Nahversorgung hat Zukunft: „Alles, was man braucht“. Seit 145 Jahren verkauft das Warenhaus Weiss Alltagsgegenstände, erst seit Mai gibt es in der Grasslerei Lebensmittel.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 27. November 2019 (03:11)
Im Geschäft von Sylvia und Bernhard Weiss gibt es alle Gegenstände, die man im alltäglichen Leben benötigt.
Baumgartner

Sie gewährleisten die Versorgung mit Lebensmitteln und wichtigen Haushaltsgegeständen in der Region – die Nahversorger. Das Warenhaus Weiss in Purkersdorf etwa zählt zu einem bekannten Nahversorger im Bezirk. „Bei uns gibt es eigentlich alle Alltagsgegenstände, die man zum Leben braucht, sei es Schrauben, Geschenkartikel, Gartengeräte oder Glühbirnen“, gibt Sylvia Weiss einen groben Überblick über das Sortiment.

Lediglich Lebensmittel bekommt man in dem Warenhaus keine. Außerdem wechselt ein Teil der Ware je nach Saison, derzeit findet man im Geschäft etwa Weihnachtsdeko. Seit 12 Jahren kann man in dem rund 230 Quadratmeter großen Geschäft auch Hermes Pakete abholen und wegschicken.

Das Warenhaus Weiss gibt es mittlerweile schon seit 145 Jahren, „seitdem hat sich bis auf die Kunden und die Betreiber eigentlich relativ wenig geändert“, lacht Bernhard Weiss.

„In der Grasslerei bieten wir unseren Kunden auch Frühstück und Imbisse an.“ Robert Grass, Betreiber der Grasslerei, über das Angebot.

Die Kunden schätzen vor allem das Persönliche und die Beratung, das ist eigentlich auch das Rezept zum Erfolg. „Wir nehmen uns Zeit für unsere Kunden und plaudern mit ihnen“, erzählt Sylvia Weiss. Das bestätigt auch eine Kundin. „Ich wohne in Purkersdorf, da ist es naheliegend, dass ich hier einkaufen gehe. Außerdem sind alle freundlich und der Service ist auch sehr gut.“ Wenn ein Kunde etwas benötigt, das nicht im Warenhaus verfügbar, wird es prompt bestellt. „Wir sind Teil einer Einkaufsgemeinschaft, da können wir aus rund 50.000 Artikeln bestellen“, erzählen die beiden Betreiber. „Einmal hat ein Kunde zu uns gesagt: ‚Was du im Warenhaus nicht kriegst, brauchst du nicht‘“, erzählt Sylvia Weiss lachend.

Produkte werden auch nach Hause geliefert

Wenn es zudem einmal vorkommen sollte, dass Kunden nicht ins Geschäft kommen können, dann liefern Sylvia und Bernhard Weiss die Produkte auch nach Hause. Ein großer Nachteil für sie ist allerdings die Nähe zu Wien. „Viele fahren nach Wien arbeiten. Dort erledigen sie nach der Arbeit ihre Besorgungen und brauchen nicht mehr zu uns fahren. Wir leben praktisch von unseren Stammkunden.“

Einer, der sich seine Stammkunden erst aufbaut, ist Robert Grass. Seit Mai 2019 betreibt er die Grasslerei in Tullnerbach, wo er ausschließlich Lebensmittel verkauft. „Unsere Produkte sind zu 95 Prozent aus biologischer Herkunft. Wichtig ist mir zudem, regionale und saisonale Produkte anzubieten“, erzählt Grass. Bei ihm bekommt man nicht fertig abgepackte Lebensmittel, sondern je nach Bedarf kann man sich diese auch in kleinen Mengen nehmen. Getreide, Hülsefrüchte aber auch Müsli kann man selbst abfüllen. Das schätzen die Kunden sehr an dem kleinen, feinen Geschäft. „Ich kann selbst meine Dosen mitnehmen und mir nur so viel nehmen, wie ich auch wirklich brauche. Außerdem ist mir Qualität und eine artgerechte Tierhaltung wichtig“, erzählt Kundin Waltraud Straßer. Außerdem gibt Grass seinen Kunden Kochtipps, wenn man nicht weiß, wie man die Produkte verarbeiten kann. „Wenn ich nicht weiß, wie ich ein Produkt verarbeite, gibt mir Herr Grass Tipps für Gerichte“, sagt Straßer.

Aber nicht nur einkaufen kann man in der Grasslerei. „Wir bieten unseren Kunden auch Frühstück und Imbisse an“, verrät der Betreiber. Dabei gibt es allerdings keinen fixen Menüplan, sondern es wird verkocht, was weggehört. „So können wir die Zahl der weggeworfenen Lebensmittel stark reduzieren“, freut sich Grass.

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