Die Reise der Amphibien. Frösche, Molche und Kröten sind am Weg zu ihren Laichplätzen auf Hilfe angewiesen.

Von Dolores Stuttner. Erstellt am 06. April 2018 (05:46)
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NOEN, shutterstock.com/Eric Isselee

Frühling ist die Zeit der Krötenwanderungen. Von März bis Anfang Mai begeben sich die Amphibien auf Wanderschaft zu ihren Laichplätzen. Kröten, aber auch Molche und Frösche kehren zu jenen Gewässern zurück, in denen sie selbst geboren wurden. Auf ihrem Weg begegnen sie vielen Gefahren, viele davon menschengemacht. Daher sind jedes Jahr wieder freiwillige Helfer gefragt, die den Tieren unter die Arme greifen. Entlang der Amphibienwanderstrecken stellen sie Krötenzäune sowie Hinweisschilder auf und befördern die Tiere eigenhändig über die Straße.

„Es ist ganz wichtig, dass die Autofahrer Bescheid wissen und aufpassen. Dabei geht es nicht nur um die Sicherheit der Tiere, sondern auch der Autofahrer“, meint Sigrid Peer, die sich seit Jahren gemeinsam mit einem Team von Tierfreunden für die Kröten in Mauerbach einsetzt. „Die Tiere sind etwa Handteller groß. Wenn Autofahrer sich erschrecken, können Unfälle passieren“, so Peer.

„Ich bin stolz, in einem Biosphärenpark zu leben. Und die Natur ist mir ein Anliegen.“ Sigrid Peer

Dieses Jahr seien die Kröten relativ spät dran aufgrund der letzten Frostperiode im März, dafür sind aktuell umso mehr Tiere unterwegs. „Die unterschiedlichen Amphibienarten wie Frösche, Kröten und Molche, sind bei verschiedenen Temperaturen unterwegs. Sie sind gerade am Weg zum Ablaichen und wandern dann sofort wieder zurück“, gibt Peer Auskunft. Seit letzter Woche beobachten die Tierfreunde ein vermehrtes Aufkommen.

„Wir arbeiten mit der Straßenmeisterei Tulln zusammen. In der Vorwoche wurden die Zäune aufgestellt und die Kübel vergraben, in denen die Tiere eingefangen werden“, führt Peer aus. Insgesamt wollen in Mauerbach jedes Jahr etwa 1300 bis 1400 Tiere die Straße überqueren. Betroffen ist ein 800 Meter langes Stück in Hirschengarten.

„Die Strecke ist stark befahren, gerade am Morgen sind viele Pendler dort unterwegs“, erzählt Peer. Die Kübel müssen jeden Tag früh am Morgen kontrolliert und die Tiere anschließend sicher über die Straße gebracht werden.

Das Team rund um Sigrid Peer und Gerda Stojaspal besteht aus fünf Leuten, die diese Arbeit teilweise schon sehr lange machen. „Ich bin selbst aus der Sicht der Autofahrer dazu gekommen. Die Tiere haben mir leidgetan. Ich bin stolz, in einem Biosphärenpark zu leben. Und die Natur ist mir ein Anliegen“, so Peer. Zuwachs zu dem Team sei jederzeit herzlich willkommen. „Es ist nicht viel Arbeit, vielleicht eine halbe am Morgen. Wir suchen immer Freiwillige, die uns unterstützen möchten“, betont die Mauerbacher Amphibienschützerin.

Auch gemäß dem Gablitzer Gemeinderat Gottfried Lammers, der in seiner Gemeinde für den Naturschutz zuständig ist, sind die Tiere äußerst schützenswert. „Da Amphibien heute bereits zu den gefährdetsten Tierarten in Österreich zählen, ersuchen wir alle Verkehrsteilnehmer dazu, ihre Geschwindigkeit anzupassen“, sagt der Umweltexperte.

Kröten wandern an lauen Abenden

Fakt ist, dass sich zahlreiche Laichplätze der Tiere in der Nähe stark befahrender Straßen befinden. Aus diesem Grund ruft auch der Niederösterreichische Naturschutzbund vor allem die Autofahrer zu großer Vorsicht auf. Zum Zweck des Tierschutzes, trägt die Vereinigung zudem alle Amphibienwanderstrecken in einen einsehbaren Atlas ein, an dem sich PKW-Lenker orientieren können.

Bevorzugt machen sich die Amphibien dann, wenn es regnet und kalt ist, auf den Weg. Damit die Überquerung von Frosch, Kröte und Co. also nicht tödlich endet, sollten Autofahrer vor allem an lauen Nächten ihre Geschwindigkeit drosseln. Ungesicherte Abschnitte sind dabei ganz zu meiden - hiervon sind jedoch nur wenige Straßen betroffen. „In Niederösterreich sind mittlerweile fast alle Strecken geregelt. Unbetreute Straßenabschnitte sind nur noch vereinzelt anzutreffen“, erklärt Peter Lengauauer vom Naturschutzbund.

Der Laichzug wird dieses Jahr voraussichtlich bis Mitte Mai andauern. „Sobald es wärmer wird, sollte die Wanderung der Amphibien abgeschlossen sein. Bis zu diesem Zeitpunkt sorgt der Naturschutzbund mit seinen freiwilligen Streckenbetreuern für die Sicherheit der Tiere“, fasst Peter Lengauer zusammen.

Der NÖ Naturschutzbund bemüht sich bereits seit dem Jahr 2005 um den Amphibienschutz auf den Straßen. Damals machte es sich die Vereinigung zum Ziel, dass in 20 Jahren keine Kröten, Frösche und Molche mehr durch Autos sterben sollen. Heute ist der Naturschutzbund von seiner Zielsetzung noch weit entfernt. Allerdings konnte dieser durch das Verbreiten wichtiger Informationen zur Amphibienwanderung und der damit verbundenen Aufklärung der Autofahrer einen wichtigen Beitrag zum Tierschutz leisten.

Mittlerweile konnte rund um die Sicherung der Straßen zur Zeit des Laichzugs eine breite Plattform sowie ein gemeinsames Sprachrohr geschaffen werden. Das Projektteam des Naturschutzbundes dient dabei gleichzeitig als regionaler Ansprechpartner für den Amphibienschutz auf den Straßen.

Personen, welche die Kröten bei ihrer Wanderung unterstützen wollen, können den Naturschutzbund unter 01 402 93 94 kontaktieren.