwilligen Fahrern zur Auslieferung waren innerhalb eines halben Tages mehrere Personen gefolgt.

So bot sich zum Beispiel Corso-DJ Roland Kerschbaum an, die Zustellung nach Rekawinkel zu übernehmen. Die Geschäftsführung bittet auch jene, die kein Internet haben, über die Versorgungsmöglichkeit zu informieren. „Rücken wir zusammen“, meinte Geschäftsführerin Sarah Herzog. Bestellungen können unter 0650/58 55 055 oder 02233/21 280 aufgegeben werden.

Auch die Pizzeria Danijele bietet vorübergehend einen Zustelldienst für Pressbaum, Tullnerbach und Wolfsgraben an. Lieferung und Selbstabholung sind bis 20 Uhr möglich – kein Ruhetag, keine Nachmittagspause. Bestellungen sind unter 02233/56 469 möglich.

„Wir haben schon mehr gelacht“, zeigt sich Niki Neunteufel vom Szene-Lokal Nikodemus in Purkersdorf niedergeschlagen. Er versuche, die Situation mit Ruhe und Würde zu nehmen. „Die Regierung hat die richtigen Schritte gesetzt. Ich habe selber eine 80-jährige Mutter, jetzt sollen alle vernünftig sein und zu Hause bleiben.“ Neunteufel stellt sich darauf ein, dass das Lokal mindestens zwei Wochen geschlossen haben wird. „Schon der letzte Abend, an dem geöffnet war, hat nicht mehr wirklich Freude bereitet.“