Gastro wird "kreativ": Von Abholservice bis Kochvideo. Mit einer baldigen Öffnung rechnen Wirte der Region Purkersdorf vorerst nicht. Sie überbrücken Zeit aber mit einfallsreichen Services.

Von Melanie Baumgartner, Markus Huebmer und Nadja Büchler. Erstellt am 24. Februar 2021 (03:59)

Seit knapp zwei Wochen dürfen Handel und Dienstleister wieder geöffnet haben. Für Gastronomie und Kulturbetriebe heißt es allerdings weiterhin: bitte warten.

Niki Neunteufel betreibt in Purkersdorf das Szene-Lokal Nikodemus. Dort herrscht normalerweise reger Betrieb, bekannte Purkersdorfer wie Monica Weinzettl, Gerold Rudle oder Claudia Bandion-Ortner gehen hier ein und aus. Momentan ist es aber still. Kein Grund aber für Neunteufel, den Kopf hängen zu lassen. „Grundsätzlich versuchen wir, den Mut nicht zu verlieren. Wir blicken positiv nach vorne und ich denke, dass es in absehbarer Zeit wieder losgehen wird“, zeigt sich der Gastronom optimistisch.

„Grundsätzlich versuchen wir, den Mut nicht zu verlieren"

Ein mögliches Aufsperren gleichzeitig mit dem Handel war für den Gastronomen lediglich eine Illusion. Er sieht jedoch eine kleine Chance, am 15. März wieder öffnen zu können. „Wenn die Zahlen nicht weiter steigen, hat es geheißen, dass es am Montag, 1. März, zu einem Treffen zwischen Bundeskanzler und Landeshauptleuten kommt und das weitere Vorgehen besprochen wird“, informiert Neunteufel und fügt hinzu: „Hinsichtlich einer möglichen Öffnung am 15. März möchte ich aber nicht allzu euphorisch sein. Es wäre natürlich toll.“ Allerspätestens hofft er auf einen Neustart nach Ostern.

Bis es allerdings soweit ist, überbrücken die Köche des Nikodemus die Zeit mit Online-Kochvideos. Zu sehen gibt es diese unter der Serie „Get Naked – Nui kocht“ auf dem Youtube-Kanal des Szene-Lokals.

Zwei Videos sind bereits online. „Die Kochvideos bereiten große Freude. Das erste hat bereits über 1.000 Klicks, das zweite, das vergangenes Wochenende online ging, bereits 250 Klicks“, freut sich Neunteufel über den Zuspruch. Die Videos werden in regelmäßigen Abständen von zwei Wochen auf Youtube erscheinen. Die beiden Köche Nui und Wolfgang Lehnert werden außerdem von Promis unterstützt. Monica Weinzettl ist ebenso als Gast dabei wie Claudia Bandion-Ortner.

Format soll ausgeweitet werden

Momentan ist zudem geplant, das Format auszweiten, wie der Gastronom erzählt. „Wir möchten künftig Nui beim Einkaufen begleiten und so zeigen, wo man die Zutaten für die Gerichte bekommt. Das soll ein dauerhaftes Format bleiben.“

Das Team des Steinerhofs in Pressbaum überbrückt die Zeit während der Schließung mit Abholservice. An drei Tagen in der Woche – Freitag, Samstag und Sonntag – bietet der Steinerhof seit 19. Februar wieder seinen beliebten „Drive-In Abholservice“ an. Wirtin Sigrid Neusser hofft darauf, bald aufsperren zu dürfen. Das warten auf Informationen, wie und wann es weitergeht, findet Neusser problematisch. Abstandsregeln und eine begrenzte Gästeanzahl einzuhalten hingegen nicht. „Wenn der Besuch im Gasthaus nur mit einem gültigen, negativen Testergebnis möglich sein wird, wollen viele Gäste nicht kommen. Das wurde uns bereits seitens vieler Kunden kommuniziert“, berichtet Neusser.

Kurt und Sigrid Neusser haben kürzlich bei der Wirtschaftskammer angesucht, eine betriebliche Teststraße eröffnen zu können. Sohn Alex ist Sanitäter und darf Testungen durchführen. Das regelmäßige Testen erspart den Angestellten das Arbeiten in zwei unabhängigen Teams, aber nicht die Kurzarbeit. „Mit der Teststraße im Haus könnten wir auch die Testungen der Gäste übernehmen. Aber diese Überlegung muss erst mit den zuständigen Stellen geklärt werden“, meint Neusser. Ob die Gäste das Angebot annehmen würden, kann sie aus heutiger Sicht nicht einschätzen. Familie Neusser möchte unbedingt wieder aufsperren und für ihre Gäste da sein. Für die Öffnung des Betriebes sind ein bis zwei Wochen Vorlaufzeit notwendig. Große Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität setzt das Gastronomen-Ehepaar auf die Impfung.

„Ich kämpfe für meinen Betrieb, meine Mitarbeiter und natürlich für meine Gäste"

Der Bühnenwirt Roland Mayer hat seine anfänglichen Ängste und Sorgen abgelegt und in produktive Energie umgewandelt. „Ich kämpfe für meinen Betrieb, meine Mitarbeiter und natürlich für meine Gäste. Ich verschwende meine Gedanken nicht fürs Jammern, sondern nutze sie für Ideen und Möglichkeiten“, zeigt sich Mayer entschlossen.

Eine Mischung aus Überlebenswillen, staatlicher Unterstützung und vielen positiven Gedanken lässt Mayer nicht aufgeben. Seit dem ersten Lockdown befinden sich seine fünf Mitarbeiter in Kurzarbeit, mit den staatlichen Unterstützungen hatte Mayer bisher keine Probleme, außer ganz zu Beginn. Das Ansuchen um Förderung ist viel Arbeit und nur gemeinsam mit dem Steuerberater zu schaffen, sagt der Wirt. Im Hinblick auf die neuen Informationen zur Öffnung der Gastronomie erwartet sich Mayer nichts mehr. Er nimmt es, wie es kommt und versucht das Beste daraus zu machen.

Seinen hungrigen Gästen bietet Mayer einen Abholservice, inklusive Extra-Schmankerln an den Wochenenden. Im Bereich der Kultur sind ab April wieder Veranstaltungen geplant.

„Rechne mit Öffnung nach dem Muttertag“

Dass er ab März wieder Gäste im Dreimäderlhaus begrüßen wird können, dem misst Wirt Richard Kramel eine geringe Wahrscheinlichkeit bei. „Ich rechne damit, dass wir erst nach dem Muttertag aufsperren werden können“, meint Kramel. In Wolfsgraben ist das Dreimäderlhaus nicht nur für Stammtischgäste ein kulinarischer Magnet.

Für die Erweiterung der Hygieneregeln über das Ausmaß des Vorjahres sieht Kramel wenig Spielraum, denn: „Wir Wirte sind schließlich keine Behörde, die die Einhaltung kontrollieren kann.“ So wäre jede Situation, wo man als Wirt die Gäste zur Einhaltung komplexerer Regeln, wie etwa die Vorlage eines Testergebnisses, ermahnen muss, ein geschäftsschädigender Moment.

Aktuelle Umfrage

  • Lockdown für Gastro, Tourismus & Kultur verlängert: Richtige Entscheidung?