Mathe ist bei Nachhilfe klar an der Spitze. Viele Schüler fühlen sich in der Zahlenwelt nicht sehr wohl und brauchen zusätzliche Unterstützung.

Von Birgit Kindler. Erstellt am 07. August 2019 (03:57)
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Symbolbild

In den Ferien wollen die Jugendlichen hauptsächlich eines, sich von der Schule erholen. Lange schlagen, ins Bad gehen und mit Freunden treffen – steht auf dem Programm. Kaum jemand will einen Gedanken an die Schule verschwenden. Allerdings sollten jene, die eine Nachprüfung im Herbst haben, schön langsam wieder einen Blick in ihre Schulbücher werfen.

In den beiden Nachhilfeinstituten in der Region hat jetzt die heiße Phase begonnen. „Wir bieten Sommerlernwochen und Nachprüfungskurse“, weiß Ilse Reither, Inhaberin der Schülerhilfe Purkersdorf. „Bei den Lernwochen wird der Stoff wiederholt um eine gute Basis fürs neue Schuljahr zu haben“, erklärt Reither. Die Nachprüfungskurse seien intensiver. 20 Kinder benötigen diese heuer.

„Besonders viel Hilfe wird nach wie vor in Mathematik in Anspruch genommen. Dieses Fach liegt klar an der Spitze“, weiß Reither. Gefolgt von Deutsch und Englisch, diese beiden Fächer teilen sich den zweiten Platz. Vereinzelt gebe es dann auch noch Nachprüfungen in Latein, Geografie oder Chemie.

„Wir sind weit entfernt von objektiven Beurteilungskriterien – vor allem in der Oberstufe.“ Ilse Reither, Schülerhilfe Purkersdorf

Barbara Grimmlinger vom Lerninstitut Pressbaum bestätigt ebenfalls, dass Mathematik klar das Nachhilfe-Fach Nummer eins ist. „Nicht nur bei den Nachprüfungen, auch unterm Jahr liegt Mathematik an der ersten Stelle“, sagt Grimmlinger. Die Vorbereitungskurse laufen auch im Lerninstitut bereits. „Wichtig ist, dass die Schüler sich nach der Schule zuerst einmal erholen. Aber danach sollte schon wieder was gemacht werden“, meint Grimmlinger.

Für Reither ist es ein Problem, dass nicht jeder Schüler gleich begabt sei und einige auch nicht das nötige Rüstzeug in der Schule mitbekommen haben, erklärt Reither warum häufig Nachhilfe in Anspruch genommen werden muss.

„Problematisch sehe ich auch, dass sich die Beurteilungskriterien geändert haben. War eine Schularbeit im Vorjahr noch positiv, kann das im nächsten Jahr schon wieder ganz anders aussehen“, so Reither. Die Fragen würden teilweise auch knifflig gestellt werden. Und die Multiple-Choice-Tests sind sehr selektiv. „Wir sind weit entfernt von objektiven Beurteilungskriterien – vor allem in der Oberstufe“, ist Reither überzeugt.

"War eine Schularbeit im Vorjahr noch positiv, kann das im nächsten Jahr schon wieder ganz anders aussehen“

Von schwierigen Multiple-Choice-Tests weiß auch Grimmlinger. „Früher musste ein Beispiel gelöst werden, das war schon leichter. Jetzt muss man richtig oder falsch ankreuzen. Daher muss man alles haargenau lernen. Wird nur ein einziges Wort verändert, kann sich schon eine ganz andere Lösung ergeben. Die meisten kommen mit Textbeispielen gut zurecht, beim Ankreuzen tun sie sich aber schwer“, so Grimmlinger.

Für Reither spielt auch eine Rolle, dass immer mehr Kinder und Jugendliche Nachhilfe brauchen, dass der Stoff zu schnell „durchgepeitscht“ werde. „Die Schüler haben keine Zeit ihn zu verinnerlichen, deswegen kommen sie in die Nachhilfe“, so Reither. Betroffen sind vor allem Schüler von der dritten bis zur sechsten Klasse. Auch Volksschüler kommen in die Nachhilfe. Meist solche, die daheim in ihrer jeweiligen Muttersprache sprechen und daher Unterstützung bei Rechtschreibung, Grammatik und dem Formulieren von Texten benötigen.

„Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen“

Laut Reither sei es notwendig, dass der Lehrplan verändert wird. „Es gibt zwar einige gute neue Ansätze, aber im Wesentlichen ist alles beim Alten geblieben.“

Was ihr besonders am Herzen liegt, ist, dass es um die Kinder geht, auf die man sich einstellen sollte. „Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen. Bei mir unterrichten zum Beispiel acht Mathelehrer und jeder hat seinen Fanclub“, sagt Reither. Positive Emotionen beim Lehrer seien wichtig. „Es ist unmöglich, dass man ‚Everybody‘s Darling‘ ist“, meint Reither.

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