Mauerbach

Update am 03. Juli 2018, 16:40

von Martin Gruber-Dorninger

DNA-Test: Wolf war in Mauerbach. Ergebnis beweist die Präsenz. ARGE Wolf warnt: „Hunde bei Waldspaziergang an die Leine.“

Der Wolf vor den Toren Wiens.  |  APA (AFP)

Ein Mauerbacherin, die einen Bauernhof ganz in der Nähe des Schlossparks betreibt, unter anderem mit Schafen und Ponys, machte Mitte Juni einen recht grausigen Fund. Eines ihrer Schafe wurde gerissen, ein weiteres musste eingeschläfert werden, und ein weiteres dürfte aufgrund des Schocks verendet sein.

„Die Weide war mit einem Elektrozaun gesichert“, erzählt die Besitzerin der Schafe Claudia Radbauer gegenüber dem Kurier.
Die Überreste des getöteten Schafes wurden nun veterinärmedizinisch untersucht. Zunächst wurde von der Attacke durch einen Hund ausgegangen, der über den Zaun gesprungen ist und die Schafe gerissen hat. Die Ergebnisse eines DNA-Tests beweisen aber, dass dies ein Wolf war.

"Kein Grund zur Beunruhigung"

ürgermeister Peter Buchner: „Ja, die Wogen gehen derzeit in Mauerbach natürlich hoch. Es besteht aber kein Grund dazu, der Wolf ist sicher schon weitergezogen. Dennoch empfehle ich die Hunde an die Leine zu nehmen und auch die Katzen eher im Haus zu behalten. Ich hoffe die Wogen werden sich in den nächsten tagen wieder glätten.“

Bezirkshauptmann Josef Kronister beruhigt ebenfalls: „Der Vorfall liegt ein halbes Monat zurück und es besteht kein Grund zur Panik.“

Dem schließt sich auch Mauerbachs Amtsleiter Peter Mayer an: „Vorsichtig zu sein ist immer ratsam. Aber es besteht kein Grund zur Beunruhigung.“

"Wölfe greifen gerne Hunde an"

Daniel Heindl von der Landwirtschaftskammer und ARGE Wolf empfiehlt dennoch: „Der Wienerwald ist ein riesiges und beliebtes Ausflugs- und Wandergebiet. Es sollten dort in nächster Zeit Hunde ausschließlich an der Leine geführt werden. Wölfe greifen gerne Hunde an.“

Woher der Wolf gekommen ist, ist ebenfalls bereits nachvollziehbar. Georg Rauer ist Wolfsbeauftragter auf der VETMED Uni in Wien: „Laut der DNA-Probe, die wir nehmen konnten, gehört der Wolf zu einer Population, die aus den Westalpen stammt.“

Bei dem Tier handelt es sich um einen Einzelgänger: „Er ist auf der Suche nach einem Revier und sucht sich die führ ihn einfachste Nahrung. Das sind eben Haustiere“, erklärt Heindl.

"Der Wolf kann mittlerweile überall vorkommen"

Wie verhält man sich richtig, wenn man einem Wolf gegenüber steht? Heindl empfiehlt sich kurz bemerkbar zu machen und sich dann langsam und ruhig zurückzuziehen. „Keine Selfies machen oder dem Wolf nachgehen. Schon gar nicht versuchen das Tier anzulocken oder Futter anzubieten. Der Mensch kommt für den Wolf nicht als Beute in Frage. Deshalb kurz zeigen, dass man da ist und danach langsam weg“, so Heindl.

In Niederösterreich häufen sich die Sichtungen und die Aufnahmen mit Fotofallen. „Der Wolf kann mittlerweile überall vorkommen. Er beschränkt sich nicht nur auf Gebiete in Nationalparks. Wie das Mauerbacher Beispiel zeigt, nähern sie sich auch Stadtgebieten an“, fährt Heindl fort.

Zwischenfällen mit Menschen habe es aber bisher noch nicht gegeben. „In Polen und Isreal sind Fälle bekannt. Dort haben die Menschen die Wölfe aber auch angefüttert und so angelockt“, beschwichtigt Heindl.

Schultes: Schutz von Menschen, Weide- und Haustieren oberstes Gebot

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich (LK NÖ), Hermann Schultes, hat in einer Aussendung am Dienstag rechtliche Möglichkeiten bis hin zum Abschuss gefordert: "Wenn der Wolf bis Mauerbach gekommen ist, dann haben wir ihn in den Siedlungen", sagte Schultes. Für ihn sei der Schutz von Menschen, Weide- und Haustieren oberstes Gebot. Im Vordergrund müsse die Regulierung des Wolfsbestandes stehen.

"Wölfe müssen beschossen werden, wir müssen sie so erziehen, damit sie scheu werden, nur wenn sie scheu sind, werden sie die Menschen und ihre Siedlungen meiden", meinte Schultes. Die NÖ Landwirtschaftskammer forderte von der EU, dass der Schutzstatus der Wölfe geändert wird und Österreich nationale Handlungsmöglichkeiten zugelassen werden.

Die Grüne Landessprecherin Helga Krismer hatte sich zuletzt klar für den Artenschutz ausgesprochen, verbunden mit Schutzmaßnahmen für Nutztierherden und Abgeltungen für geschädigte Bauern. Der WWF hatte ein fünf Punkte umfassendes Aktionsprogramm für ein möglichst konfliktfreies Miteinander von Wolf und Mensch präsentiert - u.a. mit Herdenschutzmaßnahmen sowie Monitoring. Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) war Mitte Juni für die Einrichtung eines "Österreichzentrums" zum Wolfsmanagement eingetreten.