Polizisten mit einer Pferdestärke. Pferde sollen künftig bei Polizeieinsätzen eingesetzt werden. Die NÖN hat bei einer Pferderechtsexpertin nachgefragt.

Von Lisa-Maria Seidl. Erstellt am 20. Juni 2018 (05:00)
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APA/ Barbara Gindl

Die politischen Pläne zur Einführung einer Polizeireiterstaffel nach dem Vorbild Münchens, lassen aktuell die Wogen hochgehen. Hinter dem Projekt steht allen voran Innenminister Herbert Kickl (FPÖ), der Purkersdorfer ist. Kritik kommt nicht nur von Tierschützern, sondern etwa auch vom Wiener Gemeinderat. Im Frühjahr 2019 soll die Polizeireiterstaffel in der Reitanlage der Theresianischen Militärakademie in Wiener Neustadt ihren Probebetrieb aufnehmen.

Kritik von Wiener Gemeinderat und Tierschützern

Die NÖN hat sich bei der führenden Pferderechtsexpertin Nina Ollinger nach den gesetzlichen Grundlagen des Ansinnens erkundigt. „In rechtlicher Hinsicht ergeben sich beim Einsatz einer berittenen Polizei ähnliche Fragen wie bei sonstigen Polizeieinsätzen, ergänzt um den Faktor des Lebewesens Pferd“, erklärt die Purkersdorfer Rechtsanwältin. Die typische Tiergefahr werde im Rahmen einer Tierhalterhaftung berücksichtigt und sichere den Schadenersatzanspruch eines Verletzten. „Die Pferde werden vor ihrem Einsatz bei der Polizei natürlich ‚desensibilisiert‘, das heißt, sie lernen, in Situationen, in denen sie sonst flüchten würden, gelassen zu reagieren. Dadurch wird das Verletzungsrisiko minimiert“. Ganz auszuschließen sei ein solches Risiko jedoch nie.

„In jeder Situation, wo sie eingesetzt werden können, gibt es Diskussionen über die Gewährleistung der Sicherheit“

Ollinger erinnert daran, dass Pferde neben Polizeieinsätzen, auch in anderen Situationen, wie beim heilpädagogischen Reitunterricht, wertvolle Dienste leisten. „In jeder Situation, wo sie eingesetzt werden können, gibt es Diskussionen über die Gewährleistung der Sicherheit“, meint Ollinger. Es bedürfe dabei erfahrener Personen, die die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen kennen.

Spannend sind die Polizeipferdepläne damit auch für die Absolventen der Landwirtschaftlichen Fachschule Tullnerbach, die mit ihrer professionellen Ausbildung in Sachen „Pferd“, die notwendigen Voraussetzungen mitbringen würden. Wie man hört, ist das Interesse der Schüler an dem Projekt auf jeden Fall gegeben.