Kfz-Neuzulassungen: „Trend eher zu Hybrid“. Autohändler der Region sehen E-Auto-Boom mit gemischten Gefühlen.

Von Melanie Baumgartner und Thomas Vogelleitner. Erstellt am 22. Januar 2020 (03:01)
Symbolbild
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Mehr als ein Zehntel der blau-gelben Pkw-Neuzulassungen 2019 entfallen auf die Landeshauptstadt und den Bezirk St. Pölten – konkret sind es 3.530 in der Stadt und 3.487 im Bezirk. „Man kann unter dem Strich zufrieden sein“, hört man aus der Branche. „Aber wer weiß, was mit der türkis-grünen Regierung noch auf uns zukommt?“ Die NÖN hat sich bei den Autohändlern in der Region genauer umgehört.

„Man kann unter dem Strich zufrieden sein“

Rudolf Wagner, Senior-Chef vom Autohaus Köfler und Ernst in Tullnerbach, sieht den Trend zum E-Auto mehr als Flop denn top. „Die Anschaffungskosten bei Elektro-Autos sind nicht nur sehr hoch, auch die Produktion verbraucht schon mehr CO als ein normales Auto. Die Frage ist auch noch: Wo bekommen wir den vielen Strom her?“, fragt sich Wagner. Ob in Tullnerbach der Trend zum E-Auto gegeben ist, kann er grundsätzlich nicht sagen. „Wir haben noch keine E-Autos im Sortiment.“

Grundsätzlich glaubt er, dass der Trend eher Richtung Hybrid-Autos geht. Auch die Dieselkrise ist nicht ganz unwesentlich. „Aufgrund der Krise gab es einen starken Dieselrückgang. Jetzt geht der Trend eigentlich wieder verkehrt: die Nachfrage nach Diesel-Antrieb steigt eigentlich wieder“, erklärt Wagner.

NOEN

Auch im Autohaus Mann in Pressbaum beschäftigt die Geschäftsführung das Thema Dieselkrise. „Im Vordergrund stehen eher die Themen Klima und Reduktion von CO , da geht das Eine mit dem Anderen einher“, sagt Verkaufsleiter Thomas Puhm. Grundsätzlich steht er der Entwicklung am Automarkt kritisch gegenüber. „Es ist eine schwierige Zeit für den Authandel. Wir können auch nur das anbieten, was Angebot und Nachfrage hergeben“, so Puhm. Grundsätzlich wird nach Elektro-Autos stärker nachgefragt. Die Anzahl an E-Auto-Modellen ist allerdings überschaubar.

„Der Hybridanteil ist wesentlich höher, bei fast jedem unserer Modelle gibt es mittlerweile schon ein Hybrid-Modell“, erklärt der Verkaufsleiter. Dabei wird nicht nur auf Neuwägen geachtet, auch junge Gebrauchte sind eine Alternative. „Hier ist die Auswahl aber bei Weitem nicht so groß“, informiert Puhm.

Auch die Autohändler in der Landeshauptstadt blicken dem neuen Jahr gespannt entgegen.

„Elektroauto wirklich so umweltfreundlich?“

„2019 war ein interessantes Jahr, 2020 wird noch interessanter“ – Florian Schirak, Verkaufsleiter aller Marken (Jaguar, Land Rover, Hyundai, Nissan, Volvo) bei Schirak automobile, erwartet hohen Druck von den Importeuren – die neuen CO2-Vorgaben seien jetzt schon sehr präsent. Aktuell hat das Autohaus bereits drei Elektroautos zur Auswahl: Jaguar I-Pace,Hyundai Ioniq Elektro und den Nissan Leaf. Heuer wird der emissionsfreie Volvo XC40 an den Start gehen. „Aber sind Elektroautos wirklich so umweltfreundlich? Man denke da nur an die Herstellung derLithium-Ionen-Batterie“, denkt Florian Schirak laut nach. Und ginge es nach ihm, dann würde er die Normverbrauchsabgabe abschaffen und dafür die Spritpreise erhöhen.

Werner Blum sieht auf seine Verkäufer viel Arbeit zukommen: „Beratung, Beratung, Beratung!“ Die Verunsicherung dank der Klimadiskussion und der neuen Regierung sei groß. Der Kunde wird im Ratzersdorfer Autohaus in Zukunft noch umfangreicher beraten werden, „damit er sein ideales, maßgeschneidertes Auto bekommt“. „Das Elektroauto ist langfristig keine Lösung, die Zukunft wird Wasserstoffauto heißen!“, ist der Autohaus-Blum-Inhaber überzeugt. Ford wird heuer zwei interessante Plug-in-Hybride (Kuga, Explorer) auf den Markt bringen. Bezüglich Elektroauto sieht Werner Blum hohe Kosten auf die Autohändler zukommen: „Die Hardware muss angeschafft werden, die Mitarbeiter müssen geschult werden.“

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