Region Purkersdorf: Schulpsychologen waren 2021/22 besonders gefragt

Erstellt am 28. Juni 2022 | 20:01
Lesezeit: 4 Min
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An der Volksschule Tullnerbach wurde vergangene Woche wieder ein Schulfest gefeiert.
Foto: Volksschule Tullnerbach/Hrabe
Lehrer und Direktoren aus der Region beschreiben das vergangene Schuljahr als Herausforderung.
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Als Herausforderung empfand der BAfEP-Direktor Peter Brunner das letzte Schuljahr. „Im Jänner ist die Omikron-Variante durchgerauscht“, blickt er zurück. „Da wir aber schon eine gewisse Routine mit Home Schooling haben, konnten wir das gut bewältigen.“

Er beobachtet, dass es vermehrt psychische Probleme gibt. „Die Schüler sind ohnehin in der Pubertät und dann ist noch die Pandemie dazugekommen“, erklärt er. Aber auch für Lehrkräfte sei belastend, wenn sie Leistungsabfälle bei Schülern bemerken, die vorher ausgezeichnet waren.

Schulseelsorge, Trauma-Workshop etc.: Schule gut aufgestellt

Für deren Bewältigung besitze seine Schule ein gutes Netzwerk: Viele seiner Lehrkräfte verfügen über eine Mediationsausbildung, außerdem gibt es eine Schulseelsorge sowie eine Campus-Psychologin, die ihre Stunden aufgestockt hat, eine Kooperation mit dem Jugendcoaching in Purkersdorf und einen Trauma-Workshop.

Vor allem depressive Verstimmungen seien bei den Schülern zu spüren. „Ich denke aber, dass die Jugendlichen das wieder hinkriegen“, ist er optimistisch. „Die Stimmung hat sich auf jeden Fall schon verbessert.“

Rückblickend beschreibt Thomas Pölzl, Schulleiter der NMS Pressbaum, das Schuljahr ebenfalls als „nicht einfach“ für Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Als Ansprechpartnerin ist einmal in der Woche eine Sozialarbeiterin an der NMS. Der Zustrom habe sich seit Ausbruch der Pandemie merkbar erhöht.

„Schüler in dem Alter müssen erst lernen, wie man mit den Sozialen Medien richtig umgeht. Während des Home Schoolings haben sie mehr Zeit als üblich damit verbracht.“ Thomas Pölzl

Eines der Hauptthemen waren die Sozialen Medien. „Schüler in dem Alter müssen erst lernen, wie man mit den Sozialen Medien richtig umgeht. Während des Home Schoolings haben sie mehr Zeit als üblich damit verbracht“, beschreibt Pölzl die Herausforderung mit der Informationsflut der digitalen Medien.

Die Sozialarbeiterin hat zudem Workshops zu den Themen „Klassengemeinschaft“ und „Soziales Lernen“ in den Klassen durchgeführt. Zusätzliche Veranstaltungen im Mai und Juni sollten den Zusammenhalt stärken. Eine vierte Klasse war beispielsweise vier Tage in Salzburg, die erste Klasse im Tenniscamp und die Theatergruppe hat schulintern ein Stück aufgeführt.

Als einfacher empfand dagegen René Bachmayer, Lehrer am BG/BRG Purkersdorf, das vergangene Schuljahr. Es habe beispielsweise kein flächendeckendes Home Schooling gegeben. Darüber hinaus konnten Ball, Maturafeier und Sprachreisen stattfinden.

Psychische Probleme sind jedoch am Gymnasium ebenfalls Thema. Auch hier hat die Schulpsychologin ihre Stunden aufgestockt. „Vor allem beim Home Schooling gingen einige Schüler ‚verloren‘ und waren nicht mehr erreichbar“, schildert Bachmayer. Aus seiner Sicht haben Jugendliche allerdings derzeit vor allem wegen des Krieges und des Klimawandels Zukunftsängste, nicht wegen der Pandemie.

Hohe Belastung auch an der Volksschule

„Wir haben viele Gespräche mit Eltern geführt, wenn Kinder sich stark verändert haben“, schildert Christa Walzel, Direktorin der Tullnerbacher Volksschule. Die Kinder haben sich zum Beispiel plötzlich zurückgezogen oder wollten nicht mehr lernen. Allerdings sei schwer festzustellen, ob die Veränderungen einfach wieder vergehen oder ob es Unterstützung braucht. Zugleich sei die schulpsychologische Stelle aktuell „maßlos überlastet“ und es gebe zu wenig Kassaplätze.

Auch ihre Lehrer habe sie zum Schluss bremsen müssen. Denn sie habe gemerkt, dass sie fast nicht mehr können. „Ich habe auch gespürt, dass ich an meinen Grenzen bin“, erzählt sie.

Vor allem die Verantwortung sei in der letzten Zeit größer gewesen, was besonders belastend sei. Bei Überlastung ihrer Lehrkräfte versuche sie, Lösungen zu finden und beispielsweise Zuständigkeiten anders zu verteilen. „Als Schulmanagerin muss man schauen, dass es den Leuten gut geht“, begründet sie. Denn auf diese Weise gehe es auch den Schulkindern und Eltern gut. „Dieser Kreislauf ist mir wichtig.“

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