Tom Niesner: Bass und Tontechnik sind seine Berufung. Tom Niesner aus Rekawinkel wurde vom Autodidakten zum begnadeten Bassisten und Produzenten. Nebenbei macht er eine eigene Radiosendung.

Von Nadja Büchler. Erstellt am 26. Juni 2020 (03:08)
Tom Niesner in seinem Tonstudio. Hier werden unter anderem die Radiosendungen „Die blaue Stunde“ aufgezeichnet. Niesner und Gunkl plaudern dabei mit einem Gast und dessen Musikauswahl für die Sendung.
Nadja Büchler

Aufgewachsen ist Tom Niesner in Bad Vöslau. Musik macht er seit seinem 14. Lebensjahr und spielte bereits ein halbes Jahr später in seiner ersten Band. Viele Jobs hat er ausprobiert und sogar ein BWL Studium letztlich aus Mangel an Interesse an den Nagel gehängt. Lange hat er versucht, gewisse Erwartungen, die nicht die seinen waren, zu erfüllen, bis er zuletzt den ersten Schritt in die Selbständigkeit als WEB-Designer wagte. 2011 legte er seinen Gewerbeschein zurück und seit diesem Zeitpunkt fokussiert er alle Energie auf seine Berufung.

NÖN: Wie hat Ihr musikalischer Weg begonnen?
Tom Niesner: In Bad Vöslau gab es das Lokal „Die gute Stube“, das von dem Schauspieler, Kabarettisten und Sänger Karl-Maria Kinsky betrieben wurde. Das war ein kleines Beisl mit einer Raumhöhe, die heute nicht mehr erlaubt wäre. Vor allem war es mein zweites Wohnzimmer. Viele Musiker aus Baden und Umgebung, Bad Vöslau und auch aus Wien sind gerne gekommen, und fast jede Woche gab es mehrere Konzerte und Sessions. Die etablierten Musiker haben auch gemeinsam mit uns, dem Nachwuchs, gespielt. Sie waren sich nicht zu schade dafür, und ich konnte mir viel von ihnen abschauen. Das war eine wirklich tolle Zeit. Die erste bekanntere Band in der ich gespielt habe, hieß “Schweine im Weltall“. Das war eine Band mit großer Bühnenshow, ähnlich der Band „Drahdiwaberl“ rund um Stefan Weber.

Sie haben sich als Musikschaffender breit aufgestellt. In welchen Bereichen arbeiten Sie?
Ich bin einerseits fixes Mitglied in diversen Bands und arbeite als Studiomusiker oder als Live-Bassist. Der Bereich Tontechnik hat mich schon immer sehr interessiert und mein Knowhow und meine Erfahrung wuchs mit all den Jahren. Mittlerweile ist es eigentlich zu meinem zweiten Standbein geworden. Ich arbeite in der Branche unter anderem mit Gerhard Gutscher von der Pressbaumer Firma „Vienna Sound - Vienna Light“ zusammen und übernehme gerne diverse Jobs, wie unter anderem im Wiener Rathaus. In Pressbaum sind bereits seit einigen Jahren die Sitzungen der Duckhüttler Gilde ein Fixtermin. Nebenbei bin ich immer wieder im Bereich Produktion tätig.

Sie haben ein eigenes Tonstudio?
Ja, das Tonstudio läuft im Rahmen meines Musiker-Daseins. Ich benutze es für Projekte, bei denen ich musikalisch involviert bin und für unsere Radiosendungen. Ich, beziehungsweise wir, können im Prinzip alle Anforderungen übernehmen, zumindest organisieren und haben stets Spezialisten für alle Fälle parat. Mit einem ganz lieben Freund, Franz Alexander Langer, ist das gemeinsame Arbeiten eine wahre Freude.

Sie sind Autodidakt, sowohl als Bassist als auch in der Tontechnik. Macht das Probleme?
 Nein. Ich habe mich immer sehr viel mit der Thematik beschäftigt und viel ausprobiert. Wenn man kein Gefühl für Musik oder Sound hat, nützt einem die beste Ausbildung nichts. Ich schaue mir neben interessanten Fachbüchern und Artikeln immer wieder Online-Tutorials von internationalen „Cracks“ und erfolgreichen Produzenten an. Da kann man unheimlich viel mitnehmen und lernen. Ein paar davon darf ich auch schon zu meinem Bekanntenkreis zählen, was die Sache natürlich noch wertvoller macht. Klar, das eigene Experimentieren ist unumgänglich und wichtig, denn nur so kann man Dinge haptisch und akustisch erfahren, weiterentwickeln, oder auch wieder verwerfen.

Ich habe mich immer sehr viel mit der Thematik beschäftigt und viel ausprobiert 

An welchen Projekten arbeiten Sie momentan?
Zur Zeit arbeite ich intensiv mit Axel Wolph. Sein Name ist vor allem der FM4-Gemeinde ein Begriff. Er hat bereits etliche top bewertete internationale Soloalben veröffentlicht. Axel Wolph ist zuständig für das Sounddesign von ORF III und ist der musikalische Zulieferer für „Licht ins Dunkel“. Er produziert und komponiert ebenfalls die jährliche offizielle Single.
Zu seiner neuen Produktion „Muttersprache“ wurde ich Anfang März eingeladen und bin seit der Abgabe des ersten Bass-Track fix dabei. Erstmals bedient sich Axel der deutschen Sprache und hat diese lieben gelernt und schreibt wirklich sehr starke und und unter die Haut gehende Titel. Die bisherige Zusammenarbeit erfolgte aufgrund des Corona-Shutdowns ohne persönlichen Kontakt. Trotzdem ein tolles Arbeiten, das durch moderne Technik und Internet heutzutage sehr leicht fällt.
Mit Sven Sorring, einem sehr umtriebigen und talentierten Schauspieler und Sänger aus Oberösterreich, arbeite ich aktuell an vielen Songs. Er sprudelt nur so vor Energie, und ich schätze ihn sehr. Auch hier dürfen wir in absehbarer Zeit mit aufsehenerregenden Veröffentlichungen und Videos rechnen. Er hat auch einen Song für die Charity-CD „Voices for Syria“ gespendet – seither sind wir eigentlich nicht mehr voneinander zu trennen.

Worum ging es bei dem Projekt Voices for Syria?
Die Idee dazu hatte Andreas Hodac. Er organisierte 2016 Konzerte zugunsten der unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge aus dem Nahen Osten. Das eingespielte Geld wurde für den Wiederaufbau von Schulen und Lerneinrichtungen verwendet. Hodac organisierte das „Rundherum“, und ich nahm 2017 16 Songs mit verschiedenen Interpreten und Bands auf. Die Gemeinde Pressbaum hat uns dankenswerterweise mit einer finanziellen Spende unterstützt und dafür 100 von den 1.000 produzierten CDs erhalten. Das war eine große Hilfe für uns, dieses Projekt ohne große Nebenkosten zu produzieren.

Es gab ein weiteres Projekt gemeinsam mit dem Pressbaumer Musiker Franz Alexander Langer. Welches?
Das war 2019 die Produktion des Songs „A leiwandes Land“, eine Initiative für eine menschlichere Flüchtlingspolitik und gegen Hass und Hetze, befeuert von der niemals müde werdenden Brigitte Holzinger aus Kremsmünster, die unlängst auch dafür den „Ute-Bock-Preis“ erhalten hat. Viele Künstler haben mitgemacht. Es waren unter andere Pizzera & Jaus, Reinhard Nowak, Gunkl, Claus & Rainer Spechtl, Georg Breinschmid und Cornelius Obonya dabei.

Sie haben bereits mit sehr vielen Musikern zusammengearbeitet. Können Sie uns einige Beispiele nennen?
 Viele Jahre war ich mit Peter Duke auf Konzerten unterwegs, ein Sänger mit einer großartigen Stimme. Für Patricia Hill spiele ich Bass, sie ist eine Wiener Sängerin mit großem Potenzial. Vor ein paar Jahren gab es eine intensive Zusammenarbeit mit Harald Fendrich, den Bruder von Rainhard, für den ich live Bass spielte und zusammen die Produktion „Wienereien mit Schlag“ gemacht habe. Dann gibt es da die Austro Band „Echt Super“ oder die Funk Formation „From L.A.“, oder „Fezzntandler“ unter dem bekannten Mastermind Marty PI. Alle Projekte sind auf Youtube zu finden.

Ich bin in einer bunten Medienlandschaft mit Walter Richard Langer, Moderator und Gestalter von Radio- und Fernsehsendungen, aufgewachsen

Mit Melinda Stoika und Bella Wagner arbeiten Sie auch?
Mit Bella Wagner habe ich gemeinsam mit Goldfish Records 2016 den Song „Weapons Down“ produziert, mit dem sie bei der österreichischen Vorausscheidung für den Song Contest angetreten ist und als Top-Favoritin gehandelt wurde. Leider hat sie dann nach dem Publikums-Voting nur Platz zwei belegt. Eine eindrucksvolle Stimme und ein tolles Auftreten zeichnen sie aus. Wir nahmen auch ein Lied, Putting out fire, von David Bowie auf. Dazu bekamen wir noch zu Lebzeiten seine Erlaubnis und positives Feedback auf unsere Version. Für das Video bin ich mit Bella zweieinhalb Tage im Swimmingpool gestanden und wir haben unter Wasser gedreht. Dafür musste ich mir Säcke mit Steinen umhängen, damit das Filmen überhaupt möglich war. Es ist ein tolles Video geworden.
Mit Melinda Stoika spiele ich vor allem live, und mit ihrem Vater, Tibor Barkoczy, habe ich einige CDs mit Jazz- und Loungemusik eingespielt.

Sie machen gemeinsam mit Gunkl alias Günther Paal die Radiosendung „Die blaue Stunde“. Was gibt es da zu hören?
Ich bin in einer bunten Medienlandschaft mit Walter Richard Langer, Moderator und Gestalter von Radio- und Fernsehsendungen, aufgewachsen. Er ist schuld, dass es „die Blaue Stunde“ gibt. Ich war für die Technik einer Radiosendung verantwortlich. Am Weg zur Sendung bekam ich einen Anruf mit der Info, dass die Moderatoren aus diversen Gründen kurzfristig verhindert seien und ich doch die Sendung übernehmen soll. Zuerst bin ich in leichte Panik verfallen, da es auch keinen Sendungsinhalt gab. Ich überlegte, welche CDs ich im Auto hatte und vorspielen könnte. Dazu ist mir Walter Richard Langer eingefallen. Er spielte in seiner Sendung Musik und hat etwas dazu erzählt. Das nahm ich als Vorbild und machte die Sendung. Ein paar Wochen später traf ich zufällig Günther Paal, alias Gunkl, im Nebenstudio. Er war in Vorbereitung zu einem Interview und gerade dabei, die Musik auszuwählen. Ich fand seine Auswahl großartig, habe ihn kurzerhand angesprochen und gefragt, ob er nicht Lust hätte, gemeinsam mit mir eine Radiosendung zum Thema Musik zu machen. Er hat sofort zugesagt. Das war 2002, seitdem machen wir einmal im Monat eine Sendung, die wir bei mir im Studio aufzeichnen und haben meistens einen Gast dabei. Der Gast muss Musiker, zumindest aber musikaffin sein und sucht die Musik für die Sendung aus. Es darf alles gespielt und gesprochen werden. Der Gast hat freie Musikauswahl – die einzige Bedingung ist, dass er begründet, warum er genau diese Lieder ausgewählt hat.