Unfällen mit Zweiradfahrern: „Bitte sichtbar machen“. Samariterbund Purkersdorf: Sanitäter werden derzeit vermehrt zu Unfällen mit Zweiradfahrern gerufen. Zusätzliche Herausforderungen bilden veränderte Einsatztaktiken wegen der Corona-Pandemie.

Von Melanie Baumgartner. Erstellt am 06. Mai 2021 (03:00)
Obmann Christian Hiel, Stützpunktleiter-Stellvertreter Harald Illibauer und Stützpunktleiter Roland Zwingraf (v. l.) sind für die Bevölkerung im Einsatz.
Melanie Baumgartner, Melanie Baumgartner

Die warmen Temperaturen locken die Menschen wieder vermehrt ins Freie. Sei es zum Spazierengehen, Radfahren oder Motorradfahren. Damit verbunden sind oft auch Unfälle, die unter anderem die Rettungskräfte des Samariterbunds Purkersdorf auf den Plan rufen. „Wir merken schon, dass die Zahl der Verkehrsunfälle mit Fahrrad- beziehungsweise Motorradfahrern jetzt wetterbedingt zunimmt. Vor allem Wochenenden sind da prädestiniert“, erzählt Roland Zwingraf, Stützpunktleiter des Samariterbunds Purkersdorf. Ein Grund dafür ist aber auch der Boom beim Radfahren, der sich in den letzten Jahren entwickelt hat.

Eine große Problematik sieht der Stützpunktleiter zudem in der Kleidung der Zweiradfahrer. „Ein Großteil der Fahrradfahrer ist dunkel gekleidet. Diese werden – vor allem in der Dämmerung – sehr schlecht von anderen Verkehrsteilnehmern wahrgenommen“, schildert Zwingraf. Christian Hiel, Obmann des Samariterbunds Purkersdorf, ergänzt: „Beim sehr sportlichen Fahrer fehlt es dann oft an Reflektoren und Beleuchtung. Die Sichtbarkeit ist da ein großes Thema.“ Hier bittet Hiel alle Radfahrer, sich mittels Beleuchtung und gegebenenfalls Warnwesten sichtbar zu machen.

Bei vielen Motorradfahrern bemerkt Zwingraf die winterbedingte Pause. „Da ist es sicher empfehlenswert, ein professionelles Fahrtraining zu besuchen“, meint der Stützpunktleiter und setzt fort: „Vor allem zu Saisonbeginn liegt überall noch der Schotter aus dem Winter, der gefährlich werden könnte.“

Aufwand ist größer geworden

Zusätzliche Herausforderungen bilden derzeit zudem die Maßnahmen rund um die Corona-Pandemie. „Obwohl es in den letzten zwölf Monaten weniger Krankentransporte gegeben hat, ist der Aufwand trotzdem größer geworden, vor allem auch mit den Testungen und Impfungen“, erklärt der Stützpunktleiter.

Zudem musste auch die Einsatztaktik angepasst werden. „Im Normaldienst sind die Rettungssanitäter mit Maske, Brille und Handschuhen unterwegs, beim Covid-Positiven kommt noch der Vollanzug dazu“, erklärt Hiel. In der Alarmierung werden die Einsatzkräfte bereits über den Verdacht einer Covid-Infektion informiert. „Wenn wir schon im Vorfeld einen hochgradigen Verdacht oder einen bestätigt Positiven haben, dann ändern wir unsere Einsatztaktik“, erklärt Zwingraf. Anstatt der gesamten Mannschaft, die normalerweise aus zwei bis drei Rettungssanitätern besteht, geht zunächst lediglich einer zum Patienten. „Bestätigt sich der Verdacht einer Covid-Infektion, bleibt der Sanitäter allein beim Patienten und versorgt ihn, sofern es medizinisch vertretbar ist. Dann muss man schauen, wie die Transportmöglichkeit weitergeht“, schildert der Stützpunktleiter den Ablauf.

Auch das Rettungsfahrzeug muss für solch einen Einsatz angepasst werden. „Alles, was nicht unbedingt im Patientenraum sein muss, kommt nach vorne in den Fahrerraum. Und wenn wir fertig sind, muss das Fahrzeug einer Desinfektion unterzogen werden“, erklärt Hiel. Für rund 30 Minuten ist das Einsatzfahrzeug anschließend nicht einsatzbereit.

Generell hat sich der strukturelle Ablauf komplett geändert. „Geht es einem Covid-Patienten sehr schlecht, muss sich das Team vorher entsprechend adjustieren und kommt erst dann zum Patienten“, sagt Zwingraf.

Covid hat den Rettungsdienst verändert, dennoch steht eines fest: Die Patienten werden jederzeit bestmöglich versorgt.