Zweiter Lockdown: „Kauft im Ort, nicht im Internet“. Zweiter Lockdown trifft Handel und das Weihnachtsgeschäft voll. Unternehmer aus der Region Purkersdorf vermelden aber auch positive Nachrichten.

Von Nadja Büchler, Kristina Veraszto und Melanie Baumgartner. Erstellt am 25. November 2020 (04:11)
Robert Grass ist Müllvermeidung beim Einkaufen sehr wichtig. In seinem Geschäft gibt es unter anderem zahlreiche Schütten für das Abfüllen von Lebensmitteln in Gläser oder Papiersackerln.
Nadja Büchler

Seit knapp über einer Woche befindet sich das Land in einem zweiten harten Lockdown. Zahlreiche Geschäfte mussten ihre Türen schließen. Öffnen dürfen sie aus heutiger Sicht vermutlich erst wieder am 7. Dezember.

Die NÖN hat sich bei den Unternehmern in der Region umgehört, wie es ihnen im zweiten Lockdown geht.

„Die Anspannung und die Angst vor Waren-Engpässen sind nicht mehr zu spüren.“ Unternehmer Robert Grass

Susanne Autherid, die in Gablitz ihre Wohlfühloase „Suzan’s Place“ betreibt, profitiert während des zweiten Lockdowns von ihrer über 20-jährigen Erfahrung als mobile Frisörin. Rund zehn Haushalte schafft sie an einem Tag abzufahren. Die Einhaltung aller Hygienevorschriften und das Tragen einer FFP2-Maske ist für sie dabei selbstverständlich.

Ihr Geschäft hält sie währenddessen gemäß Corona-Maßnahmen geschlossen. Dass es innerhalb der Friseurbranche Diskussionen gibt, ob es fair ist, dass mobile Friseure weiterarbeiten dürfen, versteht Autherid nicht. Das Schlupfloch in der Verordnung müsste von ihren Kollegen einfach genutzt werden. „Es könnte jeder Salonbesitzer ins Auto steigen und einen Teil seiner Kunden abfahren“, sagt Autherid.

Die Frisörin ist froh darüber, dass sie auf ihre Erfahrung zurückgreifen kann, denn der erste Lockdown traf sie schwer. Sieben Wochen war Autherid zuhause. Die Kosten für ihren Salon auf der Hauptstraße konnte sie nicht mehr tragen. Deshalb verlegte die Frisörin ihren Standort in die Hochbuchstaße 6. „Die Kosten waren ein Wahnsinn. Würde ich jetzt noch immer an der Hauptstraße sein, würde es mich nicht mehr geben“, sagt Autherid und betont einmal mehr: „Danke, dass ich mobil unterwegs sein darf.“

Kleine Geschäfte sollten sonntags öffnen

Gerade jetzt, wo das Weihnachtsgeschäft beginnt, kommen die Schließungen zum schlechtesten Zeitpunkt. Das verlorene Geschäft aufzuholen, sei mehr als schwierig, meint auch Juwelierin Getraud Gindl aus Purkersdorf: „Ich kann es mir nicht vorstellen.“

Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer forderte für die Zeit nach dem Lockdown das Aufsperren für den Handel auch am Sonntag. Gindl könnte sich vorstellen zu öffnen. Allerdings mache es keinen Sinn, wenn alle Kunden wieder die Einkaufszentren stürmen. „Es wäre gut, wenn man den kleinen Geschäften die Chance gibt, etwas gut machen zu können“, sagt Gindl, die hofft, dass sich die Menschen mit dem Kauf von Weihnachtsgeschenken noch zurückhalten und nicht online bestellen. „Das ist die größere Katastrophe, als dass wir zu haben. Kauft im Ort und nicht im Internet“, appelliert die Juwelierin. Bei ihr können Gutscheine oder Wertsteine erworben werden.

Auch Christine Gstöttner vom Warenhaus Gstöttner in Gablitz sieht die mögliche Sonntagsöffnung positiv. „Ich finde, das ist – auf freiwilliger Basis – eine super Idee, denn diejenigen, die wirklich Mode, Geschenke verkaufen, werden davon profitieren“, so Gstöttner.

Ein klassisches Weihnachtsgeschäft entgeht dem Warenhaus zum Glück nicht, alle fehlenden Umsätze einzuholen, sei aber auch nicht möglich: „Wir sind ein Nahversorger mit Papierwaren und Dingen des täglichen Gebrauchs. Bei uns gibt es kein klassisches Weihnachtsgeschäft. Am Postschalter haben wir dafür um ein Vielfaches mehr zu tun. Das schafft zwar nicht wirklich einen finanziellen Ausgleich, ist aber okay. Einen Teil werden wir aufholen.“

Robert Grass, der in Tullnerbach seine „Grasslerei“ führt, bemerkt bei seinen Kunden ein entspannteres Verhalten: „Im Unterschied zum ersten Lockdown erkennt man bei unseren Kunden den mittlerweile routinierten Umgang mit der Situation. Die Anspannung und die Angst vor Waren-Engpässen sind nicht mehr zu spüren.“ Gegessen werden kann in der „Grasslerei“ derzeit aber nicht. „Unser Frühstücksangebot und den Mittagstisch mussten wir vorübergehend einstellen. Daher ergeben sich an der Kassa mitunter Gespräche, die sonst gerne bei Tisch geführt werden“, sagt Grass. Wie beim ersten Lockdown bietet der Unternehmer einen Liefer- und Abholservice an. „Wir haben keine Einschränkung bei unserem Warenangebot und auch diesmal wieder ein Lieferservice für die Risikogruppe. Ebenso bieten wir die Möglichkeit an, den Einkauf vorzubestellen und abzuholen. Beide Varianten wurden im ersten Lockdown viel öfter genutzt. Es wird Zuhause wieder mehr gekocht und gebacken. Das merken wir am Verkauf von Mehl und Germ“, erzählt Grass.

Weniger Terminabsagen als im Frühjahr

Petra Walk ist Physiotherapeutin mit Praxen in Purkersdorf, Pressbaum und Wien. Verglichen mit dem ersten Lockdown sieht sie hinsichtlich Terminabsagen eine deutliche Verbesserung. „Im Vergleich zum Frühjahr sagen jetzt viel weniger ihre Termine ab. Das sind eine Handvoll älterer Menschen, die Angst haben. Sie haben ihre Termine aber nicht komplett abgesagt, sondern auf Dezember verschoben“, erzählt Walk.

In der Autobranche sind die Werkstätten geöffnet. „Wir haben bereits vor dem Lockdown eine gute Kundenauslastung terminisiert gehabt, und diese wird nun wahrgenommen. Wir danken unseren Kunden für ihre Treue. Eine geringe Zurückhaltung ist jedoch spürbar“, sagt Martina Puhm, Geschäftsführerin vom Autohaus Josef Mann in Pressbaum.

Den Handel lässt das Autohaus geschlossen. Für Verkaufsgespräche stehe man jederzeit zur Verfügung. „Für alle Kunden bieten wir diverse Kommunikationswege an. Je nach Kundenwunsch senden wir auch Videos zu einem gewünschten Fahrzeug zu, sozusagen ein individuelles Angebotsvideo“, erklärt Puhm. Den Umsatzverlust könne man aber nicht ganz wettmachen: „Durch den nochmaligen Lockdown ist ein Aufholen de facto nicht mehr möglich. Trotz allem möchten wir mit einem positiven Blick in die Zukunft sehen und freuen uns weiterhin, unsere Kunden bestmöglich zu betreuen“, sagt Puhm.