Unklarheiten bremsen Fahrschulen aus. Region Purkersdorf: Leo und Ingrid Nemec sowie Stephan Rathmanner wollen klare Strukturen. Froh ist man, dass wieder Lenkprüfungen stattfinden.

Von Kristina Veraszto. Erstellt am 03. Februar 2021 (04:15)
Im Lehrsaal der Fahrschule Leo in Purkersdorf: Leo und Ingrid Nemec freuen sich, wenn bald wieder Theoriekurse stattfinden können.
Kristina Veraszto

Die Telefone der Fahrschule Leo in Purkersdorf sind in den vergangenen Monaten so heiß gelaufen wie noch nie: Denn mit dem zweiten harten Lockdown, der Mitte November in Kraft getreten ist, gestaltete sich auch der Betrieb in den Fahrschulen alles andere als gewohnt. Bis dato dürfen zum Beispiel keine Theoriegruppenkurse durchgeführt werden. Beliebte Intensivkurse in den Weihnachtsferien, aber auch jetzt in den Semesterferien, fielen dadurch aus.

„Es geht um das Sozialverhalten im Kurs, dass die Leute miteinander diskutieren. Da entsteht eine Dynamik, die im Verkehr so wichtig ist"

Die Folge: Es gibt einen enormen Rückstau, wie Leo und Ingrid Nemec im NÖN-Gespräch erzählen: Rund 150 Fahrschüler warten derzeit auf einen Theoriekurs. Besonders bitter ist die Lage für L 17-Anwärter. Denn diese müssen zuerst den theoretischen Teil der Ausbildung und einen Großteil der praktischen Fahrstunden absolvieren, bevor sie die 3.000 Kilometer-Fahrpraxis mit ihren L 17-Tafeln sammeln dürfen. Da Fahrstunden erlaubt sind, können diese durchgeführt werden, weiter kommen die L 17-Fahrer in ihrer Ausbildung aber nicht, wenn ihnen das theoretische Wissen fehlt.

„Wir haben geschaut, dass wir alle Fahrschüler, die schon angemeldet sind, soweit bringen, wie es nur geht“, sagt Leo Nemec, der aber nicht versteht, warum Theoriekurse bisher nicht mit einer reduzierten Teilnehmeranzahl und mit FFP2-Masken-Pflicht stattfinden hätten können. Der Lehrsaal mit rund 120 Quadratmetern sei groß genug.

„Es geht um das Sozialverhalten im Kurs, dass die Leute miteinander diskutieren. Da entsteht eine Dynamik, die im Verkehr so wichtig ist. Die Verkehrszeichen können die Fahrschüler auch zuhause lernen“, sagt der Fahrschulbesitzer.

Eine ähnliche Meinung teilt auch Stephan Rathmanner, Inhaber der Fahrschule Pressbaum: „Ich glaube, dass es in keiner Weise etwas Schlechtes ist, wenn es ,menschelt‘. Wenn ich ein Vortragender im Kurs bin, nehme ich alle wahr. Ich sehe es an der Gestik und Mimik, ob jemand mitmacht, es versteht, oder auch nicht. Diese Art der Kommunikation, dass es ,menschelt‘ und das gemeinsame Erarbeiten von Verkehrssituationen möchte ich mir nicht nehmen lassen.“

„Es wird Flexibilität gefordert und die werden wir für unsere Kunden erfüllen.“ Stephan Rathmanner

Die theoretische Prüfung am Computer darf, wie Rathmanner erklärt, nur im „Einzelsetting“ durchgeführt werden. Das heißt, der Prüfling sitzt alleine mit einem Aufsichtsorgan der Behörde im Raum und beantwortet die Fragen. Auch hier sind sich die Fahrschulbesitzer einig, dass man mit entsprechenden Maßnahmen die Anzahl der zu Prüfenden aufstocken könnte. „Wir haben ausreichend Desinfektionsmittel. Die Kunden sitzen in einem abgetrennten Bereich, der Lehrsaal ist groß genug, dass mehr als eine Person sicher die Prüfung absolvieren kann“, sagt Rathmanner.

Rückstau auch durch Einzelprüfungen

In der Fahrschule Leo in Purkersdorf können mit den Einschränkungen statt 40 oder 50 theoretischen Prüfungen, nur acht durchgeführt werden. Die Nemecs müssen aber auch unterschiedliche Richtlinien in den Bezirken bewältigen. „Wir haben zum Beispiel von der Bezirkshauptmannschaft St. Pölten für Purkersdorf die Information bekommen, dass wir wieder theoretische Prüfungen machen dürfen, in unserem Betrieb in Klosterneuburg macht die Bezirkshauptmannschaft Tulln aber keine Prüfungen“, erzählt Ingrid Nemec.

Woran es vor allem fehlt, sei eine klare Struktur. Das ständige Auf und Ab sowie die permanenten Änderungen stellen die Fahrschulen immer wieder vor eine organisatorische Herausforderung. Dies sei bereits am Beginn des Lockdowns der Fall gewesen, wie Ingrid und Leo Nemec berichten: „Du kriegst vom Ministerium keine klaren Antworten. Wir erfahren am Freitag um sechs am Abend, dass wir am Montag wieder Fahrstunden fahren können oder auch nicht. Jetzt sind die Kunden voll eingeteilt und du kannst am Wochenende anrufen und sagen, es geht oder auch nicht.“

Wir erfahren am Freitag um sechs am Abend, dass wir am Montag wieder Fahrstunden fahren können oder auch nicht

Auch Rathmanner hat für die Vorgehensweise der Regierung kein Verständnis: „Es kann nicht sein, dass man eine Pressekonferenz macht, zum wiederholten Mal an einem Freitag oder an einem Samstag und sagt, es gibt jetzt einen Lockdown oder eine Öffnung und es weiß keiner, nicht einmal die zuständigen Behörden, wie das umgesetzt wird.“

Eine kurzfristige Änderung gab es bei der Durchführung der Lenkerprüfungen. Diese waren bis zur vergangenen Woche nicht erlaubt. Seit Dienstag und Mittwoch können an den Fahrschulen in Pressbaum und Purkersdorf wieder praktische Prüfungen absolviert werden. Das sei besonders für die Fahrschüler wichtig, denen nur der Abschluss fehle. „Der Kunde, der mit allem schon fertig ist und nur mehr die Prüfung braucht, wenn der zwei Monate nicht gefahren ist, muss er natürlichnoch einmal eine Fahrstunde nehmen. Der wäre schon am Ziel gewesen“, erzählt Ingrid Nemec über die Hürden, die ihre Kunden zu bewältigen hatten.

Inhaber hoffen auf Theoriekurse

Gehofft wird, dass bald auch wieder Theoriekurse stattfinden können. Sowohl in Purkersdorf als auch in Pressbaum will man für die Kunden ausreichend Termine anbieten, wenn es notwendig ist, auch zwei oder drei Mal am Tag. „Wenn wir starten dürfen, werden wir natürlich alles erdenklich Mögliche machen und einen Vormittags- und dann auch einen Abend-Kompaktkurs anbieten. Es wird Flexibilität gefordert, und die werden wir für unsere Kunden erfüllen“, sagt Rathmanner.