Purkersdorf

Erstellt am 05. Dezember 2018, 03:01

von Daniel Lohninger, Christian Eplinger und Martin Gruber-Dorninger

Urlaub online buchen: Der Anruf ist die Ausnahme. Zwei von drei Gästen reservieren im Internet. Aber nicht jedes Hotel ist auf booking.com und Co. zu finden.

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Der Weihnachtsurlaub naht. Etwa 65 Prozent buchen ihn online, zeigt eine Umfrage in Bayern. In Österreich, darüber sind sich die Touristiker einig, ist das Verhältnis praktisch ident. Die meisten Online-Buchungen laufen dabei über die großen Plattformen wie booking.com, hotels.com oder expedia.at. Ein wesentlich geringerer Anteil bucht über die Website des Betriebes oder des Tourismusverbandes, telefonische Buchungen sind die Ausnahme.

„Betriebe, die nicht auf diesen Plattformen zu finden sind, werden Gäste verlieren“

Genau das ist in Niederösterreich die Herausforderung für die Tourismusbetriebe: Viele, vor allem kleinere Betriebe, sind auf den großen Plattformen nicht zu finden. „Die häufigsten Gründe dafür sind, dass die Anbieter kein Vertrauen in die Online-Vertriebspartner, Probleme im Umgang mit der Datenpflege oder auch Angst vor dem unbekannten Gast haben“, weiß Andreas Purt, Geschäftsführer der Tourismus-Destination Mostviertel. Die Herausforderung sei es, diese Schwellenängste abzubauen. Gelingt das nicht, drohen diesen Betrieben auf Sicht massive Probleme.

„Betriebe, die nicht auf diesen Plattformen zu finden sind, werden Gäste verlieren“, ist Purt überzeugt. Das Mostviertel baut deshalb als erste Destination ein umfangreiches Vertriebsnetzwerk und Channel-Management auf, das Onlinebuchungen bei allen Betrieben ermöglichen soll.

NOEN

Generell gilt laut der zuständigen Landesrätin Petra Bohuslav: Größere Betriebe nutzen Online-Plattformen eher als kleine. Bohuslav gab deshalb als Ziel aus, so viele Betriebe wie möglich auf Online-Buchungsportale zu bringen. Aus diesem Grund arbeiten Niederösterreich-Werbung und Tourismusdestinationen mit dem Online-Buchungssystem „TOMAS“ zusammen. Die Kunden nutzen dieses Angebot von Jahr zu Jahr häufiger: Die Zahl der Zugriffe stieg im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 4,3 Millionen. Für Betriebe, die ein Online-Buchungssystem implementieren wollen, gibt es seit einigen Monaten zudem sogenannte Tourismus-4.0-Betriebscoaches. Sie beraten, unterstützen und schulen Betriebe bei der Digitalisierung der Buchungssysteme.

Wie viele Hotels und Pensionen in Niederösterreich nicht online gebucht werden können, lässt sich derzeit seriös nicht sagen. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Was es gibt, sind Rankings der Plattformen selbst. Und hier spielen die Bewertungen der Kunden zunehmend eine immer wichtiger werdende Rolle.

Digitalisierung macht vor Tourismus nicht Halt

In der Tourismusregion Wienerwald sieht Tourismus-Geschäftsführer Christoph Vielhaber die online Buchbarkeit in den letzten Jahren am Vormarsch. „Auch für Klein- und Mittelbetriebe ist dies überaus wichtig geworden“, so Vielhaber. Nahezu alle potenziellen Gäste würden die Information für ihren Urlaub im Internet recherchieren und möchten auch – unabhängig von Öffnungs- und Servicezeiten – online buchen. „Für den Wienerwald, der mit 1,5 Millionen Nächtigungen an zweiter Stelle der Tourismusdestinationen in Niederösterreich liegt, ist dieses Thema von besonderer Bedeutung“, sagt Vielhaber.

Wienerwald Tourismus stellt allen Partnerbetrieben daher das Programm „TOMAS“ zur Verfügung, mit dem über die Website des Partnerbetriebes oder über die Website von Wienerwald Tourismus online Buchungen möglich sind. „Diese Serviceleistung ist für Partner von Wienerwald Tourismus kostenlos“, so Vielhaber.

Um allen Betrieben auch eine entsprechende Beratung zum Thema „Digitalisierung“ und online-Buchungen bieten zu können, wurde mit Unterstützung des Landes Niederösterreich der Tourismus 4.0-Coach initiiert.

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