Viktor Weinzinger: Mit Leib und Seele bei Feuerwehr. Viktor Weinzinger zieht sich nach 25 Jahren als Kommandant der FF Purkersdorf zurück. 18 Jahre war er Abschnittskommandant.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 30. Dezember 2020 (03:59)
25 Jahre war Weinzinger Kommandant der FF Purkersdorf, 18 Jahre Kommandant des gleichnamigen Abschnitts. Mit einem weinenden und lachenden Auge zieht er sich aus dem Kommando zurück.
Baumgartner

Im Jänner wird bei den Feuerwehren in der Region Purkersdorf neu gewählt. Dabei wird es einige Änderungen geben. Sowohl im Kommando der FF Purkersdorf, als auch im Abschnittsfeuerwehrkommando wird es zumindest einen Wechsel geben: Viktor Weinzinger wird nicht mehr als Kommandant antreten. Er war 25 Jahre Kommandant der FF Purkersdorf und 18 Jahre Kommandant des Abschnitts Purkersdorf. Die NÖN traf ihn zum Gespräch.

NÖN: Wie geht es Ihnen damit, nach so vielen Jahren als Kommandant aufzuhören?
Viktor Weinzinger: Ich höre mit einem lachenden und einem weinenden Auge als Kommandant auf. Das lachende Auge ist, dass ich sicher mehr Freizeit habe. Das lachende Auge ist auch, dass ich sagen kann, ich muss nicht immer alle Veranstaltungen, die ich als Kommandant beziehungsweise Abschnittskommandant wahrnehmen musste, in Zukunft wahrnehmen muss. Das waren um die 30 bis 40 Termine. Es ist ja nicht so, dass ich das Feuerwehrhaus nicht mehr betrete. Ich bin Feuerwehrmann mit Leib und Seele – das seit 1977 und werde das auch weiterhin bleiben. Das weinende Auge ist natürlich, wenn man sieht, was in den letzten 25 Jahren entstanden ist. Da hängt schon ein bisschen Herzblut daran. Was schwieriger sein wird, ist, dass ich mich dann im Einsatz zurücknehmen muss, wenn ich es selbst vielleicht anders gemacht hätte. Ich komme außerdem in den Genuss, nach 25 Jahren in einem Fahrzeug wieder hinten sitzen zu dürfen.

Ich höre mit einem lachenden und einem weinenden Auge als Kommandant auf.

Was war der ausschlaggebende Grund, nicht mehr als Kommandant anzutreten?
Dass ich nach einer bestimmten Zeit aufhören werde, war für mich schon vor bestimmt fünf bis sechs Jahren klar. 25 Jahre ist eine glückliche Zeit, meine beiden Vorgänger sind beide im 60. Lebensjahr verstorben und deshalb höre ich im 59. auf. Die nachrückende Generation hat vielleicht schon andere Ansichten und andere Wege. Ich bin stolz auf das, was hier gemeinsam mit meiner Mannschaft geschaffen wurde. Es wäre schade, dass es dann vielleicht wegen fünf weiterer Jahre nicht mehr so gut funktioniert.

Was waren die prägendsten Erlebnisse der letzten 25 Jahre als Kommandant?
Die prägendsten Erlebnisse waren natürlich zweimal Zugsunglück in Purkersdorf Anfang der 2000er Jahre. Natürlich auch gröbere Brände und andere Sachen. Ich habe ein paar Feuerwehrhaus-Neubauten mit Diskussionen der Bevölkerung und Politik begleiten dürfen. Die am heißesten diskutierten waren damals Tullnerbach und das Feuerwehrhaus in Steinbach, wo vor der Wahl noch der Spatenstich erfolgte und nachher ist das Ganze wieder eingeschlafen.

Ich werde aus dem Kommando komplett zurücktreten und „normaler“ Feuerwehrmann bleiben.

Welche kuriosen Einsätze sind Ihnen noch in Erinnerung?
Es hat auch lustige Einsätze gegeben. Einer davon war ein Bombenfund in einem Garten. Die zuständige Feuerwehr hat neben der Polizei auch das Abschnittsfeuerwehrkommando informiert. Ich bin dort hinaufgekommen und habe mir das angeschaut. Ich habe mir allerdings gedacht, dass das nicht nach einer Bombe aussieht, auch nicht wie ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Ich habe dann meinen Mut zusammengefasst und das Ganze aus dem Erdreich gezogen. Im Endeffekt war es ein wunderschönes Emaille-Gefäß, wo der Henkel herausgeschaut hat. Es ist natürlich alles abgeblasen worden.

Wie geht es jetzt weiter?
Ich werde aus dem Kommando komplett zurücktreten und „normaler“ Feuerwehrmann bleiben. Ich bin dann ganz normal in einer Dienstgruppe eingeteilt. Ich gehe auch davon aus, dass ich meinen Ehrendienstgrad bekomme.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?
Diese kameradschaftliche Zusammenarbeit mit den anderen Feuerwehren und Feuerwehrmitgliedern und allen Funktionären, die im Feuerwehrverband sind, die auch mir entgegengebracht wurde. Eine Kameradschaft, die in manchen Bereichen auch zu einer sehr schönen Freundschaft geworden ist – mehr kann man nicht wünschen. Wenn ich weiß, dass die Kameradschaft und der Betrieb intern passen, dann ist es ein leichtes Arbeiten.