Leistbare Baugründe: Wer bauen will, muss lang suchen. Grundstücke in der Region Purkersdorf sind teuer oder erst gar nicht am Markt. Gemeinden wollen Zuzug aber ohnehin nicht fördern.

Von Kristina Veraszto und Melanie Baumgartner. Erstellt am 21. Juli 2021 (04:00)
Symbolbild
Erwin Wodicka

Im Wiener Speckgürtel sind Baugründe kaum oder nur sehr schwer leistbar. Das zeigt eine Studie des Meinungsforschungsinstitutes OGM, die der NÖN exklusiv vorliegt. Grundstückspreise laut Grundbuch und Einkommensdaten der in der jeweiligen Gemeinde wohnhaften Bevölkerung wurden in Relation gesetzt.

Und das teuerste Pflaster in der Region ist Purkersdorf. Bei einem durchschnittlichen Bruttoeinkommen von etwas mehr als 51.000 Euro jährlich, kann man sich in der Wienerwald-Metropole nur einen 167 Quadratmeter großen Baugrund leisten. Bauplätze wären laut Bürgermeister Stefan Steinbichler einige vorhanden – sowohl im Bauland Wohngebiet als auch im Industriegebiet – jedoch sind diese alle in Privatbesitz. „Wäre das alles verbaut, hätten wir vermutlich rund 1.000 Einwohner mehr“, sagt der Stadtchef.

OGM

Da der Grund nahezu unleistbar ist, bemüht sich Steinbichler um sozialen Wohnbau. „Ich versuche dort, wo es geht, zu schauen, dass wir wieder leistbaren Wohnraum bekommen.“

Auch in Gablitz, Mauerbach und Pressbaum sind Baugrundstücke über 250 Quadratmeter für die dort lebende Bevölkerung kaum leistbar. „Ganz klar bestimmt die Nähe zu Wien und die optimale Infrastruktur in Gablitz den Preis“, sagt Bürgermeister Michael Cech. Umwidmungen von Grünland auf Bauland wird es in der Gemeinde aber trotz großer Nachfrage nicht mehr geben. „Mir ist klar, dass begrenzter Platz den Preis steigert. Aber wir wollen den Zuzug nicht noch mehr forcieren. Gablitz soll weiterhin dörflichen Charakter behalten und wir wollen unsere Infrastruktur nicht überfordern“, betont der Ortschef.

„Es ist bei uns nicht anders als in anderen Gemeinden.“

In Mauerbach können Baugründe auch nur noch von Privaten gekauft werden, soweit diese überhaupt auf dem Markt sind, berichtet Bürgermeister Peter Buchner. „Es ist bei uns nicht anders als in anderen Gemeinden.“ Um den Ortscharakter trotz Zuzug zu erhalten, wurde eine Siedlungsgrenze festgelegt. Innerhalb dieser können Gründe bebaut und Baulandlücken geschlossen werden. Wer in Pressbaum einen Baugrund sucht, wird wohl auch nur mit Glück fündig: Viele Bauland-Reserven befinden sich ebenfalls in privater Hand. Die Stadtgemeinde besitzt zwar Grundstücke, für die meisten gibt es aber schon einen Plan.

Für das Brosig-Grundstück laufen zum Beispiel Verkaufsverhandlungen mit einem Bauträger. Um der steigenden Einwohnerzahl aber gerecht zu werden, wurden Bausperren verhängt und die Stadt überarbeitet ihr Raumordnungsprogramm. Neues Bauland wird jedoch nicht geschaffen. Die gute Anbindung nach Wien und St. Pölten sowie das große Angebot an Kindergartenplätzen und Schulen machen die Stadt beliebt, meint Bürgermeister Josef Schmidl-Haberleitner.

„Die Gemeinde Wolfsgraben hat kein Interesse daran, großzügig umzuwidmen“

Schwer leistbar sind Baugründe in Wolfsgraben und Tullnerbach. Laut OGM-Studie können sich Bürger in diesen Gemeinden keine 300 Quadratmeter Grund finanzieren. Dass eine Stadt wie Purkersdorf noch teurer ist, liegt für Wolfsgrabens Bürgermeisterin Claudia Bock an der besseren Infrastruktur. „Das ist ganz klar, Purkersdorf liegt direkt an der Bahn.“ Aber weder in Wolfsgraben noch in Tullnerbach möchte man weiteren Zuzug fördern. „Die Gemeinde Wolfsgraben hat kein Interesse daran, großzügig umzuwidmen“, sagt Bock und auch ihr Tullnerbacher Bürgermeister-Kollege Johann Novomestsky meint: „Wir widmen keine Grundstücke um, wir schauen, dass wir bei dreieinhalbtausend Einwohnern bleiben und nicht größer werden.“

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