Protest gegen die City-Maut: „Nein zur Abzocke“. Region kann Vassilakou-Vorschlag nur wenig abgewinnen. Einhellig aber die Meinung, dass Öffi-Verkehr ausgebaut werden muss.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 06. Juni 2018 (05:20)
NOEN, shutterstock/Daniel Heighton
Seit 2003 gibt es in London eine Maut für die Innenstadt. Sollte dies in Wien auch kommen?

Ja, es ist schon wahr. Die Bundesstraßen in der Region sind in den Stoßzeiten heillos überfüllt und auch die A1 ist meist an der Grenze der Belastbarkeit angelangt. Wiens Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) machte nun einen Vorschlag, wonach die Stadtgrenze mit Auto nur nach Entrichtung einer City-Maut möglich sein soll. Doch lässt sich dieses Problem tatsächlich damit lösen? Die NÖN fragte in der Lokalpolitik der Region nach.

APA
Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou will Individualverkehr eindämmen

London hat eine, Stockholm hat eine und Rom hat auch eine Variante davon. Wieso also sollte es in Wien nicht auch eine City-Maut geben? Diesen Vorschlag unterbreitete nun Maria Vassilakou der Öffentlichkeit, die sich auf unterschiedliche Art und Weise daran abarbeitete.

„Die City-Maut-Vorschläge, wie sie derzeit sind, würden dem Shopping am Wochenende und nach den Stoßzeiten, nicht im Wege stehen.“ Aus dem Büro Vassilakou

Wie die Maut im Detail ausschauen könnte, ist noch nicht bekannt. In den Stoßzeiten des Einpendelverkehrs nach Wien soll diese wirksam sein. „Es ist nur ein Vorschlag, der jetzt am Tisch liegt. Wir warten auf andere Vorschläge aus dem Land NÖ oder den anderen Parteien in Wien.

Wenn es Richtung City-Maut gehen sollte, dann wird eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben und dann an der Umsetzung gearbeitet“, heißt es aus dem Büro von Maria Vassilakou, nach Anfrage der NÖN. Dass dadurch ein ungehinderter Einkauf, beispielsweise im Auhofcenter möglich sei, daran zweifelt man im Büro der Vizebürgermeisterin nicht: „Diese Befürchtung teilen wir nicht, weil die City-Maut-Vorschläge, wie sie derzeit sind, Shopping am Wochenende und nach den Stoßzeiten nicht im Wege stehen.“

City-Maut als "zweischneidiges Schwert"

Für Wolfsgrabens Gemeinderätin Kerstin Schneiderbauer ist das Thema ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist sie dann selbst als Einpendlerin direkt betroffen, aber auf der anderen Seite „ist das eine gute Gelegenheit, unsere Forderung nach einem Öffi-Ticket um 365 Euro pro Jahr noch einmal aufzugreifen. Und selbstverständlich der verbesserte Ausbau des öffentlichen Verkehrs.“

Purkersdorfs Verkehrsstadträtin Christiane Maringer (Liste Baum und Grüne) schlägt in eine ähnliche Kerbe. Sie fordert ein 100-Euro-Ticket und den Ausbau des öffentlichen Verkehrs. „Um die vielfach belastende Situation durch den motorisierten Individualverkehr zu entspannen, braucht es radikale Schritte“, so Maringer. Bisher gäbe es an vereinzelten Stellen positive Maßnahmen, die aber kein Konzept für einen Vorrang für den öffentlichen Verkehr erkennen lassen.

Öffentlicher Verkehr wichtiger als City-Maut

Den Ausbau des öffentlichen Verkehrs, sieht Purkersdorfs Bürgermeister Karl Schlögl als die weitaus bessere Variante gegenüber einer City-Maut. „Ein Halbstundentakt auf der Bahn und zusätzlich die Verlängerung der U-Bahn. Je attraktiver die Öffis werden, desto mehr steigen ein“, so Schlögl. Bei der City-Maut kann er nur den Kopf schütteln. „Man stelle sich vor, das macht dann jede Stadt. Wenn der Wiener durch Purkersdorf will, soll er dann auch zahlen?“, fragt der Bürgermeister.

Noch deutlicher erfolgte die Reaktion des ÖAAB Mauerbach. „Das ist ein Anschlag auf alle Mauerbacher Pendler. Nicht mit uns“, äußert sich Obfrau Martina Reitermayer klar. Neben der Parkraumbewirtschaftung und „U-Bahn-Steuer“ wäre dies der nächste Versuch, in die Taschen der Mauerbacher zu greifen, um das Wiener Öffi-Netz zu finanzieren. „Die Einführung der City-Maut ist ein populistischer Schnellschuss, den wir so klar ablehnen. Wir fordern ein echtes Miteinander, um die Herausforderungen rund um Wien zu lösen“, so Reitermayer.

"City-Maut ist ein Anschlag auf alle Mauerbacher Pendler"

Ähnlich sieht das auch ÖVP-Purkersdorf-Chef Andreas Kirnberger: „Dieses Beispiel zeigt, dass sich die Grünen mittlerweile schon sehr weit weg von den Menschen bewegt haben. Wir in Purkersdorf forcieren ganz klar den öffentlichen Verkehr.“ Jene, die auf ihr Auto angewiesen seien oder einfach auch gerne mit dem Auto fahren würden, dürften, laut Kirnberger, nicht bestraft und wie die Melkkuh der Nation behandelt werden.

Wien habe weit mehr als 70 Millionen Euro Mehreinnahmen alleine aus der Ausweitung der Kurzparkzonen als Körberlgeld für das Stadtbudget lukriert, „und das nur auf Kosten der Autofahrer. Gleichzeitig gab es keine Gegenmaßnahmen, wie beispielsweise den Ausbau von Wiener Park&Ride Anlagen“, kritisiert Purkersdorfs Mobilitätsbeauftragter, Florian Liehr. „Der Vorschlag einer weiteren Verschärfung ist polemisch und entspricht nicht der Lebensrealität der Pendler“, erklärt Liehr weiter.

Umfrage beendet

  • Ist eine City-Maut für Wien sinnvoll?