Erstellt am 11. Januar 2017, 06:35

von Maria Prchal und Beate Steiner

Esche: Serientod im Wienerwald. Ein Asiatischer Pilz ist für flächendeckendes Eschensterben verantwortlich, Lösung ist keine in Sicht.

Das „Falsche weiße Stengelbecherchen“ ist eine für Eschen tödliche Pilzerkrankung  |  ikimedia/Amadej Trnkoczy (amadej)

In Europa geht ein Baummörder um – und sucht auch den Wienerwald heim. Ein asiatischer Pilz rafft den Eschenbestand dahin, und sowohl Baum als auch Mensch sind dagegen komplett wehrlos. „Der Übeltäter ist ein Pilz mit dem klingenden Namen ,Falsches weißes Stängelbecherchen‘“, informiert Andrea Kaltenegger von den Österreichischen Bundesforsten. Hat der Pilz einmal Fuß gefasst, ist er nicht mehr zu stoppen. Bereits seit den 90ern kämpft der ganze Kontinent mit dem unscheinbaren Killer, der Wienerwald seit 2010.

Doch im Vergleich zu beispielsweise St. Pölten, hat Purkersdorf noch Glück. Denn in der Landeshauptstadt müssen fast alle Eschen umgeschnitten werden, während der Wienerwald noch nicht komplett betroffen ist. Kaltenegger erklärt: „Die Bundesforste bewirtschaften im Raum Tulln keine Au-Gebiete – sind daher von den aktuellen Sperren flächenmäßig nicht betroffen.“ Denn die Esche wächst meist am Ufer entlang von Bachläufen, die durch den Wald gehen. Damit macht die Esche nur einen Anteil von drei Prozent auf der Fläche der Bundesforste aus.

„Aus waldbaulicher Sicht gibt es derzeit keine zielführenden und nachhaltig wirksamen Bekämpfungsmöglichkeiten des Pilzes“,

Andrea Kaltegger

Um weiterem Befall vorzubeugen, werden momentan keine jungen Eschen nachgesetzt. Denn der Pilz befällt alle Eschen, ungeachtet ihres Alters und tötet die Triebe. „Im ersten Schritt bringt der Pilz Äste und Zweige in den Kronen zum Absterben, die dadurch schütter werden. Dann beginnt die Rinde abzufallen, bis der Baum endgültig stirbt“, erklärt Kaltenegger. Durch die toten Blätter, die zu Boden fallen, verbreitet das falsche weiße Stengelbecherchen seine Sporen.

Befallene Bäume müssen gefällt werden

An befallenen Bäumen sind zunächst lokale Rindennekrosen zu sehen, das ist abgestorbenes Rindengewebe, vor allem an Trieben und Zweigen. Diese führen zum Absterben von Trieben und Zweigen. An schon länger abgestorbenen Ästen erscheinen dann die Fruchtkörper verschiedener Pilzarten, die den Baum zusätzlich schädigen.

Wer diese Symptome bei seiner Esche erkennt, muss umgehend handeln. St. Pöltens Stadtgärtner Robert Wotapek empfiehlt privaten Wald- und Baumbesitzern, ihren Eschenbestand zu prüfen und notfalls zu schlägern.

Pilz beeinflusst auch Standfestigkeit

Das setzen die Bundesforste auch konsequent durch: Regelmäßig werden Kontrollen durchgeführt und jeder befallene Baum geschlägert. Nicht nur wegen der Verbreitungsgefahr: „Der Pilz verursacht einen akuten Verlust der Standsicherheit“, weist Wotapek auf das Risiko hin, dass die Esche umstürzen kann.

Doch in Wirklichkeit können all diese Maßnahmen den Schaden nur eingrenzen: „Aus waldbaulicher Sicht gibt es derzeit keine zielführenden und nachhaltig wirksamen Bekämpfungsmöglichkeiten des Pilzes“, gibt Kaltenegger zu bedenken.

Doch Hoffnung besteht. Denn, natürlich gibt es auch Eschen, die resistent gegen den Befall des falschen weißen Stängelbecherchens sind.

Das Bundesforschungszentrum für Wald hat österreichweit dazu aufgerufen, diese Eschen zu identifizieren. Schließlich liegt in ihren Genen der Schlüssel zu einer möglichen Lösung gegen das Eschensterben. Kaltenegger: „Auch die Bundesforste beteiligen sich tatkräftig an der Suche – bisher aber leider ohne Erfolg.“

Doch nicht nur das Eschensterben bereitet den Bundesforsten Kopfzerbrechen, erst vor Kurzem legten sie ihre Bilanz zum Jahr 2016 vor.  Vor allem Borkenkäfer, lokale Windwürfe und der Spätfrost setzen dem Forstbestand zu. Das Resultat: Die Hälfte der Erntemenge ist Schadholz.