Neues Schulkonzept: „Wollen für das Leben vorbereiten“. Als individuelles Leitbild hat die Privat-Mittelschule Sacré Coeur in Pressbaum eine Entwicklungsspirale kreiert.

Von Monika Närr. Erstellt am 25. April 2021 (04:53)
Direktorin Nina Neswadba (rechts ) und Lehrerin Tanja Kainrad (links) im Außenbereich des lichtdurchfluteten Neubaus der PMS, in dem nun schon seit eineinhalb Jahren unterrichtet wird.
Monika Närr, Monika Närr

In der katholischen Privat-Mittelschule des Sacré Coeur stehen Beziehungspädagogik und Persönlichkeitsentwicklung der Schüler im Vordergrund. Wie dies auch in Zeiten von eingeschränktem Präsenzunterricht möglich ist, erzählen Direktorin Nina Neswadba und Lehrerin Tanja Kainrad im Gespräch mit der NÖN.

NÖN: In Ihrer Schule wird nach dem Prinzip der Beziehungspädagogik unterrichtet. Was kann man sich darunter vorstellen?

Nina Neswadba: Es geht nicht nur um Vermittlung von Fachkompetenz, wir wollen in der PMS auch für`s Leben vorbereiten. Als Privatschule der Erzdiözese Wien legen wir den Fokus auf Wertigkeiten und Persönlichkeitsbildung, das ist unsere größte Stärke. Wir fördern das Menschsein.

Tanja Kainrad: Wir gestalten Motivation auf vielfältige Art und Weise. Dabei läuft viel über Beziehungen. Auch im Online-Unterricht sind dadurch alle da und machen mit.

Wie ist der wiederholte Umstieg auf Home Schooling an Ihrer Schule generell gelaufen?

Neswadba: Für junge Menschen ist es oftmals eine große Überwindung, in einem Online-Chat zu reden. Wir ermuntern sie, und auch die Eltern, sich zu melden, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Die Beziehungsebene muss aber vorher aufgebaut sein. Das war mit den ersten Klassen zu Schulbeginn glücklicherweise auch heuer möglich.

Kainrad: Wir haben mit den ersten Klassen vorsorglich gleich von Anfang an mit Office und Teams gearbeitet, damit sie sich auskennen. Wir waren schon im September im Computerraum. Und unsere Schüler dürfen auch Fehler machen, deswegen müssen sie nicht gleich schlechte Schüler sein.

Für junge Menschen ist es oftmals eine große Überwindung, in einem Online-Chat zu reden

Ein Unterrichtstag im Distance Learning, wie läuft der nun konkret ab?

Neswadba: Wir unterrichten nach Stundenplan, aber nicht sechs Stunden durchgehend. Wir geben den Kindern beispielsweise auch stille Arbeitsaufträge und holen sie dann nach 20 Minuten wieder herein. Über Chat sind wir aber immer da für alle.

Kainrad: Zusätzlich bieten wir auch Förderunterricht. Zur Auswahl stehen Deutsch, Englisch und Mathematik, ich durfte das Lehrerteam dafür organisieren. Bei Kindern, die intensivere Betreuung brauchen und wo es die Eltern mittragen, setzen wir den Fokus auf Inklusion.

Was bedeutet der Fernunterricht für die Lehrenden?

Neswadba: Durch das Online-Arbeiten schauen wir in die Wohnzimmer der Kinder und sie in unsere. Auch die Eltern hören mit. Für unseren Beruf ist mehr Wertschätzung entstanden, da die Eltern erleben, wie wir sind und nicht nur erfahren, was die Schüler erzählen.

Kainrad: Die Eltern haben jetzt auch mehr Einblick, wie ihre Kinder arbeiten. Und wir sind erreichbar, schreiben oft auch abends zurück. Die Kinder brauchen die Sicherheit, dass ihre Lehrer da sind für sie.

Manche Viertklässler sorgen sich, ob sie den Übertritt in die nächste Schule schaffen. Wie nehmen Sie diesen die Angst?

Neswadba: Die Lösung liegt für uns darin, mehr in Kleingruppen zu investieren. Auch wir bekommen jetzt von der Volksschule Abgänger, die den Stoff nicht völlig intus haben.

Kainrad: Wir tun uns als Schultyp leicht, wir sind gut aufgestellt. Wir können die Kinder in Teams fordern und fördern.

Die Lösung liegt für uns darin, mehr in Kleingruppen zu investieren.

Sie haben eine Entwicklungsspirale kreiert, die den Bildungszugang Ihrer Schule veranschaulicht. Wie kam es dazu?

Neswadba: Diese wurde in Zusammenarbeit mit den Nonnen des Wiener Sacré Coeur gestaltet. Als katholische Schule geht es uns darum, den inneren Kern eines Kindes zum Leuchten zu bringen. Es soll sich zeigen und seine ganze Größe entfalten können. Wir als Pädagogen graben Talente aus, motivieren die Schüler zu Selbstreflexion und Selbsteinschätzung.

Kainrad: In der Regel lernt man, weil man seine Lehrer mag. Ich lernte selbst durch meine Lehrer, was Beziehungsarbeit ist, und kann das hier leben und weitergeben.

Ihre Schule wird von 270 Schülern besucht, die insgesamt zwölf Klassen füllen. Je drei Klassen bilden einen übergreifenden Cluster…

Neswadba: …in dem die Schüler kooperieren. Wir haben auch Klassen-, Cluster- und Draußen-Pausen, das fördert die Zusammenarbeit und bietet den Schülern Abwechslung. Wir legen auch großen Wert auf Projektarbeit. Wir nehmen etwa gerade die Epoche des Barock durch, da entwerfen die Kinder in Bildnerischer Erziehung Barockröcke aus Papier.

Kainrad: In Sport und zwischendurch haben wir beispielsweise auch die Jerusalema Challenge getanzt. Alle Klassen haben mitgemacht. Trotz Distanz ist viel Gemeinsamkeit entstanden, die Kinder hatten Freude und das gab auch mir viel zurück.

Frau Neswadba, Sie sind jetzt seit einem Jahr Direktorin, aber bereits das elfte Jahr an dieser Schule. Wie war dieses spezielle Jahr für Sie persönlich?

Neswadba: Ich wurde sehr positiv aufgenommen von den Eltern. Im Team kann ich meine innovative Persönlichkeit gut einbringen. Und ich bin glücklich für jedes Kind, das glücklich ist.