Fasten im Trend: Vom Alltag lösen und ruhen. Der bewusste Verzicht hat positive Effekte auf die Gesundheit. Hotels, Gastronomie und auch Klöster Angebot an.

Von Melanie Baumgartner, Markus Zauner, Gerhard Weber und Christine Hell. Erstellt am 26. Februar 2020 (03:28)
Fastengruppe beim kargen Mahl in Pernegg. Das Kloster im Bezirk Horn war eine der ersten Einrichtungen, die auf den Fastentrend aufgesprungen sind.
Rita Newman

Fasten – ein Trend, der die Menschheit schon jahrhundertelang begleitet. Mit der Fastenzeit beginnt eine Zeit der Ruhe und des Verzichts.

Expertin für Fasten ist Beate Reim. Sie beschreibt das Phänomen als ein altes Heilprinzip. „Gefastet wird in ganz unterschiedlichen Formen seit Menschengedenken in allen Kulturen und Religionen“, erklärt sie. Mittlerweile konnte man wissenschaftlich nachweisen, dass Fasten durchaus positive Effekte auf die Gesundheit hat. „Der Körper wird entgiftet, gereinigt, die Haut wird straffer, Selbstheilungskräfte werden aktiviert, wir sammeln neue Energie, betreiben natürliches Anti-Aging und ganz nebenbei verlieren wir auch ein paar Kilos“, nennt Reim die Wirkungen des Fastens.

Bevor man überhaupt zu Fasten beginnt, ist es wichtig, mit einem Arzt zu reden. Dieser klärt etwaige Umstände ab, die ein Fasten nicht möglich machen, wie etwa Krankheiten oder eine Schwangerschaft. Idealerweise nimmt man sich Urlaub, um sich besser vom Alltag lösen zu können und zur Ruhe zu kommen. Meist bieten auch Hotels oder Klöster ganze Fastenwochen an. Für „Tage der Stille“ hat das Stift Lilienfeld etwa Zimmer ohne Fernseher und Internet, in denen Übernachter stets willkommen sind. Der Gästetrakt liegt in einer Zone des Stiftes, die für Tagestouristen nicht zugänglich und dadurch besonders ruhig ist. „In diesem Gästetrakt lässt sich gut Abstand vom Trubel des Alltags und vom ,Stress der Welt‘ gewinnen“, erklärt Abt Pius Maurer. Es seien alle Gäste willkommen, unabhängig davon, ob sie mitbeten oder nicht. Auch das Kloster Pernegg im Waldviertel bietet Möglichkeiten zum Fasten, speziell zum Medien-Fasten. Hier wird bewusst auf Ablenkung, wie etwa einen Fernseher am Zimmer, verzichtet.

Besonderer Beliebtheit erfreuen sich derzeit drei Formen des Fastens: Heilfasten, Basenfasten und Autophagie-Fasten. Unter Heilfasten versteht man meist die Saft- und Suppen-Methode nach Dr. Buchinger. Diese Art unterteilt sich in drei Phasen: Entlastungstage, Fastentage und Aufbautage. Für Einsteiger eignet sich Basenfasten besonders gut, wie Expertin Beate Reim erklärt. „Bei dieser Methode gibt es basenüberschüssige Kost, das heißt Obst, Gemüse, frische Kräuter, Samen, Sprossen oder auch Nüsse.“ Beim Autophagie-Fasten setzt man auf das körpereigene Reinigungsprogramm. Dabei wird das Basenfasten mit Intervallfasten kombiniert.

Wirte haben sich mit Menüs angepasst

Umsatzeinbrüche fürchten die die Wirte in den nächsten 40 Tagen trotz Fastentrend nicht. „Man spürt die Fastenzeit nicht wirklich“, verrät St. Pöltens Wirte-Obmann Georg Loichtl. Auch, weil Abnehmen, Fitness und Wellness sowieso das ganze Jahr zum Thema geworden sind. „Meine Kollegen und ich haben uns natürlich auch ein bisschen angepasst – man hat in dieser Zeit sicher noch mehr Gemüse und Fisch auf der Speisekarte.“

Was schon auffällt: Es wird weniger Alkohol getrunken. „Zumindest die ersten zwei Wochen schießt der Konsum von Soda Zitron ordentlich in die Höhe“, schmunzelt Innungsmeister Leo Graf: „Viele nutzen die Fastenzeit, um sich vom Fasching ein wenig zu erholen.“ Auch er hätte in den letzten Jahren nicht bemerkt, dass weniger Gäste kommen. „Allerdings wird schon bewusster gegessen.“

Momentan sei noch nicht der große Drang da zum Fasten, berichtet Sergio Lazzari, Inhaber der „Reformstube Sonnenschein“ in Neulengbach. „Es kommen aber immer wieder Menschen zu mir ins Geschäft, die für die Gesundheit etwas tun wollen.“ In Bezug aufs Fasten bietet er deshalb spezielle Basentees an. Ein guter Vitamin-D-Spiegel sei ganz wichtig, auch für den Fettstoffwechsel, meint Lazari.

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