Mit kreativen Ideen gegen das Wirtesterben . Immer weniger traditionelle Gasthäuser gibt es im Bezirk. In der Region wehrt man sich dagegen mit Kreativität.

Von Martin Gruber-Dorninger und Birgit Kindler. Erstellt am 05. Juni 2019 (03:01)
Gruber-Dorninger
Christian Linko hat im November das Bachstüberl übernommen und ist mit vollem Engagement bei der Sache.

Zum Kartenspielen oder zum Frühschoppen am Sonntag – das Gasthaus ist ein beliebter Treffpunkt im Ort. Vom Rechtsanwalt bis zum Hilfsarbeiter trifft sich dort die Bevölkerung, Neuigkeiten werden ausgetauscht und es wird über Gott und die Welt diskutiert.

In einigen Gemeinden sind solche typischen Gasthäuser aber vom Aussterben bedroht. In Tullnerbach ist das Gasthaus „Zur Post“ vor wenigen Jahren geschlossen worden. Die Betreiber gingen in Pension, die Nachfolge wollte niemand antreten.

NOEN

Einige schöpfen aber Mut und zeigen, dass man mit Einfallsreichtum durchaus erfolgreich seinen Gastrobetrieb fortführen kann. Nach einer Phase der stagnierenden Gastronomiezahlen in den Jahren 2016/17, verzeichnet die Region seit 2018 wieder einen deutlichen Aufwärtstrend. „Mit zahlreichen Neueröffnungen und Neuausrichtung bestehender Betriebe. Für die Gemeinden sind unsere Wirtshäuser ein wichtiger und wesentlicher Faktor im gesellschaftlichen Leben“, erklärt Wirtschaftskammer-Obmann Andreas Kirnberger.

Als Vorzeigebeispiel gilt hier seit Jahrzehnten Niki Neunteufel mit seinem Nikodemus. Die Strategie hinter dem Gasthaus ist klar – es bietet einen historischen Einblick in die Welt der österreichischen Musik. So hat nicht nur Wolfgang Amadeus Mozart mit seinem Vater hier gespeist, kurz bevor sie sich für immer voneinander verabschiedeten, es war auch so etwas wie das zweite Zuhause von einem weiteren Wolfgang. Der Ambros nämlich ging hier als Kind ein und aus und hat auch einen erheblichen Anteil am heutigen Bestehen des Nikodemus. Er hat gemeinsam mit Niki Neunteufel die Idee geboren und siehe da, das Lokal gibt es immer noch.

„Es ist aber nicht einfach. Es ist eine Branche, in der mit viel Gegenwind zu rechnen ist"

„Es ist aber nicht einfach. Es ist eine Branche, in der mit viel Gegenwind zu rechnen ist. Speziell für Junge ist es ganz schwer. Ich bin froh, dass ich die Aufbaujahre hinter mir habe“, gibt Niki Neunteufel zu bedenken. Er selbst habe das Glück, dass das Gebäude, in dem das Lokal untergebracht ist, zu hundert Prozent ihm gehöre. „Ich muss also keine Pacht oder Miete bezahlen. Da wiegt es auch nicht so schwer, wenn einmal Flaute im Geschäft herrscht“, begründet Neunteufel sein gastronomisches Durchhaltevermögen. Das Nikodemus könne auch auf ein großes Stammpublikum zurückgreifen. „Für die nächste Generation, die bei Null beginnt, ist es schwierig“, so Neunteufel.

Einer dieser Jungen ist Christian Linko, der seit November das Bachstüberl in Purkersdorf übernommen hat. „Ich bin absolut zufrieden. Es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe“, erklärt Linko. Aber der Erfolg komme nicht von alleine, „man muss sich permanent etwas einfallen lassen und das mit Leib und Seele machen.“ Es gebe bessere und schlechtere Zeiten. „Man muss aber immer positiv in die Zukunft schauen“, so Linko.