Radfahren in der Region boomt. Region Purkersdorf : Aufgrund der Coronakrise erlebt das Fahrrad derzeit einen Aufschwung. Nicht nur E-Bikes, auch normale Räder sind wieder mehr gefragt.

Von Markus Huebmer, Nadja Büchler und Melanie Baumgartner. Erstellt am 24. Juni 2020 (04:02)
Helmut Tschellnig ist im Zuge der „Tour de Herz“ gemeinsam mit Andreas Pitsch von Passau in den Wienerwald gefahren.
Pitsch

Die Coronakrise hat nicht nur einige Veränderungen mit sich gebracht. Es hat auch den Anschein, dass sie zu einem Umdenken hinsichtlich der Klimakrise geführt hat. Viele Menschen sind in der Zeit des Lockdowns wieder auf den Geschmack gekommen und aufs Fahrrad gestiegen.

Das hat auch Franz Reitmeier, Inhaber des Geschäfts „Bike Franz“ mitbekommen. „Es gab eigentlich immer wieder Reparaturen. Einen gewissen Boom hat man schon gemerkt. Es sind schon Leute gekommen, die ihr 20 Jahre altes Rad aus dem Keller geholt haben und zu mir gekommen sind, weil sie ein Service gebraucht haben“, erzählt er. Ihm selbst ist ein Mehr an Radfahrern aber auch aufgefallen. „Ich bin selbst sehr viel mit dem Rad unterwegs. Da habe ich schon bemerkt, dass mehr Radfahrer als sonst unterwegs sind“, so Reitmeier.

Auch beim Verkauf von Fahrrädern hat sich etwas verändert. „Letztes Jahr zur gleichen Zeit hatten wir einen Rücklauf bei normalen Fahrrädern. Da kauften die Leute mehr E-Bikes. Heuer sind sie wieder auf den Geschmack von normalen Rädern gekommen. Da wurde jetzt wieder mehr gekauft. Das Service bei beiden war jetzt sowieso stark gefragt“, sagt Reitmeier.

Optimale Bedingungen für Radfahrer schaffen

Dem Trend folgend bemüht man sich in der Region, bei Fahrradrouten optimale Bedingungen zu schaffen. Durch die Gemeinde Wolfsgraben etwa führt ein Radweg, der aber optimiert werden soll. „Diese Route führt vom Wienerwaldsee bis zur Liesinger Straße. Unser aktuelles Vorhaben ist eine Verlängerung bis zur Wehrer Straße und dem Kindergarten“, sagt Bürgermeisterin Claudia Bock. Die Ortschefin blickt für dieses Projekt in Richtung Bund und rechnet mit einer fünfzigprozentigen finanziellen Unterstützung für diese Radwegverlängerung aus dem Topf der Corona-Gemeindemilliarde. Noch nicht aufgegeben hat Bock außerdem den Radweg-Lückenschluss in Richtung Laab/Walde, der eine direkte Anbindung der Gemeinde Wolfsgraben an Breitenfurth und den bestehenden Radweg nach Liesing bringen würde. „Während des damaligen Baus der B13 stand diese Erweiterung zwar schon im Gespräch, war jedoch zum damaligen Zeitpunkt aus kommunalen Mitteln nicht finanzierbar.“

Der Orts-Chefin ist bewusst, dass vor allem das überregionale Radwegenetz einer Forcierung bedarf. Bock sieht die Wienerwald-Region allerdings auf einem guten Weg. In seiner nächsten Sitzung soll der Gemeinderat eine Machbarkeitsstudie für einen neuen Radweg ins Heimbautal beschließen.

Für eine bessere Infrastruktur für Radfahrer, seien es Wege oder Abstellplätze, setzt sich die Radlobby Purkersdorf ein. „Wir wollen Radfahren in Purkersdorf attraktiver machen und die Entscheidungsträger davon überzeugen“, erklärt Philipp Eisingerich. Auch er hat einen Boom beim Fahrradfahren aufgrund wahrgenommen. „Die Coronakrise hat das Verhalten, insbesondere das Mobilitätsverhalten der Menschen, geändert. Der Verkehr ist weitgehend zum Erliegen gekommen, die Straßen waren praktisch leer und die Leute sind aufs Rad umgestiegen“, so Eisingerich. Einer, der davor auch schon viel mit dem Fahrrad unterwegs war, ist der Purkersdorfer Helmut Tschellnig. Erst kürzlich ist er gemeinsam mit dem Tullnerbacher Andreas Pitsch im Zuge der „Tour de Herz“ von Passau in den Wienerwald geradelt (die NÖN berichteten).

„Sehe eigentlich immer alles“

Am Radfahren schätzt er den Kontakt zur Natur. „Ich sehe eigentlich immer alles. Ich bin viel langsamer als mit dem Auto unterwegs, und wenn ich etwas genauer sehen möchte, bleibe ich einfach stehen. Und Parkplatz muss ich auch keinen suchen“, schmunzelt Tschellnig. Dass man jederzeit anhalten kann, schätzt auch Pitsch am Radfahren. „Die Fahrt mit dem Rad zur Arbeit wird zum Erlebnis, man kann jederzeit stehen bleiben und Kaffee trinken gehen oder tratschen“, erzählt er.

Auch Bezirkshauptmann Josef Kronister steigt in seiner Freizeit gerne aufs Rad um. „Anders als fast alle anderen, bin ich in den letzten Wochen und Monaten leider nicht dazu gekommen, mehr mit dem Rad zu fahren. Ich werde aber versuchen wieder aufzuholen. Generell denke ich aber schon, dass der Trend stark nach oben zeigt und viele die Liebe zum Radfahren entdeckt haben“, sagt Kronister, der selbst seit Jahren begeisterter Rennradfahrer ist.

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