Nun reden Experten über die U-Bahn-Erweiterung. Gemeinden des Wiener Umlandes begrüßen Initiative des Landes Niederösterreich.

Von Martin Gruber-Dorninger und Marlene Trenker. Erstellt am 08. November 2017 (05:45)
NOEN, Trenker
Stadtrat Viktor Weinzinger und Bürgermeister Karl Schlögl setzen die Bemühungen für eine U-Bahnverlängerung weiter fort.

Seit rund 20 Jahren kämpfen Politiker und Experten dafür, dass die Wiener U-Bahn bis nach Niederösterreich verlängert wird. Diese Bestrebungen erhielten durch das angekündigte Mobilitätspaket von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leiter weiteren Aufschwung. Dies rief nun auch den pensionierten Experten Johann Urban auf den Plan, noch einmal die Ärmel in dieser Sache hochzukrempeln.

„Die Umrüstung ist technisch nicht machbar“

„Das ist finanziell undurchführbar“, „Die Nachbargemeinden Wiens haben zu wenig Fahrgastpotenzial“, „Die Umrüstung ist technisch nicht machbar“ – mit diesen Gründen wurden bisher jegliche Bemühungen vonseiten Niederösterreichs für eine U-Bahnverlängerung abgetan. Das konnte bislang auch eine Projektgruppe, die einst vom Parlamentarier Josef Höchtl gegründet wurde, nicht verhindern.

NOEN, NÖN
Ex-Parlamentarier Josef Höchtl setzte sich schon vor 20 Jahren für eine Verlängerung der U-Bahn ein.

Bekannte Persönlichkeiten, wie der NÖ Verkehrsplaner Friedrich Zibuschka, haben ihre Erfahrungen in diese Projektgruppe eingebracht. Aktuell meldet sich Höchtl wieder mit einem aufmunternden Brief an Verkehrslandesrat Karl Wilfing, um auch weiterhin seine Unterstützung in dieser Causa kundzutun.

„Es wurden Baumaßnahmen an der U-Bahn getätigt, die gar nicht notwendig waren – nur um eine Verlängerung zu verhindern.“ Johann Urban, Mitglied der Projektgruppe

Einer der ebenfalls bei dieser Expertengruppe dabei war ist Johann Urban. Auch er will die mediale Aufmerksamkeit nutzen und noch einmal einen Versuch für eine Verlängerung wagen. Dabei hat er mit der Vergangenheit noch lange nicht abgeschlossen. „Wir haben in diesen Projektgruppen großartige Fortschritte erzielt. Es scheiterte hingegen immer wieder am Willen der Wiener Linien“, verrät Urban gegenüber der NÖN.

So soll Geschäftsführer Günter Steinbauer damals mit dem Argument „die Wiener Linien sollen ein isolierter Betrieb von den ÖBB bleiben“, der Verlängerung der U-Bahn eine abrupte Absage erteilt haben.

NOEN, privat
Johann Urban war einst Experte in einer Projektgruppe zur Verlängerung der U-Bahn nach Niederösterreich.

Bei den Wiener Linien bleibt man hingegen skeptisch: „Wir sind heutzutage in engen Kooperationen mit den ÖBB verbunden, daher kann ich diese Aussage nicht ganz nachvollziehen“, sagt Pressesprecherin Johanna Griesmayr.

Verbindung ans S-Bahn-Netz als Möglichkeit?

Urban geht noch einen Schritt weiter. „Es wurden Baumaßnahmen an der Wiener U-Bahn getätigt, die gar nicht notwendig waren – nur um eine Verlängerung bis nach Niederösterreich zu verhindern“, erzählt Urban. Das Weichensystem wäre, laut Urban, ausgetauscht worden, sodass S-Bahnzüge auf der U-Bahn entgleisen würden. Obendrein wäre das Lichtraumprofil von 4,80 Meter auf 3,90 Meter reduziert und der Abstand der Gleise von 3,80 auf 3,50 Meter verkleinert worden. „Dennoch wäre eine Verbindung des U-Bahn-Netzes mit dem S-Bahn-Netz der ÖBB relativ billig und in kurzer Zeit herzustellen“, gibt Urban die Hoffnung nicht auf.

Das Institut für Transportwirtschaft und Logistik der WU hätte die Kosten für einen Umbau der U4 mit etwa 50 Millionen Euro beziffert. „Als Vorbild könnte man die von Dieter Ludwig geschaffene Karlsruher Stadtbahn heranziehen“, argumentiert Urban.

„Die geringe Siedlungsdichte des Wiener Umlandes bringt kein rentables Fahrgastpotenzial"

Die Wiener Linien stellen die Sinnhaftigkeit einer Verlängerung nach Niederösterreich nach wie vor infrage. „Die geringe Siedlungsdichte des Wiener Umlandes bringt kein rentables Fahrgastpotenzial. Aber es wäre trotzdem möglich – es ist alles eine Frage des Geldes“, so Griesmayr von den Wiener Linien.

In der Zwischenzeit gehen die Bemühungen der Gemeinden des Wiener Umlandes in eine weitere Runde. Gemeindevertreter trafen einander, um Endpunkte möglicher U-Bahnverlängerungen festzulegen. Für Purkersdorf war Stadtrat Viktor Weinzinger vor Ort. Das Land Niederösterreich ergreift nun die Initiative und es folgt eine Trassen- und Angebotsplanung. „Dabei werden konkrete Zahlen und Fakten erstellt“, erklärt Weinzinger. Mitte des nächsten Jahres soll das Konzept fertig sein. „Wenn alle Zahlen und Fakten auf dem Tisch liegen, gibt es eine nächste Besprechung“, so Weinzinger.

Bis jetzt gab es nur Zugeständnisse, eine mögliche U 4-Verlängerung zu verfolgen. Jetzt werden konkrete Pläne erstellt. „Wir haben im Gemeinderat bereits einen Grundsatzbeschluss gefasst. Nun geht wirklich etwas weiter“, ist Weinzinger froh. Grundsätzlich ist es das Ziel den öffentlichen Verkehr attraktiver zu gestalten.

Eine Planungsgemeinschaft Ost (PGO) soll nun eine Prüfung der Machbarkeit durchführen. Dieser sehen auch die Wiener Linien gespannt entgegen. „Da wir die einzigen U-Bahnbetreiber Österreichs sind, haben wir auch als einzige die Expertise. Dennoch sind wir froh, dass eine Studie von dritter Seite erstellt wird“, so Griesmayr von den Wiener Linien.