Große Hilfsbereitschaft: Hotlines in den Gemeinden. Sofort wurden für Risikogruppen Einkaufsservices in Kommunen gestartet.

Von Birgit Kindler, Monika Närr und Melanie Baumgartner. Erstellt am 18. März 2020 (04:38)
Einkaufshilfen wurden in den Gemeinden der Region gestartet. So auch in Purkersdorf. Vizebürgermeister Andreas Kirnberger und Bürgermeister Stefan Steinbichler freuen sich über die große Hilfsbereitschaft.
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„Ich bin überwältigt von der Hilfsbereitschaft. Das ist der Grund, warum ich in Purkersdorf lebe“, sagt Walter Jaksch. Er hat eine Vorerkrankung und zählt auch aufgrund seines Alters zur Risikogruppe – soll also die Wohnung nicht verlassen, um eine Ansteckung zu vermeiden. „So etwas habe ich wirklich nicht erwartet. So viele Leute haben mir und meiner Frau ihre Hilfe angeboten. Der Zusammenhalt ist einfach gigantisch“, ist Jaksch überwältigt und freut sich über die gut funktionierende Nachbarschaftshilfe.

„Ich bin überwältigt von der Hilfsbereitschaft. Das ist der Grund, warum ich in Purkersdorf lebe“

Auch Purkersdorfs Bürgermeister ist begeistert von der Hilfsbereitschaft. Viele Leute hätten sich bei ihm gemeldet und ihre Hilfe angeboten. Die Stadtgemeinde Purkersdorf hat jedenfalls ein Einkaufsservice eingerichtet, für ältere Personen, die nicht auf die Hilfe von Familie oder Nachbarn zurückgreifen können. Es können von 9 bis 12 Uhr Bestellungen unter 02231/63601888 für Medikamente und Lebensmittel abgegeben werden. „Heute sind zwei Bestellungen aangekommen. Die haben Mitarbeiter der Stadtgemeinde erledigt“, berichtet Steinbichler.

So sei gewährleistet, dass Senioren aber auch jüngere Menschen mit Vorerkrankungen zu Hause bleiben können, um so das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu minimieren. In der Stadtgemeinde sind 50 Prozent der Belegschaft daheim, 50 Prozent im Büro – um im Verdachtsfall gerüstet zu sein.

Auch in Pressbaum gibt es ein vorbildliches Krisenmanagement. Eine 24-Stunden-Hotline wurde eingerichtet. „Seien Sie durch persönliche Vorkehrungen und Ihr Freizeitverhalten auf Ihre Gesundheit bedacht“, forderte Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner die Bevölkerung in einem Schreiben auf. Darin verwies er auch darauf, dass ein Krisenstab unter Einbindung des örtlichen Zivilschutzes eingerichtet wurde und informierte, dass eine Checkliste für Coronafälle und Coronaverdachtsfälle eingerichtet wurde. Alle Gemeindeveranstaltungen wurden abgesagt, ebenso jene im Stadtsaal. Die Bibliothek wurde ebenfalls geschlossen, auch die Mütterberatung ist zu. Für hilfsbedürftige Personen wurde seitens der Gemeinde eine 24 Stunden-Hotline unter 0664/88 98 98 49 eingerichtet. Stadtamtsdirektorin Andrea Hajek nimmt persönlich Anrufe entgegen.

Rasche Info durch Gemeinde-App

Sehr bewährt hat sich als rasch aktualisierbare Informationsquelle auch die relativ neue Gemeinde-App Gem2Go, auf der User zahlreiche Adaptierungen in kürzest möglicher Zeit erreichen.

So wurde darin etwa die Einstellung des Fahrtendiensts E-Mobil verlautbart, da der Großteil der Fahrgäste der Risikogruppe 70 plus angehört.

Weiters wurde bekannt gegeben, dass Parteienverkehr im Rathaus sowie der Besuch der Bürgermeistersprechstunde derzeit nur in dringenden Fällen und nur gegen Voranmeldung möglich ist.

Über Facebook wurde auch eine private Helferliste für Pressbaum und Umgebung ins Leben gerufen. „Wir, die über ein gesundes Immunsystem verfügen, können banale und doch lebenswichtige Dinge wie Einkäufe und Apothekengänge für ältere Menschen durchführen, organisieren und somit vielleicht ein bisschen Sicherheit zurückbringen“, ist in der „Hilfsgruppe - wir gegen Corona“ von Initiatorin Gabriele Bungart zu lesen. Dabei nimmt sie auch Bedacht, dass ältere Personen oft nicht über Internet vernetzt sind und andere Kommunikationskanäle wie Flugblätter oder Hotlines bereitgestellt werden müssen. „Bitte versucht, Menschen in Eurer unmittelbaren Umgebung zu unterstützen. So bleibt der Bewegungsradius gering“, appelliert Bungart. Kenntnisse über Menschen, die Unterstützung brauchen, können hier ebenfalls gemeldet werden.

Auch in Gablitz wurde eine Hotline eingerichtet: Unter dem Motto „Zu Hause bleiben - zusammenstehen“ organisiert die Marktgemeinde Gablitz die Besorgung dringender Medikamente und Lebensmittel. „Wenn Sie keine andere Möglichkeit haben dringend benötigte Medikamente, Lebensmittel oder Hygieneartikel zu besorgen, organisiert die Marktgemeinde Gablitz mit einem Freiwilligennetzwerk Besorgungsdienste: 02231/634 66-131“, so Bürgermeister Michael Cech.

Ziel sei es all jene Menschen zu unterstützen, die keine andere Möglichkeit haben, zu wichtigen Dingen des täglichen Lebens zu kommen.

Auch in Wolfsgraben gibt es eine Hotline, an die man sich wenden kann, wie Bürgermeisterin Claudia Bock mitteilt: 0699/17185589. Hier werde der Einkauf für ältere Personen koordiniert. Bei Fragen kann man sich auch direkt an die Bürgermeisterin wenden: 0664/1031996.

Unterstützung wird auch in Mauerbach geboten. Bürgermeister Peter Buchner weist in einer amtlichen Mitteilung besonders darauf hin, „dass alle gegebenen Schutzmaßnahmen zu Ihrer eigenen Sicherheit einzuhalten sind. Dazu zählen natürlich sämtliche Hygienemaßnahmen, beschränkte Ausgehmöglichkeiten und alle Maßnahmen, die zu Ihrem persönlichen Schutz dienen“. Gemeinderat Matthias Pilter arbeitet derzeit von zuhause aus. Seinen Beobachtungen nach, funktioniert die Ausgehregelung in Mauerbach ganz gut, wie er erzählt. „Wenn ich so von meinem Home Office – Arbeitsplatz aus dem Fenster Richtung Straße blicke, sind deutlich weniger Autoverkehr und nur vereinzelt Personen auf der Straße zu sehen. Demnach dürften sich die Bürger an die Vorgaben zur Eindämmung halten.“

„Wenn ich so von meinem Home Office – Arbeitsplatz aus dem Fenster Richtung Straße blicke, sind deutlich weniger Autoverkehr und nur vereinzelt Personen auf der Straße zu sehen."

Um den Gemeindebürgern in dieser Zeit eine Anlaufstelle zu bieten, wurde am Gemeindeamt ein Notdienst eingerichtet. Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag ist das Gemeindeamt von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Es wird allerdings darum gebeten, das Angebot nur in wirklich dringenden Fällen in Anspruch zu nehmen.

Abseits dieser Öffnungszeiten wurde zudem eine Hotline unter 0664 531 55 28 eingerichtet, die jeweils zwischen 8 und 18 Uhr für dringende Anliegen zur Verfügung steht. Diese Hotline soll vor allem für Risikogruppen eine Anlaufstelle bieten. Dazu heißt es in der Mitteilung: „ln erster Linie soll diese Hotline für jene Menschen dienen, die als Risikogruppe vollständig zuhause bleiben sollen und Unterstützung bei Einkäufen und Besorgungen von Lebensmitteln, Medikamenten und sonstige Unterstützung benötigen.“ Medizinische Auskünfte können hier allerdings keine gegeben werden.

„Mir ist bewusst, dass die getroffenen Maßnahmen teilweise massive Einschränkungen mit sich bringen. Ich appelliere aber an alle Bürger, gemeinsam an einem Strang zu ziehen und sich gegenseitig in Familie, in der Nachbarschaft und im Freundeskreis zu unterstützen“, so der Bürgermeister Johann Novomestsky in Tullnerbach in einem Bürgermeister-Brief an alle Haushalte. Darin bat er auch, Ruhe zu bewahren und gesellschaftliche Aktivitäten zu vermeiden.

Tagesteller vom Ströbel

Für alle Tullnerbacher, die zu gefährdeten Gruppen gehören - ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen – wurde ein Hilfsservice seitens der Gemeinde eingerichtet. Sie können jeden Tag bis 18 Uhr bei Rudi Ströbel den Tagesteller oder andere Produkte wie Fleisch, Wurst oder Käse für den nächsten Tag bestellen. Ein Gemeindemitarbeiter holt um 11.30 Uhr das Essen ab und führt die Bestellungen aus. Falls noch andere wichtige Besorgungen wie etwa Apothekenware benötigt werden, kann man sich an die Gemeinde wenden.

Ströbel: 02233/52440, Telefonnummer Gemeinde: 02233/52288.

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