Geteilte Meinung zu neuer Anschlussstelle. Vorschlag | Bürgermeister von Purkersdorf und Pressbaum wollen eine Anschlussstelle zur A1 im Heimbautal. Wolfsgraben ist davon nicht begeistert.

Von Ernst Susicky. Erstellt am 30. Juli 2014 (09:10)
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Sehr belastet sei die Bundesstraße zwischen Purkersdorf und Pressbaum, klagen die Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner (Pressbaum) und Karl Schlögl (Purkersdorf). Deshalb schlagen sie vor: Eine Betriebszu- und -abfahrt zur A1 wäre im Heimbautal vorhanden. Diese könnte relativ kostengünstig ausgebaut werden.

Auf den Bundesstraßen in Purkersdorf würden derzeit 10.800 bis 12.200 Fahrzeuge pro Tag gezählt, das Verkehrsaufkommen in Tullnerbach und Pressbaum liegt bei 5.500 bis 8.900 Kfz täglich, wurde in einer Studie des Landes erhoben. Laut dieser Studie gäbe es auch zu wenig Anschlussstellen zwischen Wien und Pressbaum. Auch Schlögl sei kein so langer Autobahnabschnitt ohne Anschlussstelle bekannt, wie zwischen Wien und Pressbaum.

Laut der Studie des Landes würde eine Öffnung der vorhandenen Auf- und Abfahrt den Verkehr in Purkersdorf um bis zu 5.900 Kfz, in Tullnerbach und Pressbaum um bis zu 3.600 Kfz reduzieren, das entsprechen 51 bzw. 35 Prozent. Ohne Anschlussstelle Heimbautal würde sich das Verkehrsaufkommen auf der B44 bis zum Jahr 2025 noch wesentlich verstärken. Dazu komme der Verkehr auf der B13 von Wolfsgraben und Breitenfurt Richtung Wien-Liesing.

Initiatoren auch mit Teilanschluss zufrieden 

Schlögl betonte, eine „vorurteilslose Prüfung“ der Maßnahme zu wollen. Parallel dazu sollte allerdings auch der öffentliche Verkehr ausgebaut werden, sprach sich Schlögl für einen „echten“ Viertelstundentakt der Bahn bis Pressbaum und eine Koordinierung der Zugpläne mit den Bussen aus. Mit der Eröffnung des Wiener Hauptbahnhofes würden weitere Verbesserungen in Kraft treten, meinte er. Auf der B1 in Purkersdorf seien Richtung Wien täglich 25.000 Fahrzeug unterwegs, davon 600 Lkw.

Denkbar sei in einem ersten Schritt auch ein Teilanschluss. Die Idee sei bereits vor Jahren „kontroversiell“ diskutiert worden, insbesondere in Wolfsgraben sei man skeptisch, während die anderen Gemeinden positiv eingestellt seien. Auch die Bewohner von Wolfsgraben hätten Vorteile, meinte Schmidl-Haberleitner. Eine Anschlussstelle würde vielen Pendlern eine Zeitersparnis Richtung Wien bringen. „Die Gemeinderatsfraktion der SPÖ Pressbaum hat die Schaffung eines Autobahnzubringers in Wolfsgraben in vollem Umfang unterstützt“, informiert Peter Grosskopf von der SPÖ-Pressbaum. Deshalb habe man schon mit der Asfinag Kontakt aufgenommen.

Wolfsgraben fürchtet viele Nachteile 

„Aus unserer Sicht ist eine Autobahnauffahrt im Heimbautal derzeit kein vorrangiges Projekt, das wir wollen“, so Wolfsgrabens Bürgermeisterin Claudia Bock. Es gäbe zwar Wolfsgrabener, die das Projekt begrüßen würden, aber die Nachteile für den Ort würden überwiegen. Bock spricht dabei nicht nur von der Zunahme des Verkehrs, sondern auch von größerer Lärmbelästigung und die Angst vor erhöhter Einbruchskriminalität. „Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Einbrüche in Orten, in denen eine Autobahnauffahrt ist, massiv zunehmen“, so Bock.

Bereits vor drei Jahren hätte es eine Besprechung im Land über eine mögliche Auffahrt zur A1 im Heimbautal gegeben. Schon damals wurde gesagt, dass es zu einer „massiven Verschlechterung für Wolfsgraben und Laab im Wald kommen würde“. Die Asfinag hätte schon damals bekannt gegeben, dass die Kosten für den Ausbau der Ausfahrt nicht zu rechtfertigen seien. Dies wird jetzt wieder bestätigt: Vonseiten der Asfinag ist „es nicht angedacht zwischen Wien und Pressbaum eine weitere Anschlussstelle zu errichten“.

Auch die Grünen sprechen sich gegen eine Autobahnauffahrt im Heimbautal aus. Michael Sigmund: „Nach dem Motto ’Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten‘ sind wir Grüne der Region gegen eine neue offizielle Autobahn-Abfahrt.“