Leistbare Baugründe: „Speckgürtel wird sich ausbreiten“. Region Purkersdorf: Viele wollen raus aus der Stadt und ins Grüne. Baugründe im Umland sind aber knapp und teuer. Trotzdem ist die Nachfrage groß.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:00)
In Pressbaum entstehen an der Hauptstraße zusätzlich zur neuen Polizeistation auch Wohnungen.
Nadja Büchler, Nadja Büchler

Wer von einem Haus am Land träumt, das doch nahe bei der Stadt ist, für den beginnt die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. In der Region Purkersdorf ist das Bauland knapp, aber die Nachfrage steigt – und das treibt die Grundstückspreise in die Höhe. Seit Corona wollen noch mehr Menschen aufs Land. Aber kann man sich überhaupt noch einen Baugrund im Speckgürtel leisten? Oder ist es besser, sich nach einer Wohnung umzusehen? Die NÖN hat bei Immobilien-Profis nachgefragt.

Statistik Austria / Shutterstock / NÖN

„Aktuell gibt es meines Wissens relativ wenig Baugrundstücke. Ich kann nur von Gablitz und Purkersdorf sprechen, da gibt es zwar immer wieder etwas, aber teilweise werden die Grundstücke zu hohen Preisen angeboten“, sagt Karin Hohenwarter, Geschäftsführerin des Gablitzer Büros Vyborny Immobilien. Baugründe in Gablitz, wo für den Quadratmeter 700 oder 1.000 Euro verlangt werden, sind ihr schon untergekommen. „Das hat sich durch Corona noch einmal zugespitzt. Im vergangenen Jahr haben wir etwas im Tullnerfeld verkauft, was früher nicht der Reißer war. Ich habe dieses Grundstück keine Woche im Internet gehabt. Also die Nachfrage ist wirklich groß“, so die Immobilienmaklerin.

Am Gelände des ehemaligen AHS-Provisoriums in Purkersdorf werden ebenfalls gerade Wohneinheiten gebaut.
Baumgartner

Besonders in der Coronazeit haben viele Menschen ihre Wohnsituation hinterfragt, meint Anja Rechberger, Geschäftsführerin des Purkersdorfer Immobilienbüros Real Esthétiques: „Die Menschen wollen sich verändern, sie wollen mehr ins Grüne, aber trotzdem in der Stadt bleiben. Und das betrifft dann vor allem Regionen wie Mauerbach, Gablitz, Purkersdorf, Tullnerbach oder Pressbaum.“ Die gute öffentliche Anbindung nach Wien überzeugt die Grundstückssuchenden, so Rechberger, aber: „Viele Grundstücke werden auch Off-Market verkauft, privat oder an Bauträger.“ Dazu kommt, dass auf manchen Flächen derzeit gar nicht gebaut werden darf.

In beliebten Städten wie Purkersdorf und Pressbaum gibt es Bausperren. „In Purkersdorf sind Einfamilienhäuser und Zweifamilienhäuser davon ausgenommen, in Pressbaum auf vielen Grundstücken nicht. Und das ist das große Problem: Weil ein Grundstück, auf dem gar nicht gebaut werden darf, das ist so gut wie unverkäuflich.“, sagt die Purkersdorfer Immobilienmaklerin Michaela-Christina Moser.

"Und das ist das große Problem: Weil ein Grundstück, auf dem gar nicht gebaut werden darf, das ist so gut wie unverkäuflich.“,

Ein durchschnittliches Grundstück für ein Einfamilienhaus in der Region kann je nach Lage zwischen 500.000 und 700.000 Euro kosten, sind sich die Immobilien-Profis einig. „Da kommt oft noch die Aufschließung dazu und erst dann kann gebaut werden. Selbst wenn man dann noch ein relativ günstiges Fertigteilhaus nimmt, muss man immer noch mit 200.000 oder 250.000 Euro für das Haus rechnen“, gibt Moser zu Bedenken. Viele können sich das nicht leisten. „Überall sind die Preise so massiv gestiegen, dass alleine der Baugrund einfach schon das Budget der Menschen sprengt“, sagt Moser.

Bei den vielen Bauprojekten in den Gemeinden - ist es da leichter, eine Wohnung zu finden? Nur schwer, meint Anja Rechberger: „Ich weiß, dass die Wahrnehmung der Öffentlichkeit anders ist, aber es gibt einfach zu wenig Angebot, obwohl gebaut wird. Wir haben teilweise, wenn wir größere Projekte vermarktet haben, diese anfangs nur an Vormerk-Kunden schicken können, weil wir das nicht abarbeiten konnten. Und das war vor zwei Jahren .“

Freifläche ist entscheidend

Auch Hohenwarter ist überzeugt: Eine Wohnung, die gut ausgestattet und gepflegt ist und eine Freifläche hat, ist nicht lange auf dem Markt. Das gilt auch für Mietwohnungen. „Es gibt natürlich auch Ladenhüter, aber meistens, weil die Wohnungen nicht schön sind. Die Leute sind anspruchsvoll.“ Aber egal, ob Eigentums- oder Mietwohnung, eine Freifläche ist aus der Sicht der Immobilien-Profis das entscheidende Kriterium. „Alles, was ohne Freifläche ist, sprich ohne Balkon, Loggia oder Garten ist unglaublich schwer verkäuflich geworden. Das ist mittlerweile die Mindestanforderung der Menschen“, so Moser.

Der stetige Zuzug in das Wiener Umland und das corona-bedingte steigende Interesse am Wohnen im Grünen wird den Speckgürtel vergrößern, sind Hohenwarter, Rechberger und Moser überzeugt. Hohenwarter schätzt, dass dieser in den nächsten Jahren bis nach Herzogenburg reichen wird: „Ich glaube, dass alles noch dichter wird. Der Speckgürtel wird sich weiter ausbreiten.“

Wer ein Grundstück oder eine Immobilie sucht, kann auf den klassischen Plattformen sein Glück versuchen. „Dort ist einfach das größte Angebot“, sagt Hohenwarter. Wer seine Chance aber vergrößern will, sollte sich „in den Ortschaften, die man präferiert, auch bei den Maklern vormerken lassen“, so die Gablitzerin. Auch Rechberger meint: „Man sollte sich nicht nur auf die Plattformen und auf Facebook verlassen.“ Das Wichtigste ist, schnell reagieren zu können. „Die Finanzierungen werden schwieriger. Das heißt, am besten sucht man schon im Vorhinein um eine Finanzierung bei der Bank an, um diese schon parat zu haben. Wenn man in dem Moment, da man etwas gefunden hat, erst beginnt, die Finanzierung einzureichen, ist das Objekt wahrscheinlich schon weg“, erklärt Moser.

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