Neues Hundegesetz: „Lassen sich abschrecken“. In der Region glaubt man, dass strengere Richtlinien Hundehalter davon abhalten könnte, sich einen Vierbeiner zuzulegen. Die derzeitigen Gesetze seien ausreichend.

Von Markus Huebmer, Birgit Kindler und Melanie Baumgartner. Erstellt am 29. Juli 2020 (03:25)
Der Purkersdorfer Journalist Otmar Lahodynsky mit seinem Hund „Momo“, mit dem er gerne Spaziergänge macht. „Momo“ ist ein Straßenhund aus Ungarn und eine Mischung zwischen Terrier und Entlebucher.
Privat

Nachdem im November des vergangenen Jahres das Hundehaltegesetz in Niederösterreich hinsichtlich Leinen- und Beißkorbpflicht verschärft wurde, möchte Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) die Hundehaltung jetzt weiter reformieren. Es soll künftig ein Beratungsgespräch geben, bevor man sich einen Hund anschafft. Zudem sollte jeder Hundebesitzer eine „Sachkunde“ vorweisen können. Angedacht sei auch die Einführung eines NÖ Hundepasses, in dem alle Untersuchungen und Auffälligkeiten aufgelistet werden sollen.

Gegen eine zu große „Regelungswut für Hundebesitzer“ ist der ehemalige Profil-Journalist Otmar Lahodynsky. „Ich denke, der Hundeführschein für bestimmte Rassen sollte doch reichen“, sagt der Purkersdorfer, selbst Hundebesitzer von „Momo“. Jedes Tierfachgeschäft habe geschulte Leute, die man bei Fragen konsultieren könne und außerdem müsse man mit dem Vierbeiner ohnehin zum Tierarzt, der ebenfalls professionell beraten könne.

„Selbst wenn ein Hundebesitzer noch so liebevoll ist, wenn er das Tier nicht im Griff hat, hat er es nicht im Griff.“ Silvia Thoma-Schwarz, Obfrau Hundeschule ÖGV-Pressbaum

Den EU-Hundepass würde es außerdem schon seit vielen Jahren geben. „Da sind alle Untersuchungen, Impfungen und vieles mehr verzeichnet“, sagt Lahodynsky.

Auch eine Haftpflichtversicherung hält er für kaum sinnvoll. „Die kann man sehr leicht an die bestehende Haushaltsversicherung anschließen. Das habe ich gemacht. Man kommt auf cirka 20 Euro zusätzlich im Jahr“, weiß der Purkersdorfer. Er sieht Waldhäusls Vorschlag „als populistische Forderung eines Landesrates, der offenbar sonst nicht allzu viele Kompetenzen hat“. Für Hundebesitzer würden damit zusätzliche bürokratische Schikanen bevorstehen.

Auch Silvia Thoma-Schwarz, Obfrau der Hundeschule ÖGV-Pressbaum, glaubt, dass es diese mögliche Verordnung sowohl den Leuten als auch den Hunden nicht einfach macht. „Viele Menschen, die dem Hund einen guten Platz bieten würden, lassen sich davon abschrecken“, ist sich Thoma-Schwarz sicher und fügt hinzu: „Es ist schwierig.“

Beratungsgespräche vor der Anschaffung eines Hundes begrüßt sie grundsätzlich. Sie glaubt aber nicht, dass die Gespräche wirklich eine Garantie sind, dass es den Hunden gut geht. „Selbst wenn ein Hundebesitzer noch so liebevoll ist, wenn er das Tier nicht im Griff hat, hat er es nicht im Griff“, so Thoma-Schwarz. Sie wünsche sich zudem, dass es viel mehr Aufklärung über das Verhalten des Hundes gibt. Außerdem müsse viel mehr an der Bindung zum Menschen gearbeitet werden.

Gabriele Wodak, Leiterin eines Gnadenhofes für Tiere im Wienerwald, hat über 30 Jahre mit Rottweilern verbracht. In der Haltung sei in dieser Zeit kein einziger Vorfall passiert, erzählt sie.

Wodak wundert sich, wie das neue Gesetz exekutiert werden solle, denn für eine flächendeckende Kontrolle nach den neuen Paragrafen würde das Personalausmaß der Polizei bei Weitem nicht ausreichen. „Für sie gibt es keine gefährliche Rasse“, sagt Wodak, „es kommt auf das Individuum an, wie es sich verhält.“ Die Tierliebhaberin rät allerdings zum Besuch von Hundeschulen. Der große Vorteil, sei dass nicht nur der Hund lerne, sondern auch das zugehörige Frauchen oder Herrchen mit Umgangsformen fundierter vertraut werden. Ein Hundehalter müsse in der Lage sein, die jeweilige Situation mit dem Hund vorherzusehen und das Verhalten entsprechend anzupassen.

„Es macht schlichtweg keinen Sinn, in einer Zweizimmerwohnung zwei Jagdhunde zu halten“, kommentiert Wodak überspitzt die Sachlage. Man müsse sich die Frage stellen, was denn der eigene Hund brauche. Dies hänge zum Einen von der Rasse ab, aber was vor allem zähle, sei das Tier als Individuum zu respektieren und dementsprechend mit seinem Schützling umzugehen, empfiehlt sie.

„Gute Idee, wenn mehr Wissen vermittelt wird“

Im Wienerwaldtierheim in Pressbaum begrüßt man hingegen diese vorgeschlagene Reform, denn damit ziehe Niederösterreich dem Trend in Ostösterreich nach. „Wir halten es grundsätzlich für eine gute Idee, wenn den Haltern mehr Wissen über Hunde vermittelt wird“, sagt Eva Drescher vom Wienerwaldtierheim. Drescher gibt zu Bedenken, dass das Wissen über das eigene Haustier grundsätzlich zu fördern sei, denn jedes hat seine individuellen Bedürfnisse, ob Hund, Katze oder Hamster. Wenn Niederösterreich etwa mit Oberösterreich und Wien gleichziehe, erleichtere das auch die gegenseitige Anerkennung die Rechtslage betreffend, sagt Drescher.

Zu diskutieren sei auch das Wiener Modell mit der Stadthundeprüfung: Wer diese in Wien ablegt, erspart sich einmal die Hundesteuer. Somit könne man einen zusätzlichen Anreiz für Hundehalter schaffen, die Vorbereitung auf und die Prüfung selbst zu belegen.

Im Wienerwaldtierheim befürchtet man keinen Anstieg bei den abgegebenen Hunden aus der Region, wenn es zu einer Neuregelung kommen sollte.

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