Musikschulen im Lockdown: Kollektives Musizieren fehlt. Region Purkersdorf: Seit einem Jahr keine Auftritte wegen Corona. Unterrichtet wird aber trotz der vielen Herausforderungen.

Von Nadja Büchler und Kristina Veraszto. Erstellt am 14. April 2021 (04:00)
Rosalie Tauschl nimmt Unterricht im Akkordeonspielen. Die größten Herausforderungen der Online-Stunden sind erhöhte Aufmerksamkeit und Konzentration. 
Nadja Büchler

Wegen des Lockdowns befinden sich derzeit auch wieder die Musikschulen im Distance Learning. Die größte Herausforderung sieht Tina Schmidt, Leiterin der Musikschule Oberes Wiental, darin, permanent auf Abruf flexibel zu sein. Informationen zu Änderungen für die nächste Woche kommen oftmals erst am Freitag. Der Wechsel zwischen Online- und Präsenzunterricht mit Auflagen, macht Lehrern und Familien immer mehr zu schaffen. „Die Eltern unserer Schüler sind diesbezüglich sehr entgegenkommend. Aber die fehlende Planbarkeit zehrt an den Nerven“, berichtet Schmidt. Das Üben vor den Bildschirmen ist nicht immer einfach, aber grundsätzlich funktioniert der Unterricht per Video mit allen Instrumenten gut, einzig der Schlagzeugunterricht gestaltet sich schwieriger.

„Die Eltern unserer Schüler sind diesbezüglich sehr entgegenkommend. Aber die fehlende Planbarkeit zehrt an den Nerven“

Mit besonders fortgeschrittenen Talenten werden Videos zwischen Lehrern und Schüler hin und her geschickt. Bei den jungen Schülern geht es vor allem darum, am Ball zu bleiben und den Kontakt zu pflegen. „Wir versuchen, bei den Online-Stunden, andere Sachen zu machen. Wir verwenden öfter als sonst sogenannte „Playalongs“. „Dabei spielen die Schüler zu einem Musikstück dazu“, erklärt Schmidt. Weil das Vorspielen an den Klassenabenden vermisst wird, wurden die Schüler beim Spielen aufgenommen und ein Video-Klassenabend zusammengeschnitten. Eine unübliche Anzahl an Abmeldungen vom Unterricht aufgrund der Situation konnte Schmidt bisher nicht beobachten.

„Die Lehrer der Musikschule sind sehr bemüht und versuchen das Beste aus der Situation zu machen.“

Die Schwestern Konstanze und Rosalie Tauschl aus Pressbaum besuchen die Musikschule Oberes Wiental und nehmen Unterricht im Akkordeonspielen. Die 20-jährige Konstanze seit zehn und ihre jüngere Schwester, die 9-jährige Rosalie, seit zwei Jahren. „Der Online-Unterricht ist herausfordernder als der Präsenzunterricht. Das macht sich vor allem beim Korrigieren der Spielfehler bemerkbar. Aber auch eine instabile Internetverbindung mit der zeitversetzten Übertragung des Tons erschwert das gemeinsame Üben“, erklärt Konstanze Tauschl. Sie vermisst das gemeinsame Musizieren mit anderen Schülern. Darunter leidet auch ihre Motivation. Der ständige Wechsel zwischen Präsenz- und Online-Stunden stört sie aber nicht: „Die Lehrer der Musikschule sind sehr bemüht und versuchen das Beste aus der Situation zu machen.“

Für Schwester Rosalie ist der Online-Unterricht anstrengend. „Wenn die Internetverbindung schlecht ist, verstehe ich meine Lehrerin nicht,“ erzählt sie.

Schulpräsentation kommt zu kurz

In der Musikschule Wienerwald Mitte funktioniert das Üben vor den Bildschirmen gut, wie Leiterin Katharina Würzl erzählt: „Es ist beeindruckend, wie flexibel sowohl Schüler und Eltern, als auch Lehrer auf die oft sehr kurzfristigen Veränderungen reagieren. Ein wichtiger Baustein ist hier die Unterstützung durch die Eltern, denen wir unseren Dank aussprechen möchten.“ Nach einem Jahr Corona sei die Situation an der Musikschule „erstaunlich gut“, sagt Würzl.

Mit den veränderten Bedingungen werde gut umgegangen und auch die Einhaltung der Vorgaben funktioniere. „Aber freuen wir uns, wenn die Ausnahmesituation irgendwann wieder vorbei ist“, so die Leiterin, die gerne neue Musiktalente aufnehmen würde. Die Zahl der Anmeldungen sei zwar stabil, viele Möglichkeiten, die Schule zu präsentieren, gebe es aber nicht. Ob beispielsweise der Tag der offenen Tür stattfinden kann, ist noch fraglich. „Daher wird es eine digitale Präsentation unserer Schule am Tag der Musikschulen, am 7. Mai, auf unserer Homepage geben mit Fokus auf Kennenlernstunden“, erklärt Würzl. Auftritte fallen weiterhin aus. Den Musikschülern fehle das Spielen vor einem Publikum sehr, jedoch hat man sich auch an der Musikschule Wienerwald Mitte etwas überlegt. „Um hier ein Podium zu bieten, werden virtuelle Klassenabende und Videopräsentationen für Familie und Freunde gemacht“, erzählt die Leiterin.

Nach wie vor motiviert ist jedenfalls Luca Stamenov. Der bald 16-Jährige räumte vor Kurzem mit seinem Kollegen Eduard Wernisch beim Musikwettbewerb „prima la musica“ den 1. Preis ab und nahm erfolgreich beim NÖ Kompositionswettbewerb „young composers“ teil. Drei Mal die Woche wird online per Facetime Klavier geübt. Kompositionsunterricht gibt es einmal wöchentlich. „Ich finde meine Musiklehrerin ziemlich gut. Sie kennt alles und gibt mir auch sehr viele Tipps für das Komponieren“, sagt Stamenov. An das derzeit digitale Lernen hat sich der Musikschüler wieder gewöhnt: „Ich spiele am Klavier vor und sie sagt mir dann, was ich verbessern kann“, schildert der Jung-Musiker.

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