Hitzige Debatten über das Rauchverbot. Verordnung soll fallen, Diskussion flammt wieder auf. NÖN fragte bei Gastronomen der Region nach deren Meinung.

Von Martin Gruber-Dorninger und Marlene Trenker. Erstellt am 20. Dezember 2017 (05:50)
NOEN, Ernst Jauck
Raucherlokal oder nicht. Dieser Überlegung sehen sich die Gastronomen der Region derzeit ausgesetzt.

Da steht eine Wellblechhütte in Mosambik, nach allen Seiten hin offen. Darin ein kleiner Barbetrieb und ein „Rauchen verboten“-Schild. Hinter der Wellblechhütte stehen ein paar Menschen, die genüsslich Glimmstängel ziehen.

„Sogar in Mosambik schaffen es die Menschen, eine klare Regelung über das Rauchverbot zu beachten. Bei uns in Österreich geht das seit Jahrzehnten nicht. Ich frage mich, welches Land hier die Bananenrepublik ist“, ereifert sich Niki Neunteufel, Geschäftsführer des Nikodemus, vor allem dann, wenn er auf das Thema „Rauchverbot ja oder nein“ angesprochen wird.

„Sogar in Mosambik schaffen es die Menschen, eine klare Regelung über das Rauchverbot zu beachten"

Im Mai 2018 sollte in allen Gastronomiebetrieben Österreichs ein absolutes Rauchverbot verordnet werden. Die neue türkis-blaue-Regierung will dieses Rauchverbot allerdings wieder kippen. Nichtraucherschützer riefen sofort eine Petition gegen dieses Vorhaben ins Leben, die binnen weniger Tage über 200.000 Unterstützer fand. Ein Volksbegehren wurde bereits angekündigt. Dies könnte den Rückzieher vom Rückzieher bedeuten. Genau das erzürnt einige Gastronomen der Region.

COPD ist in Region stark im Vormarsch

Für den Purkersdorfer Lungenfacharzt Friedrich Knechtel ist dieser Vorstoß der Kurz-Regierung unverständlich. „Rauchen ist schädlich. Außerdem werden Gasthäuser nicht nur von Erwachsenen besucht, sondern auch von Kindern, die dem Rauch ausgesetzt werden. So gut kann der Raucherbereich gar nicht vom Rest des Gasthauses abgetrennt sein“, gibt Knechtel zu bedenken. COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease, chronisch obstruktive Lungenerkrankung; Anmerkung der Redaktion) sei stark im Vormarsch. „Das Problem dabei ist, dass die Entstehung oft Jahrzehnte in der Vergangenheit liegt und nicht akut behandelt werden kann. Bei Auftreten ist es meist schon zu spät“, sagt Knechtel.

Christian Koller, Geschäftsführer vom Shakespeare Pub in Purkersdorf, ist vom neuerlichen Rütteln am Raucherverbotsgesetz enttäuscht: „Ich überlege sogar trotzdem, ab 1. Mai, ein komplettes Nichtraucherlokal zu machen, unabhängig davon, was da jetzt rauskommt.“ Ihn nerve diese Angelegenheit allmählich. „Wir stehen direkt im Kontakt mit den Kunden und müssen ständig auf die Stimmungen der Regierungen reagieren und diese nicht nur umsetzen, sondern auch darauf reagieren. Mir reicht es eigentlich“, so Koller.

Kollege Niki Neunteufel pflichtet dem voll und ganz bei und ergänzt noch: „Wir müssen immer die Krot fressen. Der Staat setzt uns als Schiedsrichter zwischen Nichtrauchern und Rauchern ein. Ich habe es endgültig satt.“

Gutes Essen und Rauch vertragen sich nicht

Oliver Pobaschnig, Geschäftsführer vom „Oliver“ in Wolfsgraben, stört es ebenfalls, dass politische Dinge auf dem Rücken der Wirte ausgetragen werden. In seinem Lokal gibt es einen Raucher- und einen Nichtraucherbereich. „Jeder weiß, dass Rauchen schädlich ist. Durch ein Miteinander kann aber hier eine Lösung gefunden werden. Diese Einstellung teilen auch meine Gäste“, so Pobaschnig. Er könne aber sehr wohl nachvollziehen, dass sich nicht nur Nichtraucher durch massiven Rauch gestört fühlen könnten. „Besonders wichtig ist dabei die Entlüftung. Ich habe damals sehr viel Geld dafür investiert“, sagt Pobaschnig.

Christoph Karner ist in Purkersdorf Geschäftsführer von zwei Gastronomie-Betrieben, dem Stehbeisl und seit heuer auch im Bachstüberl. „Für das Stehbeisl finde ich die Regelungen gut, im Bachstüberl wird bei uns ohnehin nicht geraucht“, erklärt Karner.

Prinzipiell findet er es aber gut, dass das Rauchverbot wieder gekippt werden soll. „Jeder hat das Recht, das zu tun, was er für richtig hält. Wenn jemand in ein Raucherlokal gehen will, dann soll er das tun. Der Gesetzgeber sollte hier nicht einwirken“, positioniert sich Karner eindeutig. Dasselbe gelte auch für das Personal, so Karner, denn wenn die Person nicht in einem Raucherbetrieb arbeiten wolle, dann solle sie es auch nicht tun.

Für Christian Linko wird sich durch den Wegfall des Rauchverbotes nichts ändern, denn der Raucherbereich bleibe, wie er derzeit ist und im großen Gastraum, werde ohnehin nicht geraucht. „Denn Essen und Rauchen vertragen sich bei uns nicht“, sagt Linko, der heuer mit seinen Kochkünsten auch eine Erwähnung im Gourmetführer Gault Millau fand.

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