Notärztin Sandra Leeb: „Singen ist ein Teil von mir“. Sandra Leeb, Notärztin in Purkersdorf, ist beseelte Sopranistin. Künftig möchte sie vermehrt Sängerinnen unterstützen.

Von Monika Närr. Erstellt am 29. April 2021 (03:21)
Die strahlende Fünffach-Mama, Sandra Leeb, umrahmt von ihren Töchtern Flora, Sophia und Livia (v. l.).
Privat

Sandra Leeb ist Notärztin in Purkersdorf, ärztliche Verantwortliche für die Wochenend-Teststraße am Steinerhof und hat eine Ordination in Wien, in der sie mit umfangreichem Wissen aus der Komplementärmedizin heilt. Privat liebt sie es, ihre fünf Kinder um sich zu haben und im Rahmen ihrer Familie zu musizieren. Die engagierte Medizinerin hat ein fast abgeschlossenes Gesangstudium, war lange als Sopranistin im Arnold Schoenberg Chor aktiv und möchte künftig auch ihr kombiniertes medizinisches und Gesangs-Wissen Sängerinnen zur Verfügung stellen.

NÖN: Sie haben Medizin und auch Gesang in Wien studiert. Wieso wurden Sie letztlich Ärztin und nicht Sängerin?
Sandra Leeb: Ich war schon am Sprung auf die Bühne. Die Vorsingen waren absolviert. Als ich mit meinem ältesten Kind schwanger wurde, war dann aber klar, dass der berufliche Weg in der Medizin liegt. Bei Ärztekongressen trete ich gelegentlich mit Kollegen im Rahmenprogramm auf, mit Jazz, Wiener Liedern oder Operette.

Was bedeutet Ihnen Singen heute?
Es ist mehr als ein Hobby, es ist ein Teil von mir. Ich war nie krank, weil ich singe. Vibration und Frequenz der eigenen Stimme ist das Heilsamste überhaupt. Die richtige Atemtechnik lehrt uns, uns gleichzeitig mit Himmel und Erde zu verbinden. Man hört den Boden im Klang, wenn eine Person ausgeglichen ist und alles passt.

Sie wollen künftig vermehrt Sängerinnen unterstützen, ihre perfekte Stimmqualität zu erreichen. Was ist Ihre Motivation dabei?
Durch meine eigene sängerische Erfahrung war das immer schon ein Wunsch von mir. Man hört in der Singstimme, wo ein Problem liegt und kann Blockaden erkennen, viele Sängerinnen haben diese im Beckenbereich. Mit der Stimme kann man nichts verbergen. Ich möchte Sängerinnen gerne helfen, ihren Körper in einen optimalen Zustand zu bringen. Dabei hilft mir meine umfangreiche komplementärmedizinische Erfahrung.

In der Familie hat gemeinsames Singen Tradition: Tochter Livia mit Sopranistin Sandra (vorne), Mutter Christine, Schwester Tina, Schwager Martin, Bruder Rainer und Vater Gottfried (hinten, v. l.).
NOEN

Sie haben fünf Kinder…
 …Meine fünf Kinder sind meine Lebensaufgabe. Durch sie lernte ich Gelassenheit. Ich könnte sonst meine sämtlichen Jobs – und hier vor allem den Notarzt-Dienst – nicht so gut ausfüllen, wenn ich sie nicht hätte.

Was waren bei den Einsätzen als Notärztin in Purkersdorf Ihre prägendsten Erlebnisse?
Insgesamt ist Purkersdorf ein Stützpunkt mit sehr guter Atmosphäre und hochqualifizierten Mitarbeitern. Auch zwei Christophorus-Hubschrauber können wir als schnellstes Rettungsmittel jederzeit anfordern für die entlegeneren Einsatzorte. Die herausforderndsten und belastendsten Situationen sind für mich, wenn ich einen toten jungen Menschen vor mir habe. Die schönsten sind Geburten im Rettungsauto, an die erinnert man sich gerne. Spontane Sturzgeburten laufen in der Regel gut ab. Es ist ein erhebender Moment, wenn man der erste Mensch ist, der ein Kind auf der Welt in Empfang nehmen darf.

Und wie erleben Sie die Team-Einsätze in Ihren Dienststellen beim Roten Kreuz und dem Samariterbund?
Wir sind eingespielte Teams, die immer neu zusammenwachsen. Im Vordergrund steht eine tolle Gemeinschaft, Einsätze und Rettung fahren verbinden enorm. Wenn die Patienten merken, dass wir miteinander gut können, dann fassen sie bei der Versorgung auch schnell Vertrauen.

In Ihrer Praxis in Wien liegt Ihr komplementärmedizinischer Schwerpunkt in der Akupunktur des Ohres, der Aurikulomedizin. Sie arbeiten aber auch mit Craniosacral-Therapie, Homöopathie, TCM und Osteopathie sowie westlicher Kräuterheilkunde. Welche Erfolge erzielen Sie damit?
Ich wollte immer Medizin studieren, das war mir schon als Kind klar. Mein Beruf ist meine Berufung. Die wissenschaftsbasierte Ausbildung erklärt aber nicht die ganze Welt. Im Rahmen meiner Cranio-Ausbildung lernte ich etwa, wie Visualisierung und Fokussierung auf den Heilungsprozess einwirken. Das prägte mich sehr.

Die Komplementärmedizinerin vor ihrer Kräuterapotheke. Leeb stellt individuelle Kräutermischungen für medizinische Tees und Wickel mit westlichen Kräutern nach den Regeln von TCM zusammen.
NOEN

Sie haben auch die ärztliche Leitung der Wochenend-Teststraße am Steinerhof über und eine enge, fast familiäre, Bindung zu den Wirtsleuten in der Pfalzau. Wie hat sich diese entwickelt?
Über einen Kollegen vom Roten Kreuz begann mein Sohn Julian nach der Matura dort mit einer Kochlehre, mittlerweile ist er ausgelernt. Ich bin dem ganzen Team dankbar, dass sie ihm eine so schöne Lehrzeit ermöglicht haben. Powerfrau Anita Eckel, die gemeinsam mit Steinerhof-Sohn Alex Neusser die Teststraße führt, betreut mich auch social-media-mäßig, sie hat das schließlich studiert. Und ihre Schwester Carola ist mittlerweile meine Ordinations-Assistentin. Hier sind also verschiedentlich verwobene Familienfreundschaften entstanden.