Gandalf: Die Sprache der Musik. Musiker Gandalf ist ein Klangzauberer, der Sonntag in seine Seelenlandschaft entführt.

Von Monika Närr. Erstellt am 09. Oktober 2019 (03:50)
zVg
Wenn der Vater mit dem Sohne: Gandalf liebt es, mit seinem Sohn Christian Strobl gemeinsam auf der Bühne zu stehen.

PRESSBAUM Heinz Strobl alias Gandalf ist ein musikalischer Poet. Meist ohne Worte erzählt er in fein strukturierten, auf Klavier oder Gitarre basierenden Kompositionen Geschichten, die seiner Seelenwelt entspringen. Die Sprache seiner Musik ist international und bescherte ihm im Laufe einer nunmehr fast vier Jahrzehnte währenden Karriere Anerkennung weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus. Klassik inspiriert ihn beim Komponieren ebenso wie die ethnische Musik anderer Kulturen.

NÖN: Was ist das Wichtigste für Ihren Erfolg als Musiker?
Gandalf: In meinem Beruf sind Herz und Seele das Wichtigste. Man spürt, ob jemand seinen Beruf als Berufung sieht. Ursprünglich war ich Servicetechniker am Flughafen Wien, hatte mit Funk, Radar und Navigation zu tun. Mit 14 hatte ich begonnen, Gitarre zu spielen. Mein großes Vorbild war Egon Gröger, der hatte damals schon eine Band, mit der er im Pfarrsaal spielte. Wir blieben befreundet, auch über unsere Kinder. Jetzt, nach 50 Jahren, stand ich mit Egon wieder gemeinsam auf der Bühne, beim Woodstock Festival in der Villa Kunterbunt.

Sie sind Autodidakt und seit 1983 hauptberuflich Musiker. Wie hat Ihr Weg dorthin ausgesehen?
Ich habe mir erst Gitarre, zehn Jahre später, mit 24, Klavier selbst beigebracht. Bis ich es wirklich konnte, war zu meinem Talent, das mir eine hohe Motivation und inneren Antrieb gab, aber auch viel Fleiß notwendig. Ich hatte schon sehr jung eine Familie. Mit Mitte 20 bekam ich dann mein eigenes Studio. Es entsprach mir mehr, meine eigene Musik zu entdecken und zu erforschen.

Wie kam es dazu, dass Sie eine eigene Musikrichtung entwickelten?
Meine Musik passte nirgendwo rein, in den USA kam ich dann in die Schublade des „New Age“, das war der Trend in den 80ern. Dort veröffentlichte ich zuerst, denn in Österreich gab es für meine Musik noch keine Sender. Ich spielte insgesamt mehr auf ausländischen Bühnen als in Österreich. In Holland war das Publikum besonders offen. Ich bewegte mich zwischen Brasilien-Tournee, Solo- und philharmonischen Konzerten, auch im Wiener Konzerthaus. Um Genre-Klischees habe ich mich nie gekümmert. Meine Musik kam immer aus meinen Visionen. Aber Marketing braucht einen Stempel. Und schließlich begann mich auch Ö3 zu spielen, und ich nahm auch an Austro Rock Festivals teil.

Ihre Musik wird in Amerika nach wie vor regelmäßig auf vielen Radiostationen gespielt…
 …ja, ich überlebte die New Age-Welle gut. Heute ist das mehr zu „Spa- und Wellness - Musik“ abgeflacht. Es freut mich, dass ich seit 40 Jahren von der Musik lebe und es mir gelungen ist, mich nie an kommerzielle Ströme anzupassen. Das Aufkommen der E-Musik, der atmosphärische Klang, das Keybord haben weitere Entwicklungen ermöglicht. Speziell in den letzten zehn Jahren steht weitgehend die akustische Musik im Vordergrund. Ich begann, anders zu komponieren.

Es freut mich, dass ich seit 40 Jahren von der Musik lebe und es mir gelungen ist, mich nie an kommerzielle Ströme anzupassen

Wie ist es für Sie, in der Pressbaumer Villa Kunterbunt oder in Schloss Thalheim aufzutreten?
Das sind Heimspiele. Und es ist nie so wichtig, wie viele Menschen zuhören, sondern immer wichtig, wie ich sie erreichen und berühren kann. Wenn du nur einen einzigen erreichst, hat es Sinn.

Sie sind der Vereinsmeierei und waren ihrem Gründer Wilfried sehr verbunden. Wie hatte sich diese Freundschaft ergeben?
Uns verband eine langjährige Beziehung. Eigentlich kamen wir über unsere Musikersöhne Hanibal und Christian in Kontakt, die damals gemeinsam in die Schule gingen. Und wir standen als stolze Väter beisammen, wenn unsere Söhne bei Bandwettberben spielten. Es ist toll, wie viel Kultur Wilfried in unseren Ort gebracht hat. Erst beim Seewirt, dann mit der Gründung der Vereinsmeierei, der ich seit der ersten Stunde angehöre. Wilfried brachte die Leute zusammen.

Sie werden der Klangzauberer genannt und sind auch äußerlich dem gutmütigen Zauberer Gandalf aus Herr der Ringe nicht unähnlich…
 Ich bin im Hippie-Zeitalter aufgewachsen, und lange Haare waren immer schon ein Ausdruck von Freiheit. Ich konnte nicht ahnen, wie das auf mein späteres Leben Einfluss nimmt und passt. Ich bin sehr dankbar und mir sehr bewusst, welche Fähigkeit mir geschenkt wurde und dass ich das machen darf, was ich kann. Wilfried sagte einmal zu mir, dass man auf der Bühne die größere Wirklichkeit spürt. Das kommt plötzlich, dann ist man ganz im Jetzt, absorbiert von der Musik und mitten in ihr drinnen.

Was ist Ihre versteckte künstlerische Seite?
In den letzten Jahren bin ich auch als Autor tätig. Schreiben ist ein Hobby von mir, vor zehn Jahren habe ich meine Autobiographie verfasst und als Essay herausgebracht. In „Erdenklang und Sternentanz“ ist mein Lebenskonzept zu lesen. Es gibt auch ein Musikwerk dazu, das ich zum 30-jährigen Bühnenjubiläum mit Philharmonikern aufgenommen habe. 2014 veröffentlichte ich dann noch einen Roman, „Die Seelenharfe“. Darin geht es um mein Musikerleben und den Weg der Selbstfindung. Mein neuer Roman ist gerade in Fertigstellung, auch darin geht es um Lebensparabeln.

Wie sehen Sie dem Konzert in Schloss Thalheim entgegen?
Das Setting hier ist sehr stimmig, friedlich und ruhig. Thalheim ist ein Ort der Suche. Es ist schön, dass hier Kultur passiert. Ich wünsche mir, dass sich Thalheim noch mehr als Ort der schönen Künste etabliert.