Holzlieferant aus der Region Purkersdorf: „100 Anrufe pro Stunde“

Erstellt am 02. August 2022 | 20:06
Lesezeit: 3 Min
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Marcus Kobald und Christoph Friedmann vom Unternehmen „Naturburschen“ erreichen derzeit viele verzweifelte Anrufe mit Nachfragen nach Brennholz.
Foto: Naturburschen
Heizmaterial ist aktuell knapp. Lieferanten aus der Region Purkersdorf schildern die Situation vor Ort und geben Ratschläge.
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„Die Lage ist katastrophal. Ich bekomme 1.000 verzweifelte Mails in nur zwei Wochen. Mein Handy kann ich schon gar nicht mehr aufdrehen, da mich 100 Anrufe pro Stunde erreichen“, schildert Marcus Kobald von den Naturburschen in Pressbaum die prekäre Lage in der Region.

Er habe allerdings nur ein begrenztes Kontingent an Brennholz. „Ich habe meine Stammkunden und kann keine zusätzlichen Kunden aufnehmen“, sagt er. Sein Kontingent an Brennholz könnte er derzeit vielfach verkaufen.

Schon vergangenen Herbst habe sich die Situation zuzuspitzen begonnen. So seien den Baumärkten bereits die Holzöfen ausgegangen, weil sich alle so einen Ofen zugelegt hätten. „Die Brennholzpreise gehen außerdem mit den Treibstoffkosten einher“, so Kobald, der seit 2015 seinen Betrieb in Pressbaum hat und Brennholz aus dem Wienerwald vertreibt.

Eine Besserung sieht er auch für die kommenden Jahre nicht. „Die Situation ist verfahren. Ich kann nur raten, wenn möglich, auf Photovoltaikanlagen auszuweichen und mit Strom zu heizen“, so Kobald.

„Eine Situation wie diese habe ich noch nie gesehen“

Einen „Run“ auf Pellets erlebt derzeit auch Christian Rakos, Geschäftsführer von propellets Austria und Präsident der World Bioenergy Association: „Ich bin seit 17 Jahren Geschäftsführer, aber ich habe selbst eine Situation wie diese noch nie gesehen.“ Einerseits seien die Preise für Holzpellets deutlich gestiegen und außerdem können keine Bestellungen mehr aufgenommen werden.

Als einen Grund sieht Rakos den Ukrainekrieg: „Länder, wie Russland, Weißrussland und die Ukraine waren wichtige Pelletslieferanten, Lieferungen aus diesen Ländern sind abrupt zu einem Stillstand gekommen.“ Außerdem sei es in ganz Europa zu einem verstärkten Bedarf gekommen, da sich die Leute nach Alternativen zu fossilen Energieträgern umgesehen hätten.

Aufgrund der unsicheren Situation wollen viele Kundinnen und Kunden auch jetzt schon ihr Heizmaterial einlagern. In Bezug auf die Lieferverzögerungen rät Rakos, mit der Bestellung bis in den Herbst zu warten. „Grundsätzlich können wir in Österreich mehr Pellets produzieren als wir brauchen.“

Derzeit seien es über 100.000 Tonnen pro Monat. Allerdings würde man die Produktion des gesamten Jahres brauchen. „Es wird wieder Pellets geben, wir können nur nicht im Sommer schon alle Kunden versorgen“, erklärt der Wolfsgrabener.

„Alles an unseren Holzvorräten ist bereits restlos verkauft“, sagt Herbert Schadenhofer, Geschäftsführer im Lagerhaus Tulln-Neulengbach, zu dem auch das Lagerhaus Gablitz gehört. Als Alternative schlägt er Holzbriketts vor. Allerdings gehe auch hier das Lager bereits zur Neige.

Die Hamsterkäufe sieht er als Reaktion auf die Panikmache in manchen Medien. Eine Entspannung sei nicht in Sicht, stellt Schadenhofer fest. „Ich hoffe aber, dass sich die Lage im nächsten Jahr etwas beruhigen wird.“

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